Pyrrhus reißt Astyanax aus den Armen seiner Mutter



Pyrrhus reißt Astyanax aus den Armen seiner Mutter


Inventar Nr.: GK 1230
Bezeichnung: Pyrrhus reißt Astyanax aus den Armen seiner Mutter
Künstler: Gerard I Hoet (1648 - 1733)
Datierung: 1680
Geogr. Bezug:
Material / Technik: Öl
Maße: 56,6 x 68 cm (Bildmaß)
Provenienz:

Wien, Dorotheum, Kunstauktion, 4.-6. Juni 1930, Nr. 218 (als Gérard Hoet, Mythologische Szene. Entführung eines Knaben, nicht verkauft).

Wien, Dorotheum, Kunstauktion, 28. März 1944, Nr. 89 (Einlieferer Paul Suppan, Wien, angekauft für den „Sonderauftrag Linz“ für 32.000 Reichsmark als Gérard de Lairesse, Überfall und Kindesraub)

Aus dem „Führerbau“ 1945 gestohlen (Linz-Nr. 3629).

Sammlung Edith Kalla (Los Angeles)

26. November 2001 an Knight & Hall, London verkauft

Durch Übernahme des Kunsthandels Hall & Knight durch Christie’s, New York, 2003 in den Besitz von Christie’s gelangt.

Dezember 2004 (mit der falschen Provenienzangabe “The painting was bought by Hall & Knight privately from a solid Belgian family which had been in the collection since before 1933”) erworben.


Katalogtext:
Das Gemälde gehört zweifellos zu Hoets anspruchsvollsten Werken: Die Wahl des seltenen Themas, die äußerst figurenreiche Komposition, die brillante, differenzierte Farbigkeit, die Ausführlichkeit der Darstellung mit Statuen, Reliefs, Draperien usw. erfüllen alle Anforderungen an ein Kabinettstück für den gebildeten Kunstkenner und Sammler.
Hoet wählte ein Thema aus dem Trojanischen Krieg: Andromache, die Witwe Hektors, fleht den siegreichen Pyrrhus an, nicht ihren Sohn Astyanax zu töten. Die Trojaner hatten gehofft, ihn verstecken zu können, damit er später den Tod des Vaters rächen könne. Im Hintergrund links raubt Ajax die Seherin Cassandra vom Altar der Pallas Athene, wohin sie sich geflüchtet hatte. Athene rächt sich später durch den Untergang des Ajax am Kap Kaphareus, wie ja auch Pyrrhus später gewaltsam zu Tode kommen wird. Rechts im Hintergrund dringen die Truppen des Pyrrhus in den Palast ein, der Himmel ist vom Widerschein des brennenden Troja beleuchtet.
Hoet erhielt mehrere Anregungen aus dem 2. Buch von Vergils Aeneis, aber auch aus der Tragodie des Euripides, „Die Frauen Trojas“, in deren Zentrum der Tod des Astyanax steht. Jean Racine hat denselben Stoff in seiner Tragödie „Andromache“ behandelt, die zwischen 1667 und 1677 mehrfach in Paris aufgeführt worden ist – Gerard Hoet kann sie also dort gesehen haben.


Literatur:
  • Löhr, Hanns C.: Das Braune Haus der Kunst. Hitler und der "Sonderauftrag Linz". Berlin 2005.
  • Justus Lange/ Sebastian Dohe: Patrimonia 341. Dirck van Baburen, Archill vor der Leiche des Patroklos. Gemäldegalerie Alte Meister, Museumslandschaft Hessen Kassel. Kassel 2013, S. 63.


Letzte Aktualisierung: 11.05.2017


Wissenschaftliche Kommentare:

Hier können Sie uns Anmerkungen und Kommentare zu unseren Objekten hinterlassen, die nach Sichtung durch unsere Mitarbeiter allen Lesern angezeigt werden. Gerne können Sie uns dabei auch Ihren Namen und Ihre Institution nennen, es ist aber nicht erforderlich. Sie können uns auch Ihre E-Mail-Adresse mitteilen, die ausdrücklich nur von unseren Mitarbeitern eingesehen werden kann.

Bisher wurden keine Kommentare geschrieben.

Einen neuen Kommentar hinzufügen.




© Museumslandschaft Hessen Kassel 2017
Datenschutzhinweis | Impressum