Flußlandschaft mit Windmühle



Flußlandschaft mit Windmühle


Inventar Nr.: GK 242
Bezeichnung: Flußlandschaft mit Windmühle
Künstler: Rembrandt Harmensz. van Rijn (1606 - 1669)
Datierung:
Geogr. Bezug:
Material / Technik: Öl
Maße: 67 x 87,5 cm (Bildmaß)
Provenienz:

erworben vor 1775 durch Friedrich II.


Katalogtext:
Die pasthoserfüllte Phantasielandschaft mit abziehenden Gewitterwolken verbindet realistische Elemente des holländischen Flachlands mit imaginären Gebirgs- und Architekturmotien. Die Holztafel dieses größten Landschaftsgemäldes von Rembrandt entstammt demselben Baum wie die des 1637 datierten >>Polnischen Edelmannes<< in Washington und der gegen 1640 gemalten >>Eintracht des Landes<< in Rotterdam (Corpus, III, 1989, Nr. A 122, A 135). In diesem Zeitraum entstand auch GK 242 in der Erstfassung. Eine zweite Fassung, die fünf Sechstel des Bildes überlagert, kam vielleicht erst nach Rembrandts Konkurs von 1656 hinzu. Der Enstehungsprozeß ist im >>Corpus<< zutreffend beschrieben. Beide Bildbestandteile unterscheiden sich stilistisch und qualitativ.
Die Partie in der rechten unteren Bildecke mit Windmühlen, Fluß, zwei Booten und Schwänen auf dem Wasser, beleuchtetem Ufer und Häusern, eventuell auch den beleuchteten Bäumen darüber, gehört ungeachtet einzelner Übermalungen zum urspünglichen Bestand, der aufgrund der kraftvollen, akzentuierten Malweise und der subtilen und präzisen Darstellung und kleinster Details Rembrandt selbst zuzuschreiben ist. Der Unentschiedenheit des >>Corpus<< in dieser Frage setzt E. van de Wetering eine persönliche, positive Stellungnahme entgegen (Alternativer Text von 1987, unpubliziert; dem Verfasser sei an dieser Stelle für die Überlassung und Zitiererlaubnis gedankt). Verwandtschaft in der zeichnerischen Malweise besteht vor allem mit der Grisaille >>Die Eintracht des Landes<<. Die kräftig umrissenen Häuser neben der Brücke entsprechen der Hintergrundarchitektur in >>Die Begegnung von Maria und Elisabeth<< von 1640 in Detroit (Corpus, III, 1989, Nr. A 138). Die Erstfassung ist mit bloßem Auge bis in die Bildmitte erkennbar, wo einzelne Häuser einer entfernten Stadt durch die Übermalung hindurchtreten. Das Röntgenbild zeigt weitere Abweichungen der ursprünglichen Anlage, insbesondere einen Höhenzug am linken Rand und ein überlagerndes Gebirgsmassiv rechts oben.
Die Übermalungen sind in einer weichverschwommenen Pinselschrift ausgeführt. Qualitative Schwächen zeigen sich besonders bei den Figuren des Anglers und Reiters, der silhouettenhaft-summarisch bzw. schematischen Darstellung der dunklen Bäume links und in der Mitte und der undifferenzierten Ausführung der Brücke. Die Neufassung stammt von einem Mitarbeiter oder Nachfolger Rembrandts, nach Ansicht des RRP von Ferdinand Bol. Veranlaßt wurde sie vermutlich dadurch, daß Rembrandt das Bild zwar vollständig angelegt und größtenteils auch fertig gemalt, in wichtigen Bereichen aber unvollendet gelassen hatte. Vor allem im linken unteren Viertel könnte es offene, undefinierte Partien gegeben haben, die von dem zweiten Maler eine eigene Interpretation verlangten. Daraus erwuchsen dann weiter gehende Änderungen, wobei Rembrandts Radierungen B. 212 >>Die Landschaft mit den drei Bäumen<< (Himmel, Baumgruppe) und B. 211 >>Die Landschaft mit dem Schafhirten<< (Kirchturm) Anregungen lieferten.


Literatur:
  • Causid, Simon: Verzeichnis der Hochfürstlich-Heßischen Gemälde-Sammlung in Cassel. Cassel 1783, Kat.Nr. 42, S. 176.
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  • Bode, Wilhelm; Hofstede de Groot, C. (mitwirkend): Rembrandt. Beschreibendes Verzeichniss seiner Gemälde mit den Heliographischen Nachbildungen. Geschichte seines Lebens und seiner Kunst. Paris 1897-1901, Kat.Nr. 343, S. 99-100 (Bd. 5).
  • Voll, Karl: Die Meisterwerke der königlichen Gemälde-Galerie zu Cassel. München 1904.
  • Gronau, Georg: Katalog der Könglichen Gemäldegalerie zu Cassel. Berlin 1913, Kat.Nr. 242, S. 53.
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  • Luthmer, Kurt: Staatliche Gemäldegalerie zu Kassel. Kurzes Verzeichnis der Gemälde. 34. Aufl. Kassel 1934, Kat.Nr. 242, S. 23.
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  • Weber, Gregor J. M. u.a.: Rembrandt-Bilder. Die historische Sammlung der Kasseler Gemäldegalerie. Ausstellungskatalog Staatliche Museen Kassel. München 2006, Kat.Nr. B 25, S. 251-252.
  • Christiaan Vogelaar/Gregor J. M. Weber: Rembrandts Landschaften. Kassel 2006, Kat.Nr. 8, S. 124-133,161, 244.


Letzte Aktualisierung: 17.02.2017


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