Die Wahrsagerin



Die Wahrsagerin


Inventar Nr.: GK 937
Bezeichnung: Die Wahrsagerin
Künstler: Simon Peter Tilmann (1601 - 1668)
Datierung:
Geogr. Bezug:
Material / Technik: Öl
Maße: 81 x 106 cm (Bildmaß)
Provenienz:

erworben vor 1749 durch Wilhelm VIII.

Beschriftungen: Signatur: Bez. rechts in der Mitte: SPTilmann f / 1633 (SPT verbunden)


Katalogtext:
Das Werk des in Lemgo geborenen Simon Peter Tilmann steht für die internationale Strahlkraft der Werke Caravaggios und seiner Nachfolger. Literarische Zeugnisse legen einen längeren Aufenthalt Tilmanns in Italien, wahrscheinlich in Rom nahe, wenngleich Werke aus dieser Zeit bislang nicht nachweisbar sind. Auch Arnold Houbraken schrieb über den Künstler: „en die vele Jaren zig in Italie had geoeffent“ (1719, Bd. II, S. 88). Ab 1633, dem Jahr der Entstehung des Kasseler Gemäldes, weilte Tilmann in Utrecht, wo er als Maler einigen Erfolg zu verzeichnen hatte, gehörte er doch zu den Künstlern in der Stadt, die an einem Großauftrag für den dänischen König Christian IV. beteiligt waren. 1646 kehrte Tilmann nach Bremen zurück, wo er bis zu seinem Tod vornehmlich als Porträtist arbeitete und es zu einem gewissen Wohlstand brachte.

Das Kasseler Gemälde stellt ein beliebtes Thema des Caravaggismus dar: Eine Wahrsagerin liest einem jungen, in einem leuchtend roten Hemd und Lederwams mit Halsberge gekleideten Kavalier aus der Hand. Gerade empfängt sie eine Silbermünze als Bezahlung. Zwischen beiden verfolgt ein bärtiger Alter mit Augenglas aufmerksam die Aktion.

Tilmann erweist sich in diesem Gemälde, das mit gekonnten Licht-Schatten Effekten arbeitet, als durchaus versierter Künstler, dem die Errungenschaften der Malerei Caravaggios und seiner Nachfolger vertraut sind. Ebenso ist ein Gespür für die Wiedergabe des Stofflichen zu erkennen. Den harten Glanzlichtern auf der Halsberge des Soldaten steht das Schimmern des Umhangs der Wahrsagerin gegenüber. Die schlaglichtartige Beleuchtung von oben links findet ihre Entsprechung im angedeuteten Lichtverlauf im Dunkel des Hintergrunds. Zum Zeitpunkt der Entstehung des Gemäldes war die caravaggeske Malerei jedoch schon aus der Mode gekommen. So wirkt Tilmanns Werk, trotz der gekonnten Lichteffekte, wie ein Nachzügler. In seinem späteren Werk wandelte er die schlaglichtartige Lichtführung vor dunklem Hintergrund zugunsten einer klassizistischeren Malweise mit helleren Farben.


Literatur:
  • Causid, Simon: Verzeichnis der Hochfürstlich-Heßischen Gemälde-Sammlung in Cassel. Cassel 1783, Kat.Nr. 57, S. 51.
  • Aubel, L.; Eisenmann, Oscar: Verzeichniß der in dem Lokale der Neuen Gemälde-Galerie zu Cassel befindlichen Bilder. 2. Aufl. Cassel 1878, Kat.Nr. 138, S. 15.
  • Eisenmann, Oscar: Katalog der Königlichen Gemälde-Galerie zu Cassel. Nachtrag von C. A. von Drach. Kassel 1888, Kat.Nr. 547, S. 337.
  • Vogel, Hans: Katalog der Staatlichen Gemäldegalerie zu Kassel. Kassel 1958, Kat.Nr. 937, S. 150.
  • Oehler, Lisa: Unbekannte Vorzeichnungen zu einigen Gemälden der Kasseler Galerie. Darmstadt 1962, S. 104, 107-110.
  • Lehmann, Jürgen M.; Verein der Freunde der Kasseler Kunstsammlungen, Kassel e. V. (Hrsg.): Gemäldegalerie Alte Meister. Schloß Wilhelmstal. Bildheft mit 100 Meisterwerken. Kassel 1975.
  • Schnackenburg, Bernhard: Gemäldegalerie Alte Meister Gesamtkatalog. Staatliche Museen Kassel. 2 Bde. Mainz 1996, S. 295.
  • Reinhold Baumstark u.a.: Ulrich Loth. Zwischen Caravaggio und Rubens. München 2008, S. 63.
  • Neidhardt, Uta: Der frühe Vermeer. Ausstellung 03.09.2010 - 28.11.2010. Dresden 2010, Kat.Nr. 937, S. 150.
  • Lange, Justus u.a.: Lichtgefüge. Das Licht im Zeitalter von Rembrandt und Vermeer. Petersberg 2011, Kat.Nr. 8, S. 44.
  • Justus Lange/ Sebastian Dohe: Patrimonia 341. Dirck van Baburen, Archill vor der Leiche des Patroklos. Gemäldegalerie Alte Meister, Museumslandschaft Hessen Kassel. Kassel 2013, S. 12.


Letzte Aktualisierung: 09.02.2016


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