Tischbein, Johann Friedrich August


Maastricht 9.3.1750 - 21.6.1812 Heidelberg

Name: Tischbein, Johann Friedrich August
Nationalität: D
Lebensdaten: 9.3.1750 - 21.6.1812
Geburtsort: Maastricht, Belgien
Todesort: Heidelberg, Deutschland
Beruf: Maler


Johann Friedrich August Tischbein, auch der »Leipziger Tischbein« genannt, Sohn des Malers Johann Valentin, begann seine Ausbildung zum Maler 1768 in Kassel bei seinem Onkel Johann Heinrich d. Ä. Seit 1770 förderte Friedrich Carl August von Waldeck und Pyrmont aus Arolsen den jungen Künstler und finanzierte ihm Aufenthalte zur künstlerischen Weiterbildung in Paris und in Italien. Von 1772 bis 1777 hielt sich Tischbein in Paris auf, wo er durch Empfehlung seines Onkels enge Kontakte zu Johann Georg Wille (1715-1808) und zur deutschen Künstlerkolonie hatte. In den Jahren 1777/78 war er in Rom ansässig, 1779 ging er nach Neapel und lernte die Kunstsammlung William Hamiltons kennen. Im Sommer 1780 erhielt er in Arolsen, wohin er über Rom und Wien zurückgekehrt war, am Hof seines Gönners eine Anstellung als Rat und Kabinettmaler. Dennoch reiste er weiterhin häufig und nahm als höfischer Wanderkünstler zahlreiche Porträtaufträge entgegen. Im Spätsommer 1781 fuhr er nach Paris, in den Jahren 1781/82, 1786 und 1788/89 arbeitete er in Den Haag und von 1791 bis 1794 in Amsterdam. Im Frühjahr 1795 verließ er Arolsen endgültig und ging nach Weimar, trat in Verhandlungen mit Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau und wechselte im Dezember 1795 in dessen Dienste. Während seines Aufenthaltes in Weimar malte Tischbein Bildnisse von Martin Wieland, Johann Gottfried Herder und Carl August Böttiger, später auch von Friedrich Schiller. Auch am Dessauer Hof schuf er hauptsächlich Porträts.
Im Februar 1800 wurde er als Nachfolger Adam Friedrich Oesers zum Direktor der Leipziger Kunstakademie ernannt, die er bis zu seinem Tod leitete. Von 1806 bis 1808 hielt er sich in St. Petersburg auf, um die Erbschaft seines Bruders Ludwig Philipp Tischbein (1744-1806) zu regeln, der als Maler und Architekt am Hof Katharinas II. gearbeitet hatte. Dort erhielt er zahlreiche Aufträge aus dem russischen Adel und porträtierte auch Mitglieder der Zarenfamilie. Nach seiner Rückkehr lebte er noch vier Jahre in Leipzig, bis er im Juni 1812 während eines Besuchs bei seiner ältesten Tochter Caroline Wilken in Heidelberg starb.
Friedrich August Tischbein gehört mit seinem Onkel Johann Heinrich d. Ä., dem »Kasseler Tischbein«, zu den bedeutendsten Malern der Künstlerfamilie Tischbein. Er war über die deutschen Grenzen hinaus ein bekannter Porträtmaler. Seine von englischen Vorbildern beeinflusste Malerei ist Ausdruck einer neuen Porträtauffassung, die am Ende des 18. Jahrhunderts aufkam und dem Geist der Empfindsamkeit verpflichtet war.

Meusel 2, Bd. 2, 1809, S. 440; Stoll 1923; Dingeldey 1931; Franke 1993, Bd. 1, S. 6-142.


Letzte Aktualisierung: 22.03.2017


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