Der junge Gelehrte und seine Frau



Der junge Gelehrte und seine Frau


Inventar Nr.: GK 151
Bezeichnung: Der junge Gelehrte und seine Frau
Künstler: Gonzales Coques (1618 - 1684)
Datierung: 1640
Geogr. Bezug:
Material / Technik: Öl
Maße: 41 x 59,5 cm (Bildmaß)
58 x 77 x 8 cm (Rahmenmaß)
Provenienz:

erworben 1748 durch Wilhelm VIII., vermittelt von Baron Häckel, vermutlich aus dem Frankfurter Kunsthandel.Kammerrat Pfeiff als Vorbesitzer nicht nachweißbar.

Beschriftungen: Signatur: Gonsales F. 1640


Katalogtext:
„….der Gonzales ist und bleibt ein schönes Stück…“ schrieb Landgraf Wilhelm der VIII. an seinen „allergetreusten Knecht“ Baron Häckel, der den Ankauf des Gemäldes im Jahr 1748 für Kassel arrangierte (Hessenland 1891, S. 18). Der Betrachter blickt hier in ein bürgerliches Interieur, das mit vergoldeten Ledertapeten und Landschaftsgemälden reich geschmückt ist und in dem sich ein Herr und eine Dame in eleganter Kleidung aufhalten. Optisch getrennt werden die Personen durch einen holzverzierten Durchgang, der in einen weiteren, dahinter liegenden Raum führt.

Im 19. Jahrhundert galten die Dargestellten als Geschwister, doch sprechen die attributiv im Raum verteilten Gegenstände für ein Doppelbildnis eines jungen Ehepaares. Auf das Jahr 1640 datiert, steht es für die Antwerpener Malerei am Beginn eines neuen Porträttypus, des kleinformatigen Bildnisses. Hinzu kommt, dass sich die Dargestellten im Gegensatz zu den als Pendants konzipierten Porträts aus dem Hessischen Landesmuseum Darmstadt (GK 210 und 211) in einer häuslichen Umgebung präsentieren, wodurch sich die Gattung des Interieurs mit der des Porträts verbindet.

Die wirklichkeitsnahe Schilderung der bürgerlichen Wohnkultur jener Zeit zeugt von Reichtum und Repräsentationsbedürfnis. Ein Anspruchsdenken, welches durch die vorhandenen Gegenstände, Bücher, Sanduhr und Statuette, den Globus zur Rechten des Mannes und das Cembalo mit einer Darstellung des Midasurteils auf dem Instrumentendeckel zur Linken der Frau, untermauert wird. Wir haben es mit einem gebildeten Hausherrn zu tun, der sich als Gelehrter für unterschiedliche Wissensbereiche interessiert. Ob er möglicherweise aufgrund der anatomischen Figur eines Muskelmanns einen medizinischen Beruf ausgeübt hat, wie es in der Forschung behauptet wurde (Schnackenburg 1985, S. 48), muss hypothetisch bleiben, da die Dargestellten bisher nicht identifiziert werden konnten. Sicher ist hingegen, dass das Werk den Personen unterschiedliche Lebensbereiche zuweist: Dem Ehemann die ihm vorbehaltene Domäne der Wissenschaft und Forschung, der Frau das Musizieren. Die Musik kann als Sinnbild für die Harmonie stehen, gemeinsam mit der durch das Hündchen symbolisierten Treue, bildet sie die Grundlage für ein glückliches Eheleben.
Dem Werk kann also ein hoher Symbolgehalt zugesprochen werden, doch ist und bleibt es auch einfach ein „schönes Stück“, welches seit über 250 Jahren in Kassel zu Hause ist.
(T. Trümper, 2011)


Literatur:
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Letzte Aktualisierung: 26.06.2018


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