Die Hl. Katharina



Die Hl. Katharina


Inventar Nr.: GK 12
Bezeichnung: Die Hl. Katharina
Künstler: Lucas d. Ä. Cranach (1472 - 1553), Werkstatt
Datierung: um 1510
Geogr. Bezug:
Material / Technik: Lindenholz
Maße: 74,3 x 27,3 cm (Bildmaß)
Provenienz:

erworben 1827 auf der Versteigerung Campe, Leipzig.


Katalogtext:
Die beiden Heiligen sind als ganze Figur mit nur wenigen räumlichen Angaben wiedergegeben. Die Hl. Katharina lehnt sich in elegantem Kontrapost auf das mit Klingen besetzte Rad. In ihrer Linken hält sie ein großes Schwert, womit die beiden Instrumente ihres Martyriums präsentiert werden. Die Hl. Barbara umschließt mit beiden Händen einen goldenen Kelch. Im Hintergrund erkennt man den Turm mit drei Fensteröffnungen, in dem sie von ihrem Vater gefangen gehalten wurde. Beide Heiligen gehören zur Gruppe der Vierzehn Nothelfer, wobei Katharina die Schutzheilige der Kranken, Barbara diejenige der Sterbenden ist. Mit den Hll. Dorothea und Margarethe gehören sie zudem zu den vier „Virgines capitales“ und finden sich häufig dargestellt, auch von Lucas Cranach und seiner Werkstatt (vgl. GK 11).

Die beiden Holztafeln bildeten sicher zwei Seitentafeln eines Altares, dessen Mittelteil verloren bzw. bislang nicht bestimmt worden ist. Wahrscheinlich ist jedoch eine Mariendarstellung als zentrales Bild anzunehmen. Möglich wäre auch, dass der Innenteil des ehemaligen Altares aus Skulpturen bestanden haben könnte. Auffällig bei den beiden weiblichen Heiligen in Kassel ist die Art der Heiligenscheine, die sehr selten im Werk Cranachs vorkommt und einen dezidierten Auftraggeberwunsch vermuten lässt. Hinsichtlich der Maße der Tafeln und der Form des Heiligenscheins ist eine Holztafel mit der „Madonna mit dem Johannesknaben“ vergleichbar. Diese Tafel wird um 1512 datiert, so dass – träfe der Zusammenhang mit den beiden Kasseler Tafeln zu – eine leicht spätere Datierung für die beiden Seitenflügel anzunehmen wäre. Hinsichtlich der malerischen Qualität ergeben sich jedoch deutliche Unterschiede, so dass es sich bei der Mitteltafel auch um eine Kopie danach gehandelt haben könnte.

Wie die Infrarotreflektografie der Rückseite der Hl. Katharina zeigt, befand sich dort ursprünglich eine Marienfigur einer Verkündigungsszene, so dass auf der Rückseite der anderen Tafel wohl die Figur eines Engels zu rekonstruieren wäre. Vergleichbar in Format und Datierung (um 1515) ist eine Tafel mit einem Verkündigungsengel in Dortmund. Die weniger gebräuchliche Komposition des von rechts an Maria herantretenden Verkündigungsengels erscheint darüber hinaus in ähnlicher Weise auf den beiden Außenflügeln des um 1515 entstandenen Altares der Cranach-Werkstatt für die Dorfkirche von Klieken in Sachsen-Anhalt.

Unabhängig von diesen hier nur thesenartig skizzierten Rekonstruktionsvorschlägen bilden die beiden Kasseler Tafeln gute Beispiele für die stilistische Variationsbreite der Cranach-Werkstatt des zweiten Jahrzehnts des 16. Jahrhunderts. Auch nach der Reformation erfreuten sich die Hll. Katharina und Barbara noch gewisser Beliebtheit und tauchen noch in Werken Cranachs der 1520er Jahre auf.
(J. Lange, 2015)


