Fischer am Strand



Fischer am Strand


Inventar Nr.: GK 886
Bezeichnung: Fischer am Strand
Künstler: Jean Barbault (1718 - 1762)
Datierung: 1750 - 1760
Geogr. Bezug: Venedig
Material / Technik: Öl
Maße: 27,5 x 21,5 cm (Bildmaß)
Provenienz:

erworben 1928 aus der Sammlung A. Deiker, Braunfels


Katalogtext:
Das 1928 aus der Sammlung Alfred Deiker in Braunfels als Werk des venezianischen Meisters Francesco Guardi (Venedig 1712–1793 Venedig) erworbene Leinwandgemälde zeigt skizzenhaft ausgeführte Figuren (Ein Fischer von hinten, eine Frau mit Kind und einer Figur mit Krückstock). Im Katalog von 1929 noch als „höchst geistreiche Ölskizze“ bezeichnet, wurde die Zuschreibung an Guardi bald aufgegeben. Hans Vogel katalogisierte das Bild 1958 als „in der Art des Guardi“. Der von Jürgen M. Lehmann bearbeitete kritische Bestandskatalog der italienischen Gemälde von 1980 wies das Gemälde einem venezianischen Meister aus dem Umkreis Guardis zu und datierte es in das 2. Viertel des 18. Jahrhunderts. Ähnlich wurde es auch von Bernhard Schnackenburg 1996 als „Venezianisch 1. Drittel 18. Jahrhundert“ katalogisiert. Ein im Archiv der Gemäldegalerie aufbewahrter Brief von Fritz Heinemann vom 16.11.1980 blieb bislang unbemerkt. Er wies – als Reaktion auf den Katalog von Lehmann – das Gemälde ohne weitere Erklärungen dem in Frankreich geborenen Jean Barbault (Viarmes 1718–1762 Rom) zu. Dank einer 2010 erfolgten Ausstellung mit Werken Barbaults in Straßburg ist dessen Œuvre heute etwas besser zu fassen. Tatsächlich ergeben sich größere stilistische Übereinstimmungen als zum Werk Guardis. So taucht die Frau mit dem Kind im Arm nahezu identisch auf einer Szene mit Figuren in Rom auf, die sich früher in der New South West Gallery in Sydney befand Leinwand, 96,5 x 135,9 cm, heute unbekannter Privatbesitz). Auch die Figur des von hinten gezeigten Fischers lässt sich gut in das Werk Barbaults einordnen, der häufig nur Einzelfiguren darstellte. Ein 2013 im Kunsthandel angebotener „Schweizer Gardist“ (Leinwand, 40 x 29,5 cm, r. unten bezeichnet „Barbault feci“. Auktionskatalog Neumeister München, 20.11.2013, Nr. 273) etwa bietet klare Bezüge zum Kasseler Gemälde, das wohl ebenfalls in Rom entstanden sein dürfte.


Literatur:
  • Gronau, Georg; Luthmer, Kurt: Katalog der Staatlichen Gemäldegalerie zu Kassel. 2. Aufl. Berlin 1929, Kat.Nr. 886, S. 31.
  • Luthmer, Kurt: Staatliche Gemäldegalerie zu Kassel. Kurzes Verzeichnis der Gemälde. 34. Aufl. Kassel 1934, Kat.Nr. 886, S. 60.
  • Voigt, Franz: Die Gemäldegalerie Kassel. Führer durch die Kasseler Galerie. Kassel 1938, Kat.Nr. 886, S. 80.
  • Vogel, Hans: Katalog der Staatlichen Gemäldegalerie zu Kassel. Kassel 1958, Kat.Nr. 886, S. 166.
  • Lehmann, Jürgen M.: Staatliche Kunstsammlungen Kassel. Katalog 1. Italienische, französische und spanische Gemälde des 16.-18. Jahrhunderts. Fridingen 1980, S. 274.
  • Schnackenburg, Bernhard: Gemäldegalerie Alte Meister Gesamtkatalog. Staatliche Museen Kassel. 2 Bde. Mainz 1996, S. 305.
  • Lange, Justus: Arbeit am Katalog. Drei Fallbeispiele aus der Gemäldegalerie, in: Jahrbuch der Museumslandschaft Hessen Kassel 2015, 2017, S. 72-77. 2017, S. 75-76.


Letzte Aktualisierung: 16.02.2017


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