Jagdgeräte an einer Bretterwand



Jagdgeräte an einer Bretterwand


Inventar Nr.: GK 1081
Bezeichnung: Jagdgeräte an einer Bretterwand
Künstler: Franz de Hamilton (1623 - 1712)
Datierung: 1675
Geogr. Bezug:
Material / Technik: Leinwand
Maße: 160 x 137 cm (Bildmaß)
Provenienz:

entstanden 1675 im Auftrag von Langraf Karl


Katalogtext:
Dem Quodlibet nahe stehen die sogenannten „gemalten Bretterwände“, an denen meist flache Gegenstände dargestellt werden, um einen perfekten
Illusionismus zu erreichen. Als Spezialist dieser Gattung darf Franz de Hamilton gelten, der dieses Bild für Landgraf Carl von Hessen-Kassel (1654–
1730) malte.Der von der holländischen Feinmalerei geprägte Maler war zuvor bereits für den Kurfürsten von Brandenburg und andere Höfe, etwa in Hannover und München, tätig gewesen, wo er teils vergleichbare Werke schuf. An einer täuschend echt wirkenden Holzwand sind diverse Jagdutensilien in natürlicher Größe an Nägeln hängend dargestellt. Sie verweisen auf verschiedene Jagdarten, die am Hof des Auftraggebers – auch von diesem höchstpersönlich – ausgeübt wurden. Das Pferdezaumzeug deutet auf die Parforcejagd, bei der Rot- und Schwarzwild erlegt wurde, auf die Pirsch verweisen Jagdbesteck, Radschlossbüchse und Pulverflasche, auf die Beizjagd – die Jagd mithilfe eines Greifvogels – die Falknertasche und zwei Falkenhauben. Und schließlich steht ein Hirschfänger mit dem gekrönten Monogramm des Landgrafen, das auf der Gürtelschließe platziert ist, für die Hirschjagd. Besonders dieser zeigt die Macht des Fürsten an, denn er verdeutlicht sein Jagdprivileg, aber auch das Privileg, das Tier vor versammelter Jagdgesellschaft zu töten. Dafür wurde der Hirsch zuvor von einem Jagdhelfer bewegungsunfähig gemacht, indem ihm mit der hier ebenfalls dargestellten
Plaute die Achillessehne durchgeschnitten wurde. Daraufhin wurde der Hirsch mit einem gezielten Stich von vorn durch die Brust ins Herz erlegt. Landgraf Carl war passionierter Reiter und baute die Falkenjagd in der hessischen Linie wieder auf. Sein Interesse an der Jagd zeigt sich auch an den Um- und Neubauten von Jagdschlössern, wie Kloster Heydau und Schloss Wabern. Möglicherweise war das Gemälde von Hamilton als Dekoration für einen solchen Landsitz gedacht, 1744 befand es sich aber anscheinend im vom Landgrafen Carl Ende des 17. Jahrhunderts eingerichteten Kunsthaus. Ob es dort einen bestimmten Zweck erfüllte, ist uns heute nicht mehr bekannt. Die subtile Tiefenstaffelung des Jagdzubehörs vor einer hölzernen Wand kann jedoch jeden Betrachter erstaunt haben, denn die einzelnen Dinge scheinen
für den Betrachter fast greifbar vor Augen zu treten, ohne bei Positionswechsel durch starre Schlagschatten zu irritieren.Da der Landgraf der Auftraggeber war, wissen wir, dass die dargestellten Utensilien seiner Erfahrungswelt entsprangen, ja wahrscheinlich sogar aus seinem Besitz stammten. Da Jagdgeräte dennoch keine alltäglichen Gegenstände waren, wurden sie in erhöhter Position aufbewahrt. Dies ist in der Komposition des Bildes mit einer leichten Untersicht berücksichtigt worden. Folglich schuf der Maler eine in der fürstlichen Welt glaubwürdige Illusion, die vermutlich durch die Art der Präsentation des Gemäldes vom Auftraggeber unterstützt wurde.
(I. Beckmann, 2015)


Inventare:
  • Weinberger Cornelia: Inventarium von denen in dem königl. hfrstl. kunsthaus befindlichen schildereien, rissen, zeichnungen, kupferstichen und sonstigen sachen, welche in dem summarischen inventario de a° 1744 [...] nicht enthalten. Kassel 1747, S. 26, Nr. 247.
Literatur:
  • Link, Eva: Schloß Friedrichstein. Militär- und Jagdabteilung der Staatlichen Kunstsammlungen Kassel. Museumsführer. Fridingen 1982, S. 70.
  • Weber, Gregor J. M.: Stilleben alter Meister in der Kasseler Gemäldegalerie. Melsungen 1989, Kat.Nr. 46, S. 43.
  • Schnackenburg, Bernhard: Gemäldegalerie Alte Meister Gesamtkatalog. Staatliche Museen Kassel. 2 Bde. Mainz 1996, S. 140.
  • Lange, Justus; Carrasco, Julia: Kunst und Illusion. Das Spiel mit dem Betrachter. Petersberg 2016, Kat.Nr. 27, S. 90.


Letzte Aktualisierung: 27.02.2018


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