Bildnis eines federschneidenden Mannes



Bildnis eines federschneidenden Mannes


Inventar Nr.: GK 234
Bezeichnung: Bildnis eines federschneidenden Mannes
Künstler: Rembrandt Harmensz. van Rijn (1606 - 1669)
Datierung: 1632
Geogr. Bezug:
Material / Technik: Öl
Maße: 101,5 x 81,5 cm (Bildmaß)
Provenienz:

erworben 1750 durch Wilhelm VIII. mit dem Kabinett des Valerius Röver, Delft


Katalogtext:
Das Zuspitzen der Feder ist eine in der zeitgenössischen Kunst gängige Allegorie für die Tugend des praktischen Fleißes bei Künstlern und Gelehrten. Die erst nach 1734 von V. Röver eingeführte Identifizierung mit dem Amsterdamer Lehrer und Kalligraphen Lieven Willemsz. van Coppenol (um 1599 bis 1662) wird seit Bauch und Gerson wegen mangelnder Ähnlichkeit mit gesicherten Porträts Coppenols - darunter zwei Radierungen Rembrandts - abgelehnt. Hinzu kommt, daß das mutmaßliche Gegenstück, das >>Bildnis einer jungen Frau im Sessel<< in Wien, Gemäldegalerie der Akademie der Bildenden Künste (Leinwand, 92 x 71 cm, stark beschnitten, bez. RHL van Ryn 1632; Corpus II, 1986, Nr. A 55) keine Darstellung von Coppenols bereits um 1579 geborener Ehefrau sein kann. Für die Verbindung des Wiener Porträts mit GK 234 führt das RRP stilistische, kompositorische und technische Gründe an: Beide Leinwände stammen von derselben Rolle. Die stilistische Übereinstimmung ist jedoch nicht ohne weiteres evident, was mit der vergleichsweise schlechten Erhaltung des Frauenbildnisses zusammenhängen kann, dessen Gesichtskontur härter erscheint. Es war für die jüngste Rembrandt-Ausstellung restauriert worden (Ausst. Kat. Berlin/Amsterdam/London 1991/92 Nr. 10). Grimm hält das >>Bildnis eines Herrn am Schreibtisch<< von 1631 in St. Petersburg (Corpus Nr. A 44) für das Gegenstück zu GK 234, was wegen der erheblich abweichenden ursprünglichen Maße und der außerordentlichen Seltenheit von männlichen Pendantpaaren (vgl. Rembrandt, Corpus A 56,57) nicht überzeugt. Nicht nachvollziehbar ist die von Blankert behauptete Ähnlichkeit und Identität des Dargestellten mit dem >>Stehenden Herrn<< von 1632 im Metropolitan Museum New York (Corpus Nr. C 68).


Literatur:
  • Hoet, Gerard: Catalogus of Naamlyst van Schilderyen, mit derzelver Pryzen. Zedert een langen Reeks van Jaaren zoo in Holland als op andere Plaatzen in het Openbaar verkogt. Den Haag 1752, 1770, Kat.Nr. 5, S. 409 (Bd. 1).
  • Causid, Simon: Verzeichnis der Hochfürstlich-Heßischen Gemälde-Sammlung in Cassel. Cassel 1783, Kat.Nr. 40, S. 13.
  • Aubel, L.; Eisenmann, Oscar: Verzeichniß der in dem Lokale der Neuen Gemälde-Galerie zu Cassel befindlichen Bilder. 2. Aufl. Cassel 1878, Kat.Nr. 358, S. 34.
  • Eisenmann, Oscar: Katalog der Königlichen Gemälde-Galerie zu Cassel. Nachtrag von C. A. von Drach. Kassel 1888, Kat.Nr. 212, S. XLII Anm. 6), 138-139.
  • Bode, Wilhelm; Hofstede de Groot, C. (mitwirkend): Rembrandt. Beschreibendes Verzeichniss seiner Gemälde mit den Heliographischen Nachbildungen. Geschichte seines Lebens und seiner Kunst. Paris 1897-1901, Kat.Nr. 74, S. 29-30 (Bd. 2).
  • Voll, Karl: Die Meisterwerke der königlichen Gemälde-Galerie zu Cassel. München 1904.
  • Gronau, Georg: Katalog der Könglichen Gemäldegalerie zu Cassel. Berlin 1913, Kat.Nr. 234, S. 52.
  • Moes, E. W.: Het Kunstkabinet van Valerius Röver te Delft. In: Oud Holland 30 (1913), S. 4-24, Kat.Nr. 111, S. 23.
  • Gronau, Georg; Luthmer, Kurt: Katalog der Staatlichen Gemäldegalerie zu Kassel. 2. Aufl. Berlin 1929, Kat.Nr. 234, S. 62.
  • Luthmer, Kurt: Staatliche Gemäldegalerie zu Kassel. Kurzes Verzeichnis der Gemälde. 34. Aufl. Kassel 1934, Kat.Nr. 234, S. 22.
  • Benesch, Otto: Rembrandt. Werk und Forschung. Wien 1935, Kat.Nr. dG. 635, S. 12.
  • Bredius, A.: Rembrandt Gemälde. Wien 1935.
  • Voigt, Franz: Die Gemäldegalerie Kassel. Führer durch die Kasseler Galerie. Kassel 1938, Kat.Nr. 234, S. 19.
  • Rembrandt und seine Zeit. Zweihundert Gemälde der Blütezeit der holländischen Barockmalerei des 17. Jahrhunderts aus deutschen, holländischen und schweizerischen Museums- und Privatbesitz. Museum zu Allerheiligen. Ausstellung 10.4.1949 - 2.10.1949. Schaffhausen 1949, Kat.Nr. 118, S. 60.
  • Vogel, Hans: Katalog der Staatlichen Gemäldegalerie zu Kassel. Kassel 1958, Kat.Nr. 234, S. 118.
  • Herzog, Erich: Die Gemäldegalerie der Staatlichen Kunstsammlungen Kassel. Geschichte der Galerie von Georg Gronau und Erich Herzog. Hanau 1969, S. 28.
  • Lehmann, Jürgen M.; Verein der Freunde der Kasseler Kunstsammlungen, Kassel e. V. (Hrsg.): Gemäldegalerie Alte Meister. Schloß Wilhelmstal. Bildheft mit 100 Meisterwerken. Kassel 1975.
  • Schnackenburg, Bernhard: Gemäldegalerie Alte Meister Gesamtkatalog. Staatliche Museen Kassel. 2 Bde. Mainz 1996, S. 229-230.
  • Weber, Gregor J. M. u.a.: Rembrandt-Bilder. Die historische Sammlung der Kasseler Gemäldegalerie. Ausstellungskatalog Staatliche Museen Kassel. München 2006, Kat.Nr. 19, S. 162-167.


Letzte Aktualisierung: 23.11.2016


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