Die Hl. Cäcilie, Orgel spielend



Die Hl. Cäcilie, Orgel spielend


Inventar Nr.: GK 182
Bezeichnung: Die Hl. Cäcilie, Orgel spielend
Künstler: Gerard van Honthorst (1592 - 1656)
Datierung: bald nach 1620
Geogr. Bezug:
Material / Technik: Leinwand
Maße: 89,5 x 116 cm (Bildmaß)
Provenienz:

erworben vor 1730 durch Landgraf Karl


Katalogtext:
Das Halbfigurenbild zeigt die Heilige Cecilie beim nächtlichen Orgelspiel umgeben von zwei Engeln. Gleichsam entrückt scheint sie sich der Musik hinzugeben, wobei ihr die beiden Engel aufmerksam folgen.

Wahrscheinlich wurde das Gemälde von Landgraf Carl erworben, vielleicht auf seiner Italienreise 1699/1700, und ist identisch mit demjenigen im Kunsthausinventar 1744, Nr. 130: „Eine singende Jungfrau, mit 3. figuren vorgestellet bey Licht die Manier von G. S. in schwartzem Rahmen“, wenngleich nur zwei Figuren neben der Heiligen zu sehen sind. Im Inventar steht der Zusatz „Haben des Herrn Stadhalters hochfürstl. Durchl.“, womit das Gemälde zu denjenigen gehört, die Carls Sohn Wilhelm, der nach dem Tode seines Vaters 1730 als Statthalter für seinen älteren Bruder Friedrich fungierte, in seine Galerie überführte. Dementsprechend taucht es im 1749 begonnenen Inventar von Wilhelms Galerie auf, diesmal bereits mit der richtigen Zuweisung an Gerard van Honthorst.

Honthorsts während seines Italienaufenthalts entstandene Werke zeigen vornehmlich nächtliche Szenen, die durch Kunstlicht beleuchtet werden. Das brachte ihm früh den Beinamen „Gherardo delle Notti“ ein. Giulio Mancini, päpstlicher Arzt und einer der besten Kenner des römischen Kunstkreises zu Beginn des 17. Jahrhunderts, schrieb über ein Werk des Künstlers, das der Großherzog von Toskana erworben hatte: „Ein vergnügliches Gastmahl, das durch zwei künstliche Lichtquellen beleuchtet wird und mit gewissen Spiegelungen und Brechungen sowie der doppelten Beleuchtung hohe Kunstfertigkeit beweist.“ (Giulio Mancini, Considerazioni sulla pittura, um 1620, zitiert nach Judson/Ekkart 1999, S. 47)..

Das Kasseler Gemälde bezieht seine Beleuchtung dagegen nur durch eine einzelne sichtbare Lichtquelle im Bild. Einer der begleitenden Engel, die der Heiligen assistieren, verdeckt mit dem aufgeschlagenen Notenbuch die die Szene erhellende Kerze. Nur der obere Teil der Flamme ist noch sichtbar. Gleichzeitig reflektiert aber das aufgeschlagene Buch den hellen Schein der Kerze und lässt so das Gesicht der Heiligen hell aufleuchten. Honthorst spielt auf diese Weise geschickt mit dem Einsatz künstlicher Beleuchtung und zeigt sich als ein Meister malerischer Illusion. Innerhalb der Utrechter Caravaggisten waren solche Gemälde mit Kerzenschein äußerst beliebt. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts war dies noch anders. So hatte Honthorsts Landsmann Karel van Mander in seinem Lehrgedicht 1604 über die Darstellung künstlicher Beleuchtung geschrieben: „Kerzenlicht, das nicht sehr allgemein ist, ist mühsam, will man es kunstgerecht machen. Denn es wirkt gut, wenn man vorne eine dunkle Figur vom Kopf bis zur Sohle beschattet und das Licht nur den Kontur von Akt, Haar und Gewandt berühren lässt; auch muss der Schatten vom Licht aus als einen Punkt seine Richtung nehmen.“ (Van Mander (1604) 1916, S. 183).


