Trompe l´oeil, Wand mit einem Teniers-Stich



Trompe l´oeil, Wand mit einem Teniers-Stich


Inventar Nr.: GK 1245 (1780/26)
Bezeichnung: Trompