Das Gastmahl des Königs Belsazar



Das Gastmahl des Königs Belsazar


Inventar Nr.: GK 221
Bezeichnung: Das Gastmahl des Königs Belsazar
Künstler: Pieter de Grebber (1600 - 1652/53)
Datierung: 1625
Geogr. Bezug:
Material / Technik: Eichenholz
Maße: 151 x 223 cm (Bildmaß)
Provenienz:

Geschenk von E. Habich, Kassel, 1892


Katalogtext:
„König Belsazar machte ein herrliches Mahl für seine tausend Mächtigen und soff sich voll mit ihnen. Und als er trunken war, ließ er die goldenen und silbernen Gefäße herbeibringen, die sein Vater Nebukadnezar aus dem Tempel zu Jerusalem weggenommen hatte, damit der König mit seinen Mächtigen, mit seinen Frauen und mit seinen Nebenfrauen daraus tränke. Da wurden die goldenen und silbernen Gefäße herbeigebracht, die aus dem Tempel, aus dem Haus Gottes zu Jerusalem, weggenommen worden waren; und der König, seine Mächtigen, seine Frauen und Nebenfrauen tranken daraus. Und als sie tranken, lobten sie die goldenen, silbernen, ehernen, eisernen, hölzernen und steinernen Götter. Im gleichen Augenblick gingen hervor Finger wie von einer Menschenhand, die schrieben gegenüber dem Leuchter auf die getünchte Wand in dem königlichen Saal. Und der König erblickte die Hand, die da schrieb. Da entfärbte sich der König, und seine Gedanken erschreckten ihn, daß er wie gelähmt war und die Beine zitterten.“

Die Gelehrten am Hof können dem König die Schriftzeichen jedoch nicht deuten. Erst der auf Anraten der Königinmutter herbeigerufene Daniel erklärt Belsazar deren Bedeutung:

„So aber lautet die Schrift, die dort geschrieben steht: Mene mene tekel u-parsin. Und sie bedeutet dies: Mene, das ist, Gott hat dein Königtum gezählt und beendet. Tekel, das ist, man hat dich auf der Waage gewogen und zu leicht befunden. Peres, das ist, dein Reich ist zerteilt und den Medern und Persern gegeben.“

In derselben Nacht wurde Belsazar umgebracht und sein Königreich ging unter. Die Szene mit dem Menetekel zählt zu den bekanntesten Geschichten aus dem Buch Daniel. Das 1625 entstandene Gemälde Pieter de Grebbers fällt durch sein monumentales Format auf, das weit über die Vorgängerwerke hinausgeht. Weiterhin schildert er das Geschehen in großen, leicht unterlebensgroßen Figuren. Diese sind bildparallel angeordnet und wie auf einer Bühne präsentiert. Deutlich unterscheidet sich De Grebbers Vorgehensweise also von derjenigen seiner Vorgänger, die meist in einem großen Innenraum eine Vielzahl von Personen zeigten. Um dies zu erreichen, wurden der Tisch oder auch die Tische diagonal in die Tiefe des Raumes geführt. Bei De Grebber entwickelt sich die Szene im Vordergrund. Am unteren Ende erkennt man sogar eine Art Fußleiste, auf der die Figuren stehen. Sehr wahrscheinlich wurde das Gemälde als Kaminstück konzipiert, was zum einen die leichte Untersicht, zum anderen das breite Querformat nahelegen.

