Die sterbende Kleopatra



Die sterbende Kleopatra


Inventar Nr.: GK 504
Bezeichnung: Die sterbende Kleopatra
Künstler: Lambert Sustris (um 1515 - nach 1591)
Datierung: um 1540 - 50
Geogr. Bezug:
Material / Technik: Öl
Maße: 126 x 110 cm (Bildmaß)
Provenienz:

erworben vor 1749 durch Wilhelm VIII.


Katalogtext:
Zum Thema s. Jordaens, GK 917. Nach Plutarch nahm sich Kleopatra durch einen Schlangenbiß in ihrem eigenen, bereits zu Lebzeiten erbauten Mausoleum das Leben. Der ungewöhnliche Schauplatz in einer Grotte führte deshalb zu anderen Deutungsversuchen, als Dido (Ballarin) oder verlassene Ariadne. Letzterer Meinung war man nach Müller im Musée Napoléon, wo sich das Bild von 1806 bis 1815 befand, und ließ die Schlange als vermeintliche spätere Zutat übermalen. In Kassel sei sie sogleich wieder freigelegt worden. Der Bericht bestätigte sich bei maltechnischen Untersuchungen 1957 und 1992, die außerdem wahrscheinlich machten, daß die Schlange ursprünglich vorhanden war.
Eine inhaltliche Erklärung bietet sich an, wenn man in dem Bild eine Anspielung auf eine berühmte antike Marmorfigur und ihre Aufstellung sieht: die "Schlafende Ariadne" im Belvedere des Vatikan, die wegen eines Schlangen-Armreifs bis ins 18. Jh. als "Sterbende Kleopatra" mißverstanden wurde. 1511 wurde sie in einer Nische über einem Brunnen aufgestellt; die zeitgenössische Dichtung über dies Ensemble ließ Kleopatra von dem Rauschen der Quelle eingeschläfert ausruhen. 1550 erhielt die Statue einen neuen Standort über einer künstlichen Grotte aus Stuck; in einem Stich wurde sie als "Nympha dormiens" verklärt (A. Michaelis, Geschichte des Statuenhofes im vaticanischen Belvedere. In: Jb. d. Kaiserl. Deutschen Archäolog. Instituts V, 1890, S. 18-20, 38, 68 m. w. A.). Diese poetischen Vorstellungen scheinen in die Darstellung von Sustris eingegangen zu sein. * Entstanden um 1540-50. Stilverwandt ist die "Ruhende Venus" im Rijksmuseum Amsterdam; s. Ausst. Kat. Le Siècle de Titien, Paris, Grand Palais, 1993, S. 593 f. Nr. 186.


Literatur:
  • Causid, Simon: Verzeichnis der Hochfürstlich-Heßischen Gemälde-Sammlung in Cassel. Kassel 1783, Kat.Nr. 27, S. 93.
  • Voll, Karl: Die Meisterwerke der königlichen Gemälde-Galerie zu Cassel. München 1904.
  • Thieme, U. [Hrsg.]; Becker, F [Hrsg.]; Vollmer, H. [Hrsg.]: Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Leipzig 1907-1950, S. 315 (Bd. 32, 1938).
  • Gronau, Georg: Katalog der Könglichen Gemäldegalerie zu Cassel. Berlin 1913, Kat.Nr. 504, S. 75.
  • Gronau, Georg; Luthmer, Kurt: Katalog der Staatlichen Gemäldegalerie zu Kassel. 2. Aufl. Berlin 1929, Kat.Nr. 504, S. 76.
  • Wilde, Johannes: Zwei Tizian-Zuschreibungen des 17. Jahrhunderts. In: Jahrbuch der kunsthistorischen Sammlungen in Wien NF 8 (1934), S. 161-172, S. 170.
  • Luthmer, Kurt: Staatliche Gemäldegalerie zu Kassel. Kurzes Verzeichnis der Gemälde. 34. Aufl. Kassel 1934, Kat.Nr. 504, S. 42.
  • Voigt, Franz: Die Gemäldegalerie Kassel. Führer durch die Kasseler Galerie. Kassel 1938, Kat.Nr. 504, S. 48.
  • Vogel, Hans: Katalog der Staatlichen Gemäldegalerie zu Kassel. Kassel 1958, Kat.Nr. 504, S. 146.
  • Schnackenburg, Bernhard: Gemäldegalerie Alte Meister Gesamtkatalog. Staatliche Museen Kassel. 2 Bde. Mainz 1996, S. 291.


Letzte Aktualisierung: 20.09.2017


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