Die Kreuzannagelung Christi



Die Kreuzannagelung Christi


Inventar Nr.: GK 1021
Bezeichnung: Die Kreuzannagelung Christi
Künstler: Cornelis Cornelisz. van Haarlem (1562 - 1638), Werkstatt
Datierung:
Geogr. Bezug:
Material / Technik: Eichenholz
Maße: 98,7 x 74,4 cm (Bildmaß)
Provenienz:

erworben 1974 aus der Sammlung Dr. Günther Grzimek, Friedrichshafen; Geschenk der Fa. Wintershall AG, Kassel.


Katalogtext:
Das hier dargestellte Thema der Kreuzannagelung Christi ist in der Malerei nur relativ selten aufgegriffen worden. Der Künstler konnte sich somit nicht an einer vorhandenen Bildtradition orientieren, außerdem findet sich auch keine Textstelle in der Bibel, die ihm als Vorlage hätte dienen können. Dies führt zu einer sehr eigenständigen Umsetzung.
In starker Verkürzung liegt Christus auf dem Kreuz, umgeben von mehreren Personengruppen. Links des liegenden Körpers sind zwei kniende Knechte gerade dabei, einen Nagel durch die Handfläche Christi zu treiben, während im Bildmittelgrund der prächtig gekleidete Pilatus mit seinem Gefolge das Ausheben des Loches beaufsichtigt, in welches das Kreuz gestellt werden soll. Im Hintergrund und zu den Seiten verfolgen weitere Personen, darunter ein Soldat mit glänzendem Helm und, fast vollständig verdeckt, ein Turbanträger am rechten Bildrand das Geschehen. Ein Korb mit Nägeln, ein Krug und eine Schüssel schmücken das Thema am unteren Bildrand erzählerisch aus. Dies gilt auch für die Präsenz von Pilatus, die bei der Kreuzannagelung ungewöhnlich ist. Neben der fürstlichen Kleidung trägt er als Attribut einen Richterstab, wie er vergleichbar in einer grafischen Passionsserie Karel van Manders (1548-1606) zu sehen ist (The New Hollstein, Karel van Mander, 64/1).

Das Kasseler Gemälde stellt eine Kopie nach einem Werk des Haarlemer Künstlers Cornelis Cornelsz. van Haarlem dar, die möglicherweise noch in der Werkstatt des Meisters angefertigt wurde. Das erhaltene Vorbild befindet sich heute in Warschau (Sammlung Carroll-Porczyński, Holz, 104,1 x 72,4 cm. Verst. Kat. London, Christie´s, 23. 4. 1982 Nr. 66) und ist vermutlich um 1600 entstanden (Van Thiel 1999, S. 322).

Das Bild zeigt das besondere Interesse Cornelisz.´ an der Darstellung des nackten menschlichen Körpers. Die künstlerische Auffassung des Künstlers wandelt sich dabei von einer anatomisch korrekten Wiedergabe hin zu einer lebendigeren, manieristischen Stilisierung (Van Thiel 1999, S. 109). Dies zeigt sich – allerdings gegenüber dem Frühwerk bereits stark reduziert – in der wie modelliert erscheinenden Körperoberfläche Christi, die sich vor dem dunklen Grundton des Gemäldes abhebt.
Qualitative Unterschiede gegenüber dem Original in Warschau lassen sich vor allem in der Wiedergabe von Körpern und Kleidung erkennen. Schwächen zeigen sich beispielsweise in der Figurenbildung des stehenden Schächers auf der rechten Seite.


Literatur:
  • Grzimek, Günther: Sammlung der Familie Grzimek. Städtisches Museum Wiesbaden. Ausstellung 9.4.1960 - 12.6.1960. Wiesbaden 1960, Kat.Nr. 33.
  • Ladendorf, Heinz: Sammlung der Familie Grzimek. Der Manierismus im Rahmen der Stilgeschichte. Städtisches Museum Leverkusen, Schloß Morsbroich. Ausstellung 01.07.1960 - 24.07.1960. Leverkusen 1960, Kat.Nr. 23.
  • Grzimek, Günther: Vom Anfang der Neuzeit. Handbuch von Gemälden des europäischen Manierismus. Katalog der Sammlung der Familie Grzimek. Ravensburg 1966, S. 33.
  • Schnackenburg, Bernhard: Gemäldegalerie Alte Meister Gesamtkatalog. Staatliche Museen Kassel. 2 Bde. Mainz 1996, S. 85.
  • Pieter J. J. van Thiel: Cornelis Cornelisz van Haarlem 1562-1638. A Monograph and Catalogue Raisonné. Doornspijk 1999, S. 322.
  • Lange, Justus u. a.: Dialoge. Barocke Meisterwerke aus Darmstadt zu Gast in Kassel. Petersberg 2011, Kat.Nr. 7, S. 52.


Letzte Aktualisierung: 03.07.2017


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