Einer der weiteren Unterschiede zu den Vorgängern ist der Verzicht auf Schriftzeichen. Wie auf einer Bühne werden die Figuren in Gruppen organisiert und schildern dem Betrachter die biblische Geschichte wie ein Schauspiel. Der Gruppe von König und Königin antwortet auf der anderen Seite diejenige der beiden Mächtigen. Rechts und links rahmen jeweils im Profil dargestellte Kinder die Szene. Der grüne Vorhang auf der linken Seite korrespondiert mit dem Wandabschnitt mit dem Leuchter auf der rechten. Im Zentrum des Bildes befindet sich der goldene Pokal auf dem Tisch, in dem sich die diagonalen Kompositionslinien kreuzen: vom König über seine Beine in die rechte untere Ecke sowie von links unten mit dem Jungen mit dem großen Goldpokal über die Blicke der Mächtigen bis zur Hand oben rechts. Die ausgeklügelte Komposition verweist mit der Zentrierung auf den goldenen Pokal in der Bildmitte geschickt auf die Freveltat der Entweihung des heiligen Geschirrs. Um diesen herum sind die beiden Gruppen um König Belsazar links und die schreibende Hand rechts arrangiert.
(J. Lange, 2013)


Literatur:
  • Lampertz, Heinrich; Heberle, J. M.; Schall, Josef Th.: Katalog der ausgewählten und reichhaltigen Gemälde-Sammlung des Rentners Herrn Edward Habich zu Cassel. Versteigerung zu Cassel den 9. und 10. Mai 1892. Köln 1892, Kat.Nr. 70, S. 28.
  • Wurzbach, Alfred von: Niederländisches Künstler-Lexikon. 3 Bde. Wien/Leipzig 1906-1911, S. 614 (Bd. 1).
  • Thieme, U. [Hrsg.]; Becker, F. [Hrsg.]; Vollmer, H. [Hrsg.]: Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Leipzig 1907-1950, S. 560 (Bd. 14, 1921).
  • Gronau, Georg: Katalog der Könglichen Gemäldegalerie zu Cassel. Berlin 1913, Kat.Nr. 221, S. 26.
  • Gronau, Georg; Luthmer, Kurt: Katalog der Staatlichen Gemäldegalerie zu Kassel. 2. Aufl. Berlin 1929, Kat.Nr. 221, S. 31.
  • Luthmer, Kurt: Staatliche Gemäldegalerie zu Kassel. Kurzes Verzeichnis der Gemälde. 34. Aufl. Kassel 1934, Kat.Nr. 221, S. 21.
  • Pigler, Andor: Barockthemen. Eine Auswahl von Verzeichnissen zur Ikonographie des 17. und 18. Jahrhunderts. 3 Bde. (Bd.1 Darstellungen religiösen Inhalts, Bd. 2 Profane Darstellungen, Bd. 3 Tafelband). Budapest/Berlin 1956, S. 216 (Bd. 1).
  • Vogel, Hans: Katalog der Staatlichen Gemäldegalerie zu Kassel. Kassel 1958, Kat.Nr. 221, S. 65.
  • Herzog, Erich: Die Gemäldegalerie der Staatlichen Kunstsammlungen Kassel. Geschichte der Galerie von Georg Gronau und Erich Herzog. Hanau 1969, S. 85.
  • Beisheim, Johannes; Ketelsen, Thomas: Bibelbilder (mit Erläuterungen zu Werken der Kasseler Gemäldegalerie Alte Meister von T. Ketelsen). Kassel 1992, Kat.Nr. 13.
  • Schnackenburg, Bernhard: Gemäldegalerie Alte Meister Gesamtkatalog. Staatliche Museen Kassel. 2 Bde. Mainz 1996, S. 127-128.
  • Weber, Gregor J. M.: Rembrandt im Kontrast. Die Blendung Simsons und Der Segen Jakobs. Kassel 2005, Kat.Nr. 3, S. 27, 79.
  • Lange, Justus; Dohe, Sebastian; Harmssen, Anne: Mene, mene tekel. Das Gastmahl des Belsazar in der niederländischen Kunst. Kassel 2014, S. 30-33.
  • Vries, Lyckle de: Stories in Gilded Frames. Dutch seventeenth-century paintings with biblical and mythological subjects. Amsterdam 2016, Kat.Nr. 33, S. 58.
  • Schnackenburg, Bernhard: Jan Lievens. Freund und Rivale des jungen Rembrandt. Mit einem kritischen Katalog des Leidener Frühwerks 1623-1632. Petersberg 2016, S. 49.


Letzte Aktualisierung: 26.02.2018


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