Der Leipziger Kaufherr Jaques Ferdinand Dufour-Feronce mit seiner Tochter Constance Aimée



Der Leipziger Kaufherr Jaques Ferdinand Dufour-Feronce mit seiner Tochter Constance Aimée


Inventar Nr.: GK 939 (1875/1366)
Bezeichnung: Der Leipziger Kaufherr Jaques Ferdinand Dufour-Feronce mit seiner Tochter Constance Aimée
Künstler: Johann Friedrich August Tischbein (1750 - 1812)
Datierung: 1802
Geogr. Bezug: Leipzig
Material / Technik: Leinwand
Maße: Umzug NG: 205,5 x 132,5 x 8,0 cm (Objektmaß)
193 x 120 cm (Bildmaß)
Provenienz:

erworben 1956 von Marc Dufour-Feronce, Berlin-Zehlendorf

1924 Albert Dufour-Feronce, London

1912 Albert Dufour-Feronce, Leipzig

Beschriftungen: Signatur: bez. u.r. (auf dem Stuhl): Tischbein p: 1802.


Katalogtext:
Jacques Ferdinand Dufour-Feronce (1766-1817), geb. Dufour, ein aus einer hugenottischen Familie stammender Großkaufmann für französische Seidenwaren in Leipzig, ließ seine Familie in zwei ganzfigurigen Pendantbildnissen porträtieren. Während Gattin und Sohn in einem repräsentativen Interieur wiedergegeben sind (1875/1380), befindet sich der Kaufmann mit seiner Tochter in der freien Natur, in einer weitläufigen Landschaft am Fuße eines Baumes. Hinter den beiden Personen öffnet sich der Blick in die Ferne, auf einen Hügel mit Häusern und auf ein Anwesen, das zwischen dem Laubwerk nur zu erahnen ist und bei dem es sich möglicherweise um den Landsitz der Familie Dufour-Feronce in Connewitz handelt. Die älteste Tochter, Constance Aimée (1793-1808), steht vor dem sitzenden Vater in einem langen, weißen Musselinkleid und stützt sich mit dem linken Arm auf dessen Knie. Die Vater-Tochter-Pose weist darauf hin, dass es neben dem bürgerlichen Mütterlichkeitsideal auch ein Väterlichkeitsideal gab, das sich ebenfalls durch Zärtlichkeit und körperliche Nähe – durch »sanfte Männlichkeit« (Trepp 1996) – auszeichnete. Dies kommt noch offensichtlicher in Tischbeins beiden Bildnissen zum Ausdruck, die den Vater des Kaufmanns, Jacques Marc Antoine Dufour-Pallard (1737-1805), mit jeweils einer seiner Enkelinnen zärtlich aneinandergelehnt zeigen.
Im Unterschied zu einem Bildnis Anton Graffs, das wohl Jacques Ferdinand Dufour-Feronce darstellt und um 1787 datiert wird (Privatbesitz), hat der Kaufmann sich von Tischbein nicht an einem Tisch vor Büchern, sondern in der Natur als empfindsamer Privatmann darstellen lassen. Die Natur als Mittel der Selbstfindung und Ort heiterer Zusammenkünfte unterstreicht die Stilisierung als liebevoller Familienvater.
Mit der kulissenhaft angelegten Landschaft folgt das Bildnis ebenso wie in der Pose und Kleidung des Großkaufmanns dem englischen Porträt. Tischbein griff hier einen Typus auf, den er bereits 1792 im Porträt des Andries Adolph Deutz van Assendelft (Privatbesitz) und auch in dem 1795 entstandenen Gemälde von Carl August Herzog von Sachsen-Weimar-Eisenach verwendet hatte (Kunstsammlungen zu Weimar, Inv. Nr. G 1202). Der Frack aus dunkelblauem Tuch mit den Messingknöpfen, die helle Lederhose und die Stulpenstiefel des Kaufmanns folgen der englischen Reitkleidung. Auch gehört die Sitzhaltung der zwanglos übereinander geschlagenen Beine zum zeitgenössischen Repertoire inszenierter Natürlichkeit, wie sie in der englischen Bildnismalerei vorbildhaft formuliert war.


Literatur:
  • Leipziger gelehrtes Tagebuch. 1802, S. 143.
  • Meusel, Johann Georg: Teutsches Künstlerlexikon oder Verzeichnis der jetztlebenden Teutschen Künstler, Zweite überarb. Ausgabe. Lemgo 1808ff., S. 440 (Bd. 2, 1809).
  • Kurzwelly, Albrecht [Bearb.]: Die Leipziger Bildnismalerei von 1700 bis 1850. Leipzig 1912, Kat.Nr. 764, S. 28.
  • Biehl, Walther: Die Leipziger Bildnismaler von 1700-1850. In: Zeitschrift für bildende Kunst (1912), S. 272-288, S. 272, 283.
  • Heyne, Hildegard: Die Leipziger Bildnismalerei von 1700-1850. In: Cicerone (1912), S. 591-604, S. 597.
  • Joh. Friedrich August Tischbein, 1750-1812. Gemälde und Zeichnungen aus deutschem Museums- und Privatbesitz. 1924, Kat.Nr. 7.
  • Teupser, Werner: Johann Friedrich August Tischbein (ausgestellt im Leipziger Kunstverein). In: Zeitschrift für bildende Kunst (1924), S. 14-23, S. 19.
  • Dingeldey, Helmut: Johann Friedrich August Tischbein (1750-1812). Zur Ausstellung von Gemälden und Zeichnungen des Künstlers im Leipziger Kunstverein. In: Cicerone (1924), S. 438-450, S. 443.
  • Vogel, Hans: Eine Neuerwerbung der Kasseler Galerie. In: Hessische Heimat (1956/57), S., S. 21.
  • Vogel, Hans: Katalog der Staatlichen Gemäldegalerie zu Kassel. Kassel 1958, Kat.Nr. 939, S. 153.
  • Oehler, Lisa: Neuerwerbungen in der Amtszeit von Hans Vogel (1945-1961), für die staatlichen Kunstsammlungen in Kassel. In: Kunst in Hessen und am Mittelrhein (1962), S., S. 61.
  • Berckenhagen, Ekhart: Anton Graff. Leben und Werk. Berlin 1967, Kat.Nr. 236A.
  • Tischbein, een reizend portrettist in Nederland. Utrecht 1987, Kat.Nr. 22.
  • Kluxen, Andrea M.: Das Ende des Standesproträts. Die Bedeutung der englischen Malerei für das deutsche Porträt 1760-1848. München 1989, S. 168.
  • Franke, Martin: Johann Friedrich August Tischbein. Leben und Werk. Egelsbach u. a. 1993, Kat.Nr. 95, 97 (Bd. 2).
  • Trepp, Ann-Charlotte: Sanfte Männlichkeit und selbständige Weiblichkeit. Göttingen 1996, S. 353-355.
  • Middell, Katharina: Hugenotten in Leipzig. Streifzüge durch Alltag und Kultur. Leipzig 1998, S. 122-130, 194.
  • Friedrich, Arnd; Heinrich, Fritz; Holm, Christiane [Hrsg.]: Johann Heinrich Wilhelm Tischbei (1751-1829). Das Werk des Goethe-Malers zwischen Kunst, Wissenschaft und Alltagskultur. Petersberg 2001, S. 19.
  • Heraeus, Stefanie [Bearb.]; Eissenhauer, Michael [Hrsg.]: Spätbarock und Klassizismus. Bestandskatalog der Gemälde in den Staatlichen Museen Kassel. Kassel [u.a.] 2003, Kat.Nr. 172, S. 198-200.
  • 3x Tischbein und die europäische Malerei um 1800. Kat. Staatliche Museen Kassel, Museum der bildenden Künste Leipzig. München 2005, Kat.Nr. 63, S. 48, 194.


Letzte Aktualisierung: 26.09.2017


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