Inventare:
  • Summarisches Inventarium. Über die in dem königl. und hoch-fürstl. Kunst-Hause so genannten Medaillen-Cammer befindlichen Pretiosa und anderen Sachen. 1744 / 1747, S. 182, Nr. 130.
Literatur:
  • Causid, Simon: Verzeichnis der Hochfürstlich-Heßischen Gemälde-Sammlung in Cassel. Cassel 1783, Kat.Nr. 84, S. 60.
  • Aubel, L.; Eisenmann, Oscar: Verzeichniß der in dem Lokale der Neuen Gemälde-Galerie zu Cassel befindlichen Bilder. 2. Aufl. Cassel 1878, Kat.Nr. 256, S. 25.
  • Eisenmann, Oscar: Katalog der Königlichen Gemälde-Galerie zu Cassel. Nachtrag von C. A. von Drach. Kassel 1888, Kat.Nr. 164, S. 108.
  • Voll, Karl: Die Meisterwerke der königlichen Gemälde-Galerie zu Cassel. München 1904.
  • Gronau, Georg: Katalog der Könglichen Gemäldegalerie zu Cassel. Berlin 1913, Kat.Nr. 182, S. 31.
  • Moes, E. W.: Het Kunstkabinet van Valerius Röver te Delft. In: Oud Holland 30 (1913), S. 4-24, Kat.Nr. 6, S. 16.
  • Hoogewerff, G. J.: Gerrit van Honthorst. Den Haag 1924, S. 15.
  • Gronau, Georg; Luthmer, Kurt: Katalog der Staatlichen Gemäldegalerie zu Kassel. 2. Aufl. Berlin 1929, Kat.Nr. 182, S. 37.
  • Schneider, Arthur von: Caravaggio und die Niederländer. Marburg/Lahn 1933, S. 30 Anm. 32, 104.
  • Luthmer, Kurt: Staatliche Gemäldegalerie zu Kassel. Kurzes Verzeichnis der Gemälde. 34. Aufl. Kassel 1934, Kat.Nr. 182, S. 18.
  • Voigt, Franz: Die Gemäldegalerie Kassel. Führer durch die Kasseler Galerie. Kassel 1938, Kat.Nr. 182, S. 50.
  • Vogel, Hans: Katalog der Staatlichen Gemäldegalerie zu Kassel. Kassel 1958, Kat.Nr. 182, S. 74.
  • Bott, Gerhard; Gronau, Georg; Herzog, Erich; Weiler, Clemens: Meisterwerke hessischer Museen. Die Gemäldegalerien in Darmstadt, Kassel und Wiesbaden. Hanau 1967, S. 102, 104.
  • Herzog, Erich: Die Gemäldegalerie der Staatlichen Kunstsammlungen Kassel. Geschichte der Galerie von Georg Gronau und Erich Herzog. Hanau 1969, S. 14, 16, 85.
  • Adler, Wolfgang; Herzog, Erich; Lahusen, Friedrich; Lehmann, Jürgen M.: Gemäldegalerie Alte Meister Schloß Wilhelmshöhe. Braunschweig 1981, S. 10.
  • Schnackenburg, Bernhard: Gemäldegalerie Alte Meister Gesamtkatalog. Staatliche Museen Kassel. 2 Bde. Mainz 1996, S. 148.
  • Neumeister, Mirjam: Das Nachtstück mit Kunstlicht in der niederländischen Malerei und Grafik des 16. und 17. Jahrhunderts. Ikonographische und Koloristische Aspekte. Univ. Diss. Bonn 1999. Petersberg 2003, Kat.Nr. 182, S. 187.
  • Lange, Justus u.a.: Lichtgefüge. Das Licht im Zeitalter von Rembrandt und Vermeer. Petersberg 2011, Kat.Nr. 6, S. 40.
  • Justus Lange/ Sebastian Dohe: Patrimonia 341. Dirck van Baburen, Archill vor der Leiche des Patroklos. Gemäldegalerie Alte Meister, Museumslandschaft Hessen Kassel. Kassel 2013, S. 16.


Letzte Aktualisierung: 03.05.2017


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