Porträtmedaillon eines Edelmannes von zwei Putti gehalten



Porträtmedaillon eines Edelmannes von zwei Putti gehalten


Inventar Nr.: Dep. 111
Bezeichnung: Porträtmedaillon eines Edelmannes von zwei Putti gehalten
Künstler: unbekannt
Datierung:
Geogr. Bezug:
Material / Technik: Öl
Maße: 8,2 x 12,2 cm (Bildmaß)
Beschriftungen: Beschriftung: Rafael Mengs
Beschriftung: 8n (Bleistift) 81 (rote Kreide)


Katalogtext:
Zwei als Grisaille gemalte, auf einer schmalen Sockelzone stehende Putten halten mit ihren Händen ein gemaltes Brustbild eines Edelmannes in einem goldenen ovalen Rahmen. Während der rechte Putto, sich vom Betrachter abgewandt mit dem Knie auf einen Helm stützt, hält der linke, die Beine überkreuzt, einen Palmwedel in seiner Rechten. Ein Schild zu seinen Füßen verweist ebenfalls auf die militärische Sphäre, so dass in dem unbekannten Edelmann ein Militär zu vermuten ist. Der Palmwedel könnte darüber hinaus ein Hinweis auf die Memorialfunktion des kleinen Bildes sein.

Weder der Künstler noch der Dargestellte sind bislang identifiziert. Die rückseitige Beschriftung „Rafael Mengs“ könnte einen Hinweis geben. Jedoch zeigt der Dargestellte keine Ähnlichkeit mit den überlieferten Bildnissen von Anton Rafael Mengs. Ob das Mengs der Schöpfer des Kasseler Bildes sein könnte, bedarf weiterer Forschung, da bislang vergleichbare kleinformatige Ölbilder von ihm nicht bekannt sind. Eine gewisse physiognomische Übereinstimmung mit Mengs‘ Bildnis des Robert Sutton Manners zeigt sich immerhin (Öl auf Leinwand, 62 x 46,5 cm, London, Sotheby’s, Auktion, 09.11.1994, Los 48. Siehe Roettgen 1999, Bd. 1, S. 298–299). Verwandt ist zudem die voluminös aufgebauschte Gewandung des Edelmanns sowie die Pose mit der an seine Brust geführten Hand.

Ein vergleichbares Sujet mit einem ovalen Porträt, das von mehreren Putten gehalten und präsentiert wird, zeigt ein kleines, Abraham van Diepenbeeck zugeschriebenes Gemälde (Öl auf Holz, 13,3 x 20,6 cm, zuletzt Zürich, Auktionshaus Koller, 19.09.2008, Los 6460). Der Typus von fiktiven gemalten Porträtmedaillons, die von Putten gerahmt werden, lässt sich somit bereits im 17. Jahrhundert nachweisen. In Format und Komposition erinnern solche Gemälde darüber hinaus an Titelvignetten mit Porträts, wie sie etwa in gedruckten Biographien im 18. Jahrhundert üblich waren. Für den Bereich der Künstlerviten wäre etwa auf das Werk von Jean-Baptiste Descamps zu verweisen (Jean-Baptiste Descamps: La vie des peintres flamands, allemands et hollandois, 4 Bände, Paris 1753–1763).

Das bislang unbekannte Ölbildchen in Kassel zeigt zwar sicher keinen Künstler, sondern wohl einen vornehmen Edelmann bzw. Militär. Es ist jedoch gut möglich, dass das Gemälde als Vorlage für einen Stich dienen sollte, der als eine Titelvignette oder ähnliches Verwendung fand oder finden sollte.

Unabhängig von der genauen Identifizierung des Künstlers und des Dargestellten zeigt das Bild den Trompe-l’Œil-Effekt en miniature und verdeutlicht zugleich die Grenzen der Augentäuschung. Kaum ein Betrachter wird in Versuchung geraten, hier ein tatsächliches plastisches Gebilde vor sich zu sehen. Vielmehr ist das Bild ein Beleg dafür, wie sich im 18. Jahrhundert die augentäuschende Malerei zu einer allegorischen Formel wandelte.



Letzte Aktualisierung: 27.01.2017


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