Der Künstler mit der Familie seines Schwiegervaters Adam van Noort



Der Künstler mit der Familie seines Schwiegervaters Adam van Noort


Inventar Nr.: GK 107
Bezeichnung: Der Künstler mit der Familie seines Schwiegervaters Adam van Noort
Künstler: Jacob Jordaens (1593 - 1678)
Datierung: 1616 oder früher anläßlich der Verlobung
Geogr. Bezug:
Material / Technik: Leinwand
Maße: 116,3 x 148,2 cm (Bildmaß)
138 x 170 x 16 cm mit RSS (Rahmenmaß)
Provenienz:

erworben vor 1749 durch Wilhelm VIII.


Katalogtext:
Das Gemälde zeigt den Laute spielenden Jacob Jordaens mit seiner Frau Catharina van Noort und ihre Geschwister sowie links im Hintergrund Adam van Noort und seine Frau, Lehrmeister und Schwiegervater von Jordaens.
Meist nahm man an, dass das Gemälde im Zusammenhang mit dem Verlöbnis mit der Tochter seines Lehrmeisters 1616 entstand. Nils Büttner wies dagegen jüngst darauf hin, dass es innerhalb der Verlöbnisbilder keine vergleichbaren Darstellungen gebe und vermutete eher eine Unterbeweisstellung von Jordaens’ eigenständiger künstlerischer Leistung nach Abschluss seiner Ausbildung bei Adam van Noort und verwies auf ähnliche „inoffizielle Meisterstücke“ innerhalb der Antwerpener St. Lukas Gilde. Der Künstler spiele mit dem Blütenkranz im Haar der Braut sowie dem Blumenkorb auf die antike Geschichte von Pausias und Glycera an, die Plinius in seiner „Naturalis historia“ (XXXV, 125) überliefert. Demnach hatte der Maler Pausias von seiner Frau Glycera ein Bildnis geschaffen, um mit der von ihr erfundenen Kunst des Blütenbindens in einen Wettstreit zu treten. Das so entstandene Gemälde fand allgemein Bewunderung und galt als überaus kostbar. Da auch Karel van Mander in seinem „Schilder-Boek“ darauf anspielt, zudem kurz vor Jordaens’ Gemälde Rubens zusammen mit Ossias Beert die Szene ebenfalls darstellte, dürfte einem aufmerksamen Betrachter des Familienbildes diese Anspielung kaum entgangen sein.

Schon früher hatte Berthold Hinz darauf hingewiesen, dass sich Jordaens in diesem Gemälde intensiv mit Rubens um 1613 entstandenen „Ceres, Bacchus, Venus und Amor“ (GK 85) auseinandergesetzt habe, dessen Kompositionsschema er auf das Familienbildnis übertrug.

So zeigt Jordaens also bereits im frühen Familienbild die für sein Werk charakteristische Transformation antiker Geschichten und Werke – in diesem Fall vermittelt durch Rubens’ Gemälde – in eine lebensnahe und lebensfrohe Schilderung einer vermeintlich alltäglichen Verlöbnisszene.
(J. Lange, 2013)


