König Christian V. und Königin Charlotta Amalia von Dänemark und Norwegen; zwei Portraits auf Dreikantfacetten



König Christian V. und Königin Charlotta Amalia von Dänemark und Norwegen; zwei Portraits auf Dreikantfacetten


Inventar Nr.: 1744/193
Bezeichnung: König Christian V. und Königin Charlotta Amalia von Dänemark und Norwegen; zwei Portraits auf Dreikantfacetten
Künstler: Gaspar Antoine de Bois-Clair (um 1654 - 1704)
Datierung: 1692
Geogr. Bezug:
Material / Technik: Öl (?)
Maße: 53 x 47,5 cm (Bildmaß)
Beschriftungen: Beschriftung: Rückseitig Aufkleber mit Widmungsgedicht des Künstlers: "A LEURS MAIESTE'S / LE ROY ET LA REYNE / DE DANNEMARK ET DE NORWEGVE / DEVISE / DEVX EN VN ...... Hafniae. 27.apr.1692. / De Bois Clair ...."


Katalogtext:
Seit dem späten 16. Jahrhundert lassen sich in England sogenannte Riefelbilder (Riffelbilder) belegen, die in einem Werk zwei Porträts zeigen, die jeweils nur von einer Seite aus zu erkennen sind, bei frontaler Betrachtung jedoch ein wirres Durcheinander ergeben. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass der aus einer Hugenottenfamilie stammende, 1689 nach England ausgereiste Gaspard Antoine de Bois-Clair sich dort diese Technik aneignete.

Das Doppelporträt des dänisch-norwegischen Königspaares entstand 1692 in Kopenhagen, wo de Bois-Clair seit 1690 als zum lutherischen Glauben konvertierter Kaplan im Dienste des dortigen Königshauses tätig war. Neben seinen theologischen und schriftstellerischen Arbeiten betätigte er sich auch im Bereich der Porträtmalerei.

De Bois-Clairs Doppelbild entstand zunächst auf gewöhnliche Weise als in Öl auf Papier gemalte Bildnisse zweier Einzelpersonen. Anschließend wurden beide Bildnisse in gleichgroße vertikale Streifen geschnitten, um dann auf hölzerne Dreikantfacetten geklebt zu werden, sodass jeweils ein Porträt von einer Seite aus zu sehen ist: Blickt man von links, sieht man König Christian V., schaut man von der rechten Seite, erkennt man seine Frau Charlotta Amalia, eine Schwester von Landgraf Carl von Hessen-Kassel.

Das erstmals in dem unter Landgraf Carl eingerichteten Kunsthaus erwähnte Gemälde kam sicher über die familiären Beziehungen mit dem dänischen Königshaus nach Kassel und ist ein weiteres Beispiel für das große Interesse des Landgrafen an kuriosen Kunsttechniken, die den Betrachter in Staunen versetzen sollten (vgl. Kat. Nr. 66). Darüber hinaus erfreuten sich insbesondere optische Experimente großer Beliebtheit am landgräflichen Hof, sodass im Kunsthaus ein eigenes Zimmer für diese Instrumente eingerichtet wurde.

Bemerkenswert ist das rückseitige Widmungsgedicht des Künstlers, in dem er nicht nur die beiden Dargestellten identifiziert, sondern die besondere Art der Porträtdarstellung als Ausdruck der Unzertrennlichkeit des Ehepaares deutet:

„A LEURS MAIESTE’S / LE ROY ET LA REYNE / DE DANNEMARK ET DE NORWEGVE / DEVISE / DEVX EN VN
Lauguste et sacre noeud: d’un lien’ conjugal.
Vnit deux grands coeurs: l’hevreuse destine.
Le Bonheur l’accompaigne: et l’envie etonnée.
Admire cet hymen: qui n’eut jamais d’egal.
CHRISTIAN rend heureuse: une REYNE parfaitte.
L’un d’autre sont heureux: par un retour commun.
Ce tableau nous l’apprend: & sa devise est faitte.
Pour dire que ces coeurs: sont par tout DEVX EN V N.
Hafniae. 27.apr.1692. / De Bois Clair ...“

Tatsächlich war die bei den Riefelbildern angewandte Technik vor allem bei Ehepaarbildnissen beliebt, sie ist aber auch bei Geschwisterporträts belegt. Später wurde sie im Bereich von Andachtsbildern zur Anwendung gebracht, etwa bei Darstellungen von Jesus und Maria oder der Kombination von Kreuzigung und Auferstehung.


Inventare:
  • Summarisches Inventarium. Über die in dem königl. und hoch-fürstl. Kunst-Hause so genannten Medaillen-Cammer befindlichen Pretiosa und anderen Sachen. 1744 / 1747, S. 187, Nr. 193.
Literatur:
  • Lange, Justus; Carrasco, Julia: Kunst und Illusion. Das Spiel mit dem Betrachter. Petersberg 2016, Kat.Nr. 64, S. 180.


Letzte Aktualisierung: 02.11.2017


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