Apollon besiegt die Pythonschlange



Apollon besiegt die Pythonschlange


Inventar Nr.: 1875/1630
Bezeichnung: Apollon besiegt die Pythonschlange
Künstler: Johann August d. J. Nahl (1752 - 1825)
Datierung: um 1813
Geogr. Bezug: Kassel
Material / Technik: Leinwand, doubliert
Maße: 77 x 55,5 cm (Bildmaß)
Umzug NG: 89,2 x 68,0 x 7,0 cm (Objektmaß)
Provenienz:

alter Bestand, Erwerbungsdatum unbekannt


Katalogtext:
Nahl, der in seinen Historiengemälden zumeist Themen aus der griechischen und römischen Mythologie und Geschichte behandelt, bezieht sich hier auf eine Sage aus den »Fabiae« (Fabel 140) des römischen Schriftstellers Hyginus: Apollon, der Sohn des Zeus und der Leto, tötete kurz nach seiner Geburt die Pythonschlange in Delphi, wo sie das Traumorakel ihrer Mutter Gaia bewachte.
Apollon, auf den ein weißes Licht fällt, ist aus der Mittelachse nach links verschoben. Angespannt steht er in breitem Ausfallschritt vor der Felsenhöhle, den Bogen in der ausgestreckten Linken, den rechten Arm in der Position des Schützen, der soeben den entscheidenden Pfeil auf das Ungeheuer abgeschossen hat. Der Faltenwurf seines losen, über die linke Schulter geworfenen Umhangs betont die schwungvolle Bewegung. Im Eingang der Höhle sinkt der hoch aufgerichtete, bedrohlich große Körper der Pythonschlange tödlich getroffen in sich zusammen. Der Dreifuß und die hellen Rauchwolken, die aus der dunklen Höhle strömen, zeigen Delphi als den Ort des Orakels an.
Ein Hinweis auf die Datierung des Gemäldes findet sich in einem Skizzenbuch des Malers, das eine mit Graphit und weißer Kreide gezeichnete Pflanzenstudie enthält. Zu ihr hat Wilhelm Nahl nachträglich angemerkt, dass sein Vater sie 1813 für die große Zeichnung mit Apollon und Python angefertigt und dass ihm als Vorlage eine Hopfenpflanze aus dem Garten gedient habe. Im Gemälde taucht diese Pflanze in der rechten unteren Bildecke auf, wo sie an der Felswand des Höhleneingangs emporklettert. Auch die anderen Pflanzen und Baumwurzeln des wild bewachsenen Höhleneingangs deuten darauf hin, dass Nahl auf weitere Naturstudien zurückgegriffen hat.
Das allein in Graubrauntönen gehaltene Kolorit der dünn aufgetragenen Ölfarben ist für Nahls Gemälde ungewöhnlich, bedeutet aber nicht, dass es sich hierbei um eine Vorzeichnung handelt. Dagegen spricht auch die vollständige Ausführung der Szene. Vielmehr suchte Nahl wohl die Wirkung der von ihm in diesen Jahren bevorzugten Sepia- und Grisailletechnik auf die Leinwand zu übertragen. Gestützt wird diese Vermutung durch eine Federlavierung mit der Darstellung Apollons, die – wenn auch seitenverkehrt – mit der Gemäldefassung weitgehend übereinstimmt und in unmittelbarem Zusammenhang mit dieser entstanden sein wird (MHK, Graphische Sammlung, Inv. Nr. GS 3326). In der Graphischen Sammlung der Staatlichen Museen Kassel werden außerdem noch zwei von der Endfassung abweichende Zeichnungen und Studien zur Armpartie Apollons sowie eine weitere zum Baumschlag aufbewahrt (Inv. Nr. GS 7309-7311, GS 7313).


Literatur:
  • Nahl d. J., Johann August: Biographische Skizze nach 1815., Kat.Nr. 8, S. 13, 19.
  • Herzog. Erich: Kurhessische Maler 1800-1850. Kassel 1967.
  • Fuchs, Werner: Die Skulptur der Griechen. München 1969.
  • Sabine Fett und Michael Kalusok: Die Künstlerfamilie Nahl - Rokoko und Klassizismus in Kassel. Verzeichnis sämtlicher Werke von Johann August Nahl d. Ä., Johann Samuel Nahl d. J. und Johann August Nahl d. J. im Besitz der Staatlichen Museen Kassel. Kassel 1994, Kat.Nr. 81, 125, S. 73, 103.
  • Heraeus, Stefanie [Bearb.]; Eissenhauer, Michael [Hrsg.]: Spätbarock und Klassizismus. Bestandskatalog der Gemälde in den Staatlichen Museen Kassel. Kassel [u.a.] 2003, Kat.Nr. 110, S. 133-134.
  • Nahl d. J.: Skizzenbuch. o.J., S. 17.


Letzte Aktualisierung: 20.09.2017


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