Literatur:
  • Causid, Simon: Verzeichnis der Hochfürstlich-Heßischen Gemälde-Sammlung in Cassel. Kassel 1783, Kat.Nr. 2, S. 35.
  • Aubel, L.; Eisenmann, Oscar: Verzeichniß der in der Neuen Gemälde-Galerie zu Cassel befindlichen Bilder. 2. Aufl. Kassel 1878, Kat.Nr. 268, S. 26.
  • Eisenmann, Oscar: Katalog der Königlichen Gemälde-Galerie zu Cassel. Nachtrag von C. A. von Drach. Kassel 1888, Kat.Nr. 98, S. 67-68.
  • Rooses, Max: Jordaens' Leben und Werke. Stuttgart/Berlin/Leipzig 1890, S. 159-160.
  • Voll, Karl: Die Meisterwerke der königlichen Gemälde-Galerie zu Cassel. München 1904.
  • Buschmann, P.: Jacques Jordaens et son Oeuvre. Brüssel 1905, S. 83-84.
  • Gronau, Georg: Katalog der Könglichen Gemäldegalerie zu Cassel. Berlin 1913, Kat.Nr. 107, S. 33.
  • Gronau, Georg; Luthmer, Kurt: Katalog der Staatlichen Gemäldegalerie zu Kassel. 2. Aufl. Berlin 1929, Kat.Nr. 107, S. 39.
  • Exposition Internationale Coloniale, Maritime et d'Art Flamand. Section d'Art Flamand Ancien. Ausstellung 6. - 9. 1930. Antwerpen 1930, Kat.Nr. 169, S. 66.
  • Cornette, A. H.: La Peinture à l'Exposition d'Art flamand ancien à Anvers. Brüssel/Paris 1930.
  • Luthmer, Kurt: Staatliche Gemäldegalerie zu Kassel. Kurzes Verzeichnis der Gemälde. 34. Aufl. Kassel 1934, Kat.Nr. 106, S. 13.
  • Voigt, Franz: Die Gemäldegalerie Kassel. Führer durch die Kasseler Galerie. Kassel 1938, Kat.Nr. 107, S. 25.
  • Puyvelde, Leo van: Jordaens. Paris/Brüssel 1953, S. 26-27.
  • d'Hulst, R.-A.: De Tekeningen van Jakob Jordaens. Bijdrage tot de Geschiedenis van de XVIIe-Eeuwse Kunst in de zuidelijke Nederlanden. Brüssel 1956, S. 27, 63, 77, 194.
  • Vogel, Hans: Katalog der Staatlichen Gemäldegalerie zu Kassel. Kassel 1958, Kat.Nr. 107, S. 77.
  • Kuile, Engelbert Hendrik Ter; Gerson, Horst Karl: Art and Architecture in Belgium 1600 to 1800. Harmondsworth 1960, S. 127.
  • Hall, H. van: Portretten van Nederlandse Beeldende Kunstenaars. Portraits of Dutch painters and other artists of the Low Countries. Amsterdam 1963, Kat.Nr. 8, S. 160.
  • Herzog, Erich: Die Gemäldegalerie der Staatlichen Kunstsammlungen Kassel. Geschichte der Galerie von Georg Gronau und Erich Herzog. Hanau 1969, S. 84.
  • Lehmann, Jürgen M.; Verein der Freunde der Kasseler Kunstsammlungen, Kassel e. V. (Hrsg.): Gemäldegalerie Alte Meister. Schloß Wilhelmstal. Bildheft mit 100 Meisterwerken. Kassel 1975.
  • Schnackenburg, Bernhard: Flämische Meister in der Kasseler Gemäldegalerie. Kassel 1985, Kat.Nr. 24, S. 39.
  • Larsen, Erik: Seventeenth Century Flemish Painting. Freren 1985, S. 210.
  • Schnackenburg, Bernhard: Gemäldegalerie Alte Meister Gesamtkatalog. Staatliche Museen Kassel. 2 Bde. Mainz 1996, S. 151.
  • Joost Vander Auwera u.a.: Jordaens und die Antike. Brüssel/Kassel 2012, Kat.Nr. 1, S. 25.
  • Seifert, Christian Tico: Rubens & Company. Flemish Drawings from the Scottish National Gallery. Schottland, Edinburgh 2016, S. 26.
  • Meier, Esther: Übermalungen. Jacob Jordaens' Selbstbildnisse. In: Schenk, Klaus; Welzel, Barbara [Hrsg.]: LebensBilder 7 (2016), S, S. 114-122.
  • Weber, Gregor J. M.: Rembrandt in Kassel. The Relativity of Eighteenth-Century Connoisseurship. In: Appreciation the Traces of an Artist's Hand, Kyoto Studies in Art History, Bd. 2 (2017), S. 73-82, S. 78.


Letzte Aktualisierung: 26.02.2018


Wissenschaftliche Kommentare:

Hier können Sie uns Anmerkungen und Kommentare zu unseren Objekten hinterlassen, die nach Sichtung durch unsere Mitarbeiter allen Lesern angezeigt werden. Bitte beachten Sie, dass die Kommentare nach Freischaltung vollständig öffentlich einsehbar sind und auch von Suchmaschinen durchsucht und verarbeitet werden können - geben Sie daher bitte keine persönlichen Daten an. Möchten Sie uns direkt kontaktieren, wenden Sie sich bitte per E-Mail an info@museum-kassel.de

Bisher wurden keine Kommentare geschrieben.

Einen neuen Kommentar hinzufügen.




© Museumslandschaft Hessen Kassel 2018
Datenschutzhinweis | Impressum