Meleager und Atalante



Meleager und Atalante


Inventar Nr.: GK 88
Bezeichnung: Meleager und Atalante
Künstler: Peter Paul Rubens (1577 - 1640), Werkstatt
Datierung: um oder kurz nach 1615
Geogr. Bezug:
Material / Technik: Eichenholz
Maße: 124,3 x 101,3 cm (Bildmaß)
154 x 131 x 11 cm mit RSS (Rahmenmaß)
Provenienz:

erworben vor 1749 durch Wilhelm VIII.


Katalogtext:
Die bei Ovid (Metamorphosen VIII, 426-431) beschriebene Liebesgeschichte zwischen dem Helden Meleager und der Jägerin Atalante wurde durch Rubens in die Antwerpener Malerei eingeführt und daraufhin von verschiedenen Künstlern in seinem Umkreis aufgegriffen. So beschäftigte sich neben Abraham Janssens auch Jacob Jordaens wiederholt mit dieser mythologischen Historie.
Als Ausgangspunkt dieser Auseinandersetzung darf das Gemälde von Rubens in New York (The Metropolitan Museum of Art, No. 44.22) angesehen werden, welches sich allerdings nur in Teilen original erhalten hat. Bei dem vorliegenden Kasseler Werk handelt es sich um eine zeitnahe Kopie aus der Rubenswerkstatt, die aufgrund technischer Untersuchungen höchstwahrscheinlich kurz nach 1615 entstanden sein muss. Neben dieser Version sprechen weitere Kopien sowie ein Stich von Cornelis Bloemaert (um 1603-1692) für die Beliebtheit der Rubenskomposition.
Überzeugend nutzt Rubens das Hochformat, um in dicht gedrängter Anordnung die Figuren zu platzieren, deren teils entblößte und klassisch modellierte Körper im Zentrum der künstlerischen Aufmerksamkeit stehen. Die Orientierung an antiken Skulpturen ist vor allem bei der Meleagerfigur unübersehbar, deren bildparallele Position und der Darstellung des Gesichts im Profil auch an Sarkophagreliefs denken lässt.
Die Handlung wird ganz auf die beiden Hauptakteure verdichtet. In gespannter Haltung überreicht Meleager den Eberkopf an Atalante, die ihn sanft lächelnd anblickt. Annäherung und Zuneigung werden vermittelt über die sich kreuzenden Blicke sowie die Körper, deren jeweils leicht gekrümmte Haltung aufeinander bezogen ist.
Ein Mann, der ein Jagdhorn bläst, sowie eine Personifikation der Invidia (Feindschaft und Neid), die inhaltlich auf das unglückliche Ende der Begegnung anspielt, erweitern das Thema inhaltlich.
(T. Trümper, 2013)


Literatur:
  • Causid, Simon: Verzeichnis der Hochfürstlich-Heßischen Gemälde-Sammlung in Cassel. Kassel 1783, Kat.Nr. 89, S. 26.
  • Robert, Ernst Friedrich Ferdinand: Verzeichniß der Kurfürstlichen Gemählde-Sammlung. Cassel 1830, Kat.Nr. 180, S. 32.
  • Aubel, L.; Eisenmann, Oscar: Verzeichniß der in der Neuen Gemälde-Galerie zu Cassel befindlichen Bilder. 2. Aufl. Kassel 1878, Kat.Nr. 180, S. 18.
  • Rooses, Max: L'oeuvre d. P. P. Rubens. Histoire et description de ses tableaux et desins. Antwerpen 1886-1892, Kat.Nr. 643, S. 120-121 (Bd. 3).
  • Eisenmann, Oscar: Katalog der Königlichen Gemälde-Galerie zu Cassel. Nachtrag von C. A. von Drach. Kassel 1888, Kat.Nr. 79, S. 53-54.
  • Bode, Wilhelm: Gemäldesammlung des Herrn Rudolf Kann in Paris. 100 Photographuren mit Text von Wilhelm Bode. Wien 1900, S. XX.
  • Voll, Karl: Die Meisterwerke der königlichen Gemälde-Galerie zu Cassel. München 1904.
  • Bode, Wilhelm: Kritik und Chronologie der Gemälde von Peter Paul Rubens (Klassiker der Kunst: V. Rubens von Adolf Rosenberg). In: Zeitschrift für Bildende Kunst NF 16 (1905), S. 200-203, S. 201.
  • Gronau, Georg: Katalog der Könglichen Gemäldegalerie zu Cassel. Berlin 1913, Kat.Nr. 88, S. 58.
  • Oldenbourg, Rudolf: P. P. Rubens. Des Meisters Gemälde in 538 Abbildungen. 4. Aufl. Stuttgart/Berlin 1921, S. 458.
  • Gronau, Georg; Luthmer, Kurt: Katalog der Staatlichen Gemäldegalerie zu Kassel. 2. Aufl. Berlin 1929, Kat.Nr. 88, S. 69.
  • Glück, Gustav: Rubens, van Dyck und ihr Kreis. Wien 1933, S. 172.
  • Luthmer, Kurt: Staatliche Gemäldegalerie zu Kassel. Kurzes Verzeichnis der Gemälde. 34. Aufl. Kassel 1934, Kat.Nr. 86, S. 12.
  • Voigt, Franz: Die Gemäldegalerie Kassel. Führer durch die Kasseler Galerie. Kassel 1938, Kat.Nr. 88, S. 13.
  • Vogel, Hans; Bode, Arnold; Schuh, Ernst: Gemälde der Kasseler Galerie kehren zurück. Ausstellung Kunsthistorisches Museum Wien 20.12.1955 - 5.2.1956, Hessisches Landesmuseum Kassel 18.3.1956 - 30.9.1956. Kassel 1955, Kat.Nr. 47, S. 20-21.
  • Vogel, Hans: Katalog der Staatlichen Gemäldegalerie zu Kassel. Kassel 1958, Kat.Nr. 88, S. 134.
  • Liedtke, Walter A.: Flemish Paintings in the Metropolitan Museum of Art. New York 1984, S. 165-167.
  • Schnackenburg, Bernhard: Flämische Meister in der Kasseler Gemäldegalerie. Kassel 1985, Kat.Nr. 50, S. 33.
  • Robels, Hella: Frans Snyders. Stilleben- und Tiermaler 1579-1657. München 1989, Kat.Nr. 307a, S. 486.
  • Schnackenburg, Bernhard: Gemäldegalerie Alte Meister Gesamtkatalog. Staatliche Museen Kassel. 2 Bde. Mainz 1996, S. 263-264.
  • Joost Vander Auwera u.a.: Jordaens und die Antike. Brüssel/Kassel 2012, Kat.Nr. 35, S. 99.


Letzte Aktualisierung: 04.06.2018


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