Marine



Marine


Inventar Nr.: GK 419
Bezeichnung: Marine
Künstler: Cornelis Pietersz. de Mooy (gest. 1693)
Datierung: 1660er Jahre
Geogr. Bezug:
Material / Technik: Eichenholz
Maße: 37,2 x 49,3 cm (Bildmaß)
55 x 67,58 x 4 cm (Rahmenmaß)
Provenienz:

erworben vor 1808 Verkaufliste 1808 Nr. 167


Katalogtext:
Die Technik der Federmalerei hat ihren Ausgang von einigen um 1600 gemalten Arbeiten Hendrick Goltzius’ genommen, die in perfekter Weise Kupferstiche imitierten. Die mit Feder auf Leinwand gezeichneten Werke sollten dem Betrachter vortäuschen, eine Graphik vor Augen zu haben und dadurch die hohe Kunstfertigkeit unter Beweis stellen (Ausst. Kat. Rotterdam/Berlin 1996/97, S. 45-58).
Vielleicht waren Willem van de Velde d. Ä. solche Arbeiten bekannt, als er die Technik für die Marinemalerei entwickelte? Vielleicht waren es auch nur die lobenden Ausführungen hierzu in Karel van Manders „Schilder-Boeck“ von 1604, die den Künstler auf die Technik aufmerksam machten (van Mander 1604, S. 285r)? Wenngleich das bevorzugte Material des Bildträgers Holz blieb, entwickelte van de Velde die Technik insofern weiter, als er nun auch große Leinwände so grundierte, dass darauf mit der Feder gezeichnet werden konnte. In einem Brief von 1652 an den schwedischen General Wrangel rühmte er sich: „Ich wünschte die Ehre zu haben, ein Stück anzufertigen, auch hätte es die Länge von 20 bis 25 Fuß. Ich kann solches und habe es auch schon praktiziert, dass ich auf Leinwände zeichnete, die man säubern kann.“ (Ausst. Kat. Rotterdam/Berlin 1996/97, S. 49). Eine besondere Schwierigkeit bei solchen Größen bestand insbesondere darin, dass das Gemälde flach auf dem Boden liegen musste, da sonst die Tinte verlaufen konnte.
In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts spielte der Aspekt der Augentäuschung immer weniger eine Rolle, was sich auch in der Technik zeigt. So wurden die Schattenpartien nun häufiger statt mit Federschraffuren mit dem Pinsel grau laviert (Ausst. Kat. Hamburg/Vauban 2010/11, S. 140-145).
Cornelis Pietersz. de Mooy war einer der ersten, der die Erfindungen van de Veldes übernahm. Über den Künstler sind bislang nur wenige biographische Daten bekannt. Es scheint aber, dass er vor allem in Rotterdam tätig war und sich auf Federkunststücke auf Holz spezialisiert hatte, wenngleich auch einige wenige Leinwandgemälde bekannt sind. Das Kasseler Werk zeigt eine große Ansammlung von Booten und Schiffen bei leichtem Wellengang, darunter ein großes Flaggschiff. Aufgrund der Schiffstypen ist das Gemälde in die Zeit 1660-70 zu datieren. Rechts im Hintergrund ist eine Hafenansicht mit Windmühle auszumachen. Die Ruhe steht in denkbar größtem Gegensatz zu dem dramatisch aufgeladenen Darmstädter Gemälde von Bonaventura Peeters (GK 208) und verdeutlicht nicht nur in der Technik, sondern auch thematisch die ungeheure Bandbreite der niederländischen Marinemalerei.
(J. Lange, 2011)


Literatur:
  • Robert, Ernst Friedrich Ferdinand: Verzeichniß der Kurfürstlichen Gemählde-Sammlung. Cassel 1830, Kat.Nr. 1154, S. 183.
  • Willis, Fred C.: Die niederländische Marinemalerei. Leipzig 1911, S. 33.
  • Gronau, Georg: Katalog der Könglichen Gemäldegalerie zu Cassel. Berlin 1913, Kat.Nr. 419, S. 42.
  • Gronau, Georg; Luthmer, Kurt: Katalog der Staatlichen Gemäldegalerie zu Kassel. 2. Aufl. Berlin 1929, Kat.Nr. 419, S. 50.
  • Luthmer, Kurt: Staatliche Gemäldegalerie zu Kassel. Kurzes Verzeichnis der Gemälde. 34. Aufl. Kassel 1934, Kat.Nr. 419, S. 35.
  • Voigt, Franz: Die Gemäldegalerie Kassel. Führer durch die Kasseler Galerie. Kassel 1938, Kat.Nr. 419, S. 63.
  • Vogel, Hans: Katalog der Staatlichen Gemäldegalerie zu Kassel. Kassel 1958, Kat.Nr. 419, S. 96.
  • Robinson, Michael S.: Van de Velde. A Catalogue of the Paintings of the Elder and the Younger Willem van de Velde. London 1990, Kat.Nr. 842/2, S. 104.
  • Schnackenburg, Bernhard: Gemäldegalerie Alte Meister Gesamtkatalog. Staatliche Museen Kassel. 2 Bde. Mainz 1996, S. 190.
  • Lange, Justus u. a.: Dialoge. Barocke Meisterwerke aus Darmstadt zu Gast in Kassel. Petersberg 2011, Kat.Nr. 65, S. 174.
  • Lange, Justus; Carrasco, Julia: Kunst und Illusion. Das Spiel mit dem Betrachter. Petersberg 2016, Kat.Nr. 8, S. 46.


Letzte Aktualisierung: 06.04.2018


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