Blumenstillleben mit Blaumeise



Blumenstillleben mit Blaumeise


Inventar Nr.: GK 909
Bezeichnung: Blumenstillleben mit Blaumeise
Künstler: Johann Rudolf Byss (1662 - 1738)
Datierung: 1702
Geogr. Bezug:
Material / Technik: Öl
Maße: 50 x 34,3 cm (Bildmaß)
Provenienz:

erworben 1827 durch Wilhelm II. auf der Verst. Campe, Leipzig.

Beschriftungen: Signatur: J. R. Bijs. fe:Ao.1702


Katalogtext:
Ein prachtvoller Blumenstrauß steht in einer Vase mit schräg verlaufenden Verzierungen mittig vor dunklem Grund. Die Zusammenstellung der Blumen ist üppig und besteht aus Schwertlilien, Tulpen, Narzissen, Hyazinthen, Rosen, Trichterwinden, Primeln und einem Schneeball. Außerdem bereichern verschiedene Tiere die Darstellung. Eine Blaumeise blickt vom linken Bildrand aus dem Bild heraus, ein Maikäfer ist gerade auf der vorderen Kante neben zwei Muscheln gelandet. Eine Schnecke und ein im Halbdunkel hockender Frosch bilden den Abschluss auf der rechten Seite, während zwischen den Blumen noch einige Insekten zu entdecken sind.

Das Gemälde stammt von dem sehr vielseitigen Künstler Johann Rudolf Byss (auch Bys), der als Hofmaler verschiedener Fürsten tätig war. Nicht nur seine Gemälde waren gefragt, sondern auch sein Talent als Fresken- und Dekorationsmaler, der ganze Schlossräume mit Decken- und Wandmalereien schmückte. Dies führte zu Aufträgen an verschiedensten Orten, weshalb Byss als Wanderkünstler bezeichnet werden kann. Im Jahr 1662 in Chur geboren, reiste er in seiner Jugend nach England, Deutschland, Holland und Italien und lebte anschließend längere Zeit in Prag, wo er heiratete und das Bürgerrecht erwarb. Ab 1713 war er für den Kurfürst von Mainz und danach für das Haus Schönborn in Wien tätig. Breslau und zuletzt Würzburg sind weitere Stationen seines bewegten Lebens.
Auch das Blumenstillleben mit Blaumeise aus der Kasseler Gemäldegalerie war vermutlich für einen fürstlichen Auftraggeber bestimmt, der damit seine Sammlung schmückte. Interessanterweise bezog es sich dabei auf ein ähnliches Werk von Rolaent Savery (1576 – 1639, siehe auch Kat. 10), zu dem es vermutlich ein Pendant bildete (heute Sammlung Liechtenstein). Hierin spiegelt sich die barocke Vorliebe einer symmetrischen Hängung der Gemälde wider, die häufiger zur Anfertigung von Gegenstücken führte. Byss ahmte dafür Stil und Motivik des 90 Jahre früher entstandenen Werks nach, wählte allerdings abweichend keine Vase aus Glas, sondern eine aus dunklem Metall. Durch ein drittes Gemälde eines Schülers von Byss wurde das Bildpaar sogar noch um eine zweite Ergänzung erweitert (Johann Adalbert Angermayer, ebenfalls Sammlung Liechtenstein). Wer dessen Auftraggeber war und ob die Bilder tatsächlich als Dreiergruppe präsentiert wurden bleibt ungeklärt.


Literatur:
  • Robert, Ernst Friedrich Ferdinand: Verzeichniß der Kurfürstlichen Gemählde-Sammlung. Cassel 1830, Kat.Nr. 750, S. 117.
  • Aubel, L.; Eisenmann, Oscar: Verzeichniß der in der Neuen Gemälde-Galerie zu Cassel befindlichen Bilder. 2. Aufl. Kassel 1878, Kat.Nr. 859, S. 76.
  • Eisenmann, Oscar: Katalog der Königlichen Gemälde-Galerie zu Cassel. Nachtrag von C. A. von Drach. Kassel 1888, Kat.Nr. 595, S. 357.
  • Janitschek, Hubert: Geschichte der deutschen Malerei. Berlin 1890, S. 580.
  • Singer, Hans Wolfgang [Hrsg.]: Allgemeines Künstlerlexikon. Leben und Werke der berühmtesten bildenden Künstler. 3. Aufl. Frankfurt am Main 1895.
  • Vogel, Hans: Katalog der Staatlichen Gemäldegalerie zu Kassel. Kassel 1958, Kat.Nr. 909, S. 39.
  • Mitchell, Peter: European Flower Painters. London 1973, S. 73.
  • Bergström, Ingvar; Grimm, Claus; Rosci, Marco; Faré, Michel u. Fabrice; Gaya Nuno, Juan Antonio: Stilleben. Die große Zeit des europäischen Stillebens. Stuttgart/Zürich 1979, S. 181.
  • Schweers, Hans: Gemälde in deutschen Museen. München 1981, S. 146.
  • Grimm, C.: Stilleben. Die niederländischen und deutschen Meister. Stuttgart/Zürich 1988, S. 212.
  • Weber, Gregor J. M.: Stilleben alter Meister in der Kasseler Gemäldegalerie. Melsungen 1989, Kat.Nr. 49, S. 4, 44.
  • Mayer, Bernd M.: Johann Rudolf Bys (1662-1738). Studien zu Leben und Werk. München 1994, Kat.Nr. G 8, S. 13, 14, 159-160.
  • Schnackenburg, Bernhard: Gemäldegalerie Alte Meister Gesamtkatalog. Staatliche Museen Kassel. 2 Bde. Mainz 1996, S. 74.
  • Lange, Justus u. a.: Dialoge. Barocke Meisterwerke aus Darmstadt zu Gast in Kassel. Petersberg 2011, Kat.Nr. 53, S. 150.
  • Seifertová, Hana: Johann Adalbert Angermeyer. A Prague Specialist in Cabinet Still Life. Prag 2015.


Letzte Aktualisierung: 14.11.2017


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