Tischbein, Johann Heinrich d. Ä.


Haina 3.10.1722 - 22.8.1789 Kassel

Name: Tischbein, Johann Heinrich d. Ä.
Namensansetzungen: Tischbein Johann Heinrich d. Ä.
Nationalität: D
Lebensdaten: 3.10.1722 - 22.8.1789
Geburtsort: Haina, Deutschland
Todesort: Kassel, Deutschland
Beruf: Maler und Radierer


Johann Heinrich Tischbein d. Ä., der »Kasseler Tischbein«, gehört zu den talentiertesten und einflussreichsten Mitgliedern der Malerfamilie Tischbein. Zusammen mit dem Bildhauer Johann August Nahl d. Ä. (1710-1781) und dem Architekten Simon Louis du Ry (1726-1799) war es wesentlich sein Verdienst, dass die Residenzstadt Kassel in der Mitte des 18. Jahrhunderts zu einem Kunstzentrum von überregionaler Bedeutung wurde.
Mit 13 Jahren begann Tischbein in Kassel eine Lehre bei dem Tapetenmaler Johannes Zimmermann und nahm zusammen mit seinem älteren Bruder Johann Valentin Unterricht im Zeichnen bei Johann Georg van Freese (1701-1775), dem landgräflichen Hofmaler und Galerieinspektor. Heinrich Friedrich Reichsgraf von Stadion (1671-1768) ermöglichte ihm ab 1743 einen fünfjährigen Studienaufenthalt in Paris, wo er das Atelier von Charles André Vanloo (1685-1766) besuchte. Tischbein gehört zusammen mit Johann Christian Fiedler, Christian Bernhard Rode (1725-1717) und Januarius Zick (1730-1797) zur ersten Generation deutscher Künstler, die sich zur Weiterbildung in Paris aufhielten. Dort konnte er den Wettstreit zwischen den führenden französischen Historienmalern – zwischen Vanloo, Jean Restout (1692-1768), François Boucher (1703-1770) und Charles Joseph Natoire (1700-1777) – unmittelbar verfolgen. Auch lernte er die prunkvoll ausstaffierten Standesporträts von Hyacinthe Rigaud (1659-1743) und Nicolas de Largillière (1656-1746) kennen. Von 1748 bis 1751 bereiste Tischbein Italien und hielt sich mehrere Monate in Venedig, kurzzeitig in Bologna und Florenz und zwei Jahre in Rom auf. In Venedig befreundete er sich mit Giovanni Battista Piazzetta (1682-1754), dessen Zeichenschule er während seines Aufenthaltes in der Lagunenstadt besuchte.
Tischbeins Mäzen Graf von Stadion vermittelte den Maler nach seiner Rückkehr aus Italien an Wilhelm VIII. von Hessen-Kassel (1682-1760). Dieser ernannte ihn im April 1753 zum Hofmaler. Im November 1753 siedelte Tischbein nach Kassel über und trat vermutlich zu Beginn des Jahres 1754 seine neue Stelle an. Als Hofmaler schuf er zahlreiche Bildnisse der landgräflichen Familie, wurde zur dekorativen Ausstattung der Schlösser Wilhelmsthal, Pyrmont und Weißenstein herangezogen, lieferte Werke für die Gemäldegalerie und malte auch Altarbilder, unter anderem für die Lutherkirche und für die Elisabethkirche in Kassel. Nach dem Tod Wilhelms VIII. blieb Tischbein auch unter Landgraf Friedrich II. (1720-1785) erster Hofmaler. Seit 1762 unterrichtete er Zeichenkunst und Malerei am Collegium Carolinum, 1776 wurde er Professor für Malerei und Direktor an der Kasseler Kunstakademie. 1779 ernannte ihn die »Accademia Clementina« in Bologna zum Ehrenmitglied. Durch seine Lehrtätigkeit und sein jahrzehntelanges Wirken begründete Tischbein in Kassel einen Malstil, der mehrere Schülergenerationen bis ins 19. Jahrhundert prägte. Aus der Verbindung des in Paris erlernten französischen Porträtstils mit Elementen der venezianischen und niederländischen Malerei schuf Tischbein einen Bildnisstil, der die deutsche Porträtmalerei – neben Georges Desmarées, Johann Georg Ziesenis und Anna Dorothea Therbusch – maßgeblich bestimmt hat.
Über Tischbeins Leben und Werk publizierte Josef Friedrich Engelschall (1739-1797) eine ausführliche Monographie, in der auch die Gedenkrede von Tischbeins langjährigem Freund, dem Historiker Wilhelm Johann Christian Casparson (1729-1802) abgedruckt ist.

StAM, Best. 4a, Nr. 79,17 u. 84,10, Bd. 5f.; StAM, Best. 5, Nr. 16303; Deutsches Museum 1777, S. 362-372; Meusel 1, S. 143-146; Casparson 1790; Engelschall 1797; Strieder, Bd. 16, 1812, S. 227; Michel 1881; Bahlmann 1911; AK Kassel 1964, S. 5-7; AK Kassel 1989, S. 40-51; Tiegel-Hertfelder 1996, S. 13-56; Flohr 1997, S. 10-34.


Beziehungen:


  1. Kind: Tischbein, Wilhelmine Caroline Amalie (unbekannt)
  2. Verweis: Tischbein d. Ä. (Schule) [= Eintrag erfolgt unter Tischbein, Johann Heinrich d. Ä.] (unbekannt)

Letzte Aktualisierung: 22.03.2017


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