Friedrich II. Landgraf von Hessen-Kassel



Friedrich II. Landgraf von Hessen-Kassel


Inventar Nr.: 1875/749
Bezeichnung: Friedrich II. Landgraf von Hessen-Kassel
Künstler: Johann Heinrich d. Ä. Tischbein (1722 - 1789)
Datierung: um 1773
Geogr. Bezug: Kassel
Material / Technik: Leinwand, doubliert
Maße: 140,5 x 112 cm (Bildmaß)
Provenienz:

im Auftrag von Landgraf Friedrich II.


Katalogtext:
Im Vergleich zu dem etwa zehn Jahre zuvor entstandenen Feldherrnporträt (1875/748) ist Landgraf Friedrich II. (1720-1785) hier mit drei weiteren Orden ausgezeichnet, zudem wirken die Gesichtszüge und die gesamte Statur fülliger. Wiederum trägt er den dunkelblauen Uniformrock des ersten Bataillons Garde mit roten Aufschlägen und Kragen. Auf den Rabatten sind die silbernen Schleifen zu großflächig gestickten Streifen mit Ornamenten verändert. Auf dem Rock ist neben dem Bruststern des englischen Hosenbandordens der des preußischen Schwarzen Adlerordens aufgenäht. Um den Hals liegt an einem langen, blauen Band mit silbernem Streifen der fürstlich-hessische Militärverdienstorden »Pour la vertu militaire«, den der Landgraf am 5. März 1769 gestiftet hatte. Den Hausorden vom Goldenen Löwen, dessen Bruststern auf den hermelinbesetzten Purpurmantel gestickt ist, hatte Landgraf Friedrich II. an seinem 50. Geburtstag, dem 14. August 1770, gestiftet. Die entsprechenden Ordensschärpen liegen über und unter dem Uniformrock: die blaue Schärpe des Hosenbandordens, die orangefarbene des Schwarzen Adlerordens mit dem entsprechenden Kleinod sowie die von links nach rechts verlaufende, dunkelrote Schärpe des Hessischen Hausordens vom Goldenen Löwen mit dem dazugehörigen Kleinod. Im Hintergrund am rechten Bildrand liegt der Dreispitz mit breiter silberner Webborte, Hutagraffe und Schleife.
Darstellungen des Fürsten als Feldherrn, die den Regenten als Beherrscher des Schlachtfeldes und damit des Landes zeigen, gehörten im 18. Jahrhundert in der Nachfolge Hyacinthe Rigauds (1659-1743) zu den geläufigen Typen des Herrscherbildnisses. Ganzfigurig oder wie hier als Dreiviertelfigur ist der Herrscher mit dem Kommandostab in der Rechten vor einer Landschaft mit einer Feldschlacht zu sehen. Landgraf Friedrich II. hatte nach seinem Regierungsantritt im April 1760 Tischbein d. Ä. mit mehreren Fassungen seines Porträts beauftragt. Sie waren für die fürstlichen Schlösser bestimmt zur Repräsentation der neuen Herrschaft. Einige Porträts wurden auch an andere Höfe gesandt, um verwandtschaftliche und politische Beziehungen zu unterstreichen. Nach der Auszeichnung mit neuen Orden und Ehrenzeichen folgten aktualisierte
Bildnisse des Landgrafen. Das vorliegende Gemälde entstand, nachdem Landgraf Friedrich II. Ende Dezember 1772/Anfang Januar 1773 den Schwarzen Adlerorden erhalten hatte. Derzeit ist es an das 1779 vom Landgrafen gegründete Friedrichsgymnasium in Kassel verliehen.
Ein ähnlich gestaltetes Bildnis, das Tischbein mit »1773« signiert hat, findet sich etwa in Schloss Wilhelmsthal bei Kassel. Ein weiteres ist das ebenfalls mit »1773« bezeichnete ganzfigurige Bildnis des Landesfürsten, das Friedrich II. in ähnlicher Pose zeigt und das in Schloss Friedrichstein in Bad Wildungen ausgestellt ist (Gen. Kat. 10981). Dort sind an die Eiche im Hintergrund die hessischen Fahnen und Standarten gelehnt.


Literatur:
  • Thieme, U. [Hrsg.]; Becker, F [Hrsg.]; Vollmer, H. [Hrsg.]: Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Leipzig 1907-1950, S. 211 (Bd. 33, 1939).
  • Bleibaum, Friedrich: Die Bau- und Kunstdenkmäler im Regierungsbezirk Kassel. Bd. VII: Kreis Hofgeismar. Erster Teil. Schloß Wilhelmsthal. Kassel 1926, S. 94.
  • Knetsch, Carl: Das Haus Brabant.Genealogie der Herzöge von Brabant und der Landgrafen von Hessen. Darmstadt 1928, Kat.Nr. 20, S. 143.
  • Heidelbach, Paul: Kassel - Ein Jahrtausend hessischer Stadtkultur. Kassel 1957, S. 160.
  • Sauer, Werner [Hrsg.]: Die Orden und Ehrenzeichen des Kurfürstentums Hessen- Kassel im Bild. Steinau 1981, S. 2, 10.
  • Kunsträume. Die Länder zu Gast bei der Nationalgalerie Berlin. Berlin 1987, Kat.Nr. 6, S. 66.
  • Marianne Heinz [Bearb.]; Erich Herzog [Bearb.+ Hrsg.]: Johann Heinrich Tischbein d. Ä. (1722 - 1789), Kassel trifft sich - Kassel erinnert sich in der Stadtsparkasse Kassel. Kassel 1989, Kat.Nr. A 5, S. 191.
  • Flohr, Anna-Charlotte: Johann Heinrich Tischbein d.Ä. (1722-1789) als Porträtmaler mit einem kritischen Werkverzeichnis. München 1997, S. 297.
  • Heinz, Marianne: Johann Heinrich Tischbein d. Ä. (1722-1789), Hofmaler, Akademiedirektor und Lehrer der Malerfamilie Tischbein. In: Friedrich/Heinrich/Holm 2001 (2001), S. 47-56, S. 48.
  • Heraeus, Stefanie [Bearb.]; Eissenhauer, Michael [Hrsg.]: Spätbarock und Klassizismus. Bestandskatalog der Gemälde in den Staatlichen Museen Kassel. Kassel [u.a.] 2003, Kat.Nr. 234, S. 272-274.
  • 3x Tischbein und die europäische Malerei um 1800. Kat. Staatliche Museen Kassel, Museum der bildenden Künste Leipzig. München 2005, Kat.Nr. 46, S. 160.


Letzte Aktualisierung: 15.11.2017


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