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Marmortisch mit reliefierter Vase und Blumen



Marmortisch mit reliefierter Vase und Blumen


Inventar Nr.: GK 457
Bezeichnung: Marmortisch mit reliefierter Vase und Blumen
Künstler: Georg Hinz (um 1630/31 - 1688)
Datierung:
Geogr. Bezug:
Material / Technik: Öl
Maße: 104 x 73 cm (Bildmaß)
Provenienz:

erworben vor 1749 durch Wilhelm VIII.


Katalogtext:
Der aus Altona bei Hamburg stammende Georg Hinz war hauptsächlich als Stilllebenmaler tätig und verbrachte einige Zeit in Holland und Italien, bevor er sich spätestens ab 1663 in Hamburg niederließ. Dort kam es zu wiederholten Auseinandersetzungen mit der dort als Maleramt bezeichneten Zunft, die Hinz und anderen Freimeistern die Berufsausübung verwehren wollte. Erst nach einem langjährigen Prozess wurde es dem Maler 1681 offiziell erlaubt, als Künstler, der nicht dem Maleramt angehörte, in der Hansestadt tätig zu sein.

Das von Wilhelm VIII. für Kassel erworbene Gemälde nimmt im Œuvre des Künstlers eine Sonderstellung ein, da sich insgesamt nur zwei Blumenstillleben von seiner Hand erhalten haben, die zudem eng verwandt sind. Typisch für Hinz sind Prunkstillleben mit aufwendigen Pokalen, wie beispielsweise das Kasseler Gemälde „Stillleben mit reliefiertem Pokal, Obst und Gläsern in einer Steinnische“ (GK 914).
Der Blumenstrauß steht bei dem hier besprochenen Werk auf einem Marmortisch vor einem dunklen Hintergrund, der die verschiedenen Farben und Formen der Blüten zur Geltung bringt. Hinz nutzt dabei Licht und Schatten, um der Darstellung Tiefe zu verleihen und Einzelheiten hervorzuheben. Die Vase zeigt ein bacchantisches Relief, das sich auf die graphische Vorlage eines französischen Künstlers beziehen lässt (Bastian 1984, Kat. 49). Der Maler orientiert sich für seine Darstellung also nicht wie in anderen seiner Gemälde an einem realen Vorbild (Heinrich 1996, S. 18), sondern kombiniert verschiedene Motive. Dies gilt nicht nur für die Darstellung der Prunkvase, sondern auch für die Blumen (nach Bastian 1984, S. 185: Gewürzstrauch, Krokus, Rosen, Tulpen, Flieder, Geißklee, Königskerze, Ringelblume, Lilie, Gladiole und Kornblume), die in dieser Zusammenstellung nie gemeinsam blühen und daher nicht zeitgleich „nach dem Leben“ gemalt sein können. So werden hier unterschiedliche graphische oder zeichnerische Vorlagen Verwendung gefunden haben, die dann von Hinz zu einem dekorativen Strauß zusammengesetzt wurden. Dies erklärt auch den Wechsel der Perspektive zwischen den einzelnen Blüten. Stilistisch zeichnet sich die Malweise durch eine sehr trockene und zeichnerische Manier aus, die typisch für den norddeutschen Maler ist.

Auch wenn der dekorative Charakter des Gemäldes im Vordergrund steht, erinnern vielleicht die Blumen und die Beschädigung der Tischplatte an die Vergänglichkeit und Kürze des irdischen Lebens. Diese Gedanken werden in der Stilllebenmalerei der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts nur noch relativ vereinzelt in aller Deutlichkeit formuliert.
(T. Trümper, 2011)


Literatur:
  • Robert, Ernst Friedrich Ferdinand: Versuch eines Verzeichnisses der Kurfürstlich Hessischen Gemählde-Sammlung. Cassel 1819, Kat.Nr. 952, S. 151.
  • Robert, Ernst Friedrich Ferdinand: Verzeichniß der Kurfürstlichen Gemählde-Sammlung. Cassel 1830, Kat.Nr. 1211, S. 193.
  • Gronau, Georg: Katalog der Könglichen Gemäldegalerie zu Cassel. Berlin 1913, Kat.Nr. 457, S. 30.
  • Gronau, Georg; Luthmer, Kurt: Katalog der Staatlichen Gemäldegalerie zu Kassel. 2. Aufl. Berlin 1929, Kat.Nr. 457, S. 36.
  • Luthmer, Kurt: Staatliche Gemäldegalerie zu Kassel. Kurzes Verzeichnis der Gemälde. 34. Aufl. Kassel 1934, Kat.Nr. 457, S. 38.
  • Vogel, Hans: Katalog der Staatlichen Gemäldegalerie zu Kassel. Kassel 1958, Kat.Nr. 457, S. 67.
  • Bastian, K.: Georg Hinz und sein Stillebenwerk. Hamburg 1984, Kat.Nr. WV 49, S. 195, 282.
  • Weber, Gregor J. M.: Stilleben alter Meister in der Kasseler Gemäldegalerie. Melsungen 1989, Kat.Nr. 43, S. 43.
  • Schnackenburg, Bernhard: Gemäldegalerie Alte Meister Gesamtkatalog. Staatliche Museen Kassel. 2 Bde. Mainz 1996, S. 145.
  • Lange, Justus u. a.: Dialoge. Barocke Meisterwerke aus Darmstadt zu Gast in Kassel. Petersberg 2011, Kat.Nr. 55, S. 154.


Letzte Aktualisierung: 04.05.2018


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