Literatur:
  • Robert, Ernst Friedrich Ferdinand: Verzeichniß der Kurfürstlichen Gemählde-Sammlung. Cassel 1830, Kat.Nr. 58, S. 13.
  • Eisenmann, Oscar: Katalog der Königlichen Gemälde-Galerie zu Cassel. Nachtrag von C. A. von Drach. Kassel 1888, Kat.Nr. 8, S. 6.
  • Michaelson, Hedwig: Lukas Cranach der Ältere. Untersuchung über die stilistische Entwicklung seiner Kunst. Diss. Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Leipzig 1902, Kat.Nr. 9, S. 34-35.
  • Gronau, Georg: Katalog der Könglichen Gemäldegalerie zu Cassel. Berlin 1913, Kat.Nr. 12, S. 15.
  • Gronau, Georg; Luthmer, Kurt: Katalog der Staatlichen Gemäldegalerie zu Kassel. 2. Aufl. Berlin 1929, Kat.Nr. 12, S. 18.
  • Friedländer, Max J. (Hrsg.); Rosenberg, Jakob (Hrsg.): Die Gemälde von Lucas Cranach. Berlin 1932, Kat.Nr. 30, S. 35.
  • Luthmer, Kurt: Staatliche Gemäldegalerie zu Kassel. Kurzes Verzeichnis der Gemälde. 34. Aufl. Kassel 1934, Kat.Nr. 12, S. 6.
  • Voigt, Franz: Die Gemäldegalerie Kassel. Führer durch die Kasseler Galerie. Kassel 1938, Kat.Nr. 12, S. 39.
  • Vogel, Hans; Bode, Arnold; Schuh, Ernst: Gemälde der Kasseler Galerie kehren zurück. Ausstellung Kunsthistorisches Museum Wien 20.12.1955 - 5.2.1956, Hessisches Landesmuseum Kassel 18.3.1956 - 30.9.1956. Kassel 1955, Kat.Nr. 5, S. 10.
  • Vogel, Hans: Katalog der Staatlichen Gemäldegalerie zu Kassel. Kassel 1958, Kat.Nr. 12, S. 47.
  • Bott, Gerhard; Gronau, Georg; Herzog, Erich; Weiler, Clemens: Meisterwerke hessischer Museen. Die Gemäldegalerien in Darmstadt, Kassel und Wiesbaden. Hanau 1967, S. 144.
  • Koepplin, Dieter; Falk, Tilman: Lukas Cranach. Gemälde, Zeichnungen, Druckgraphik. Kunstmuseum Basel. Ausstellung 15.6.1974 - 8.11.1974. 2 Bde. Basel/Stuttgart 1974/76, Kat.Nr. 594, S. 682.
  • Friedländer, Max J.; Rosenberg, Jakob: Die Gemälde von Lucas Cranach. 2. Aufl. Basel/Boston/Stuttgart 1979, Kat.Nr. 31, S. 75.
  • Schneckenburger-Broschek, Anja: Die altdeutsche Malerei. Kassel, Staatliche Kunstsammlungen Kassel 1982, S. 14, 16, 62.
  • Schnackenburg, Bernhard: Gemäldegalerie Alte Meister Gesamtkatalog. Staatliche Museen Kassel. 2 Bde. Mainz 1996, S. 88.
  • Schneckenburger-Broschek, Anja: Altdeutsche Malerei. Die Tafelbilder und Altäre des 14. bis 16. Jahrhunderts in der Gemäldegalerie Alte Meister und im Hessischen Landesmuseum Kassel. Kassel, Staatliche Kunstsammlungen Kassel 1997, S. 59-64.
  • Carrasco, Julia [Redaktion,Lektorat]; Lange, Justus [Redaktion, Lektorat]: Bild und Botschaft. Cranach im Dienst von Hof und Reformation. Ausstellung Stiftung Schloss Friedenstein Gotha, Herzogliches Museum, 29.3-19.7.2015 / Museumslandschaft Hessen Kassel, Gemäldegalerie Alte Meister, Schloss Wilhelmshöhe 21.8.-29.11.2015. Heidelberg 2015, S. 100.


Letzte Aktualisierung: 26.02.2018


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