Wilhelm Friedrich Ernst Graf zu Schaumburg-Lippe



Wilhelm Friedrich Ernst Graf zu Schaumburg-Lippe


Inventar Nr.: GK 718 (1875/1092)
Bezeichnung: Wilhelm Friedrich Ernst Graf zu Schaumburg-Lippe
Künstler: Johann Georg Ziesenis (1716 - 1776)
Datierung: um 1770
Geogr. Bezug:
Material / Technik: Leinwand, doubliert
Maße: 78 x 63 cm (Bildmaß)
Provenienz:

erworben 1889 von Wilhelm Scheffer, Sand/Merxhausen


Katalogtext:
Das Kniestück von Wilhelm zu Schaumburg-Lippe (1724-1777) hat Ziesenis zusammen mit dem – in Kassel nicht vorhandenen – Pendantporträt der Gemahlin, Marie zu Lippe-Biesterfeld (1744-1776), als Ehepaarbildnis konzipiert. Wilhelm posiert als Feldherr vor einer Landschaft mit einer Hügelkette. Die Rechte mit dem Kommandostab auf ein Postament gestützt, hat er die Linke hinter den Rücken gelegt und den Kopf, auf dem der schwarze Dreispitz mit dem brillantenen Hutknopf sitzt, nach links – in Richtung seiner Gattin – gewandt. Hervorgehoben wird die Gestalt des Regenten durch das leuchtende Rot des Uniformrockes, der einen scharfen Komplementärkontrast zu den Grünblautönen des Landschaftshintergrundes bildet. Auf dem goldbetressten Rock ist der Stern des preußischen Schwarzen Adlerordens angebracht, um den Hals liegt das in Brillanten gefasste Medaillonbildnis von König Joseph I. von Portugal, das dieser ihm 1763 zusammen mit dem Hutknopf geschenkt hatte. An dem Postament aus Sandstein, an dem das Wappen des Grafen angebracht ist, lehnt der Marschallstab. Der auf der Brüstung drapierte blaue Hermelinmantel unterstreicht seine Würde als Regent. Wilhelm Friedrich Ernst zu Schaumburg-Lippe regierte seit 1748 in Bückeburg. Er war Feldzeugmeister im Siebenjährigen Krieg, wurde 1762 Generalfeldmarschall der portugiesischen Truppen und 1764 großbritannischer Feldmarschall. Im Rahmen der unter Joseph I. eingeleiteten Reformen reorganisierte er das portugiesische Heerwesen. Darauf verweist der Landschaftshintergrund mit der portugiesischen Stadt Elvas, dem Fort Sta. Luzia und der von Wilhelm errichteten Festung »Fort de Lippe«.
Das Porträt wiederholt in verkleinertem Maßstab eines der berühmtesten Bildnisse des Grafen, die Ziesenis ausgeführt hat. Von der Erstfassung, die in Lebensgröße gemalt war und zusammen mit dem Gegenstück 1945 in Berlin verbrannte, gibt es mehrere Versionen, Kopien und Teilrepliken. Identisch mit dem Kasseler Porträt, auch im Format, ist die Version in der Berliner Gemäldegalerie (Inv. Nr. KFMV 238).


Literatur:
  • Bahlmann, Hermann: Johann Heinrich Tischbein. Straßburg 1911, S. 71.
  • Biermann, Georg: Deutsches Barock und Rokoko. Leipzig 1914, S. 452 (Bd. 2).
  • Gronau, Georg: Erwerbungen der Casseler Galerie 1912-22. In: Berliner Museen. Berichte aus den Preussischen Kunstsammlungen 44 (1923), S. 60-71, S. 70.
  • Gronau, Georg; Luthmer, Kurt: Katalog der Staatlichen Gemäldegalerie zu Kassel. 2. Aufl. Berlin 1929, Kat.Nr. 718, S. 96.
  • Kuntze, Friedrich-Franz: Johann Georg Ziesenis, ein deutscher Hofmaler zwischen Rokoko und Klassizismus. Erlangen 1932, S. 39-44.
  • Popitz, Klaus: 25 Jahre Filmplakate in Deutschland. 1950-1975. Ausstellungskatalog. Kunstbibliothek Berlin Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz. Berlin 1975, S. 485.
  • Schroeder, Johann Karl von: Graf Wilhelm zu Schaumburg-Lippe und seine Gemahlin. In: Jahrbuch Preußischer Kulturbesitz 16 (1979), S. 153-162, S. 153-162.
  • Schrader, Karin: Der Bildnismaler Johann Georg Ziesenis 1716-1776. Münster 1995, Kat.Nr. 247, 247a-e, S. 76, 134, 266.
  • Michaelis, Rainer: Die deutschen Gemälde des 18. Jahrhunderts. Kritischer Bestandskatalog. Berlin 2002, S. 280.
  • Heraeus, Stefanie [Bearb.]; Eissenhauer, Michael [Hrsg.]: Spätbarock und Klassizismus. Bestandskatalog der Gemälde in den Staatlichen Museen Kassel. Kassel [u.a.] 2003, Kat.Nr. 344, S. 361.


Letzte Aktualisierung: 05.10.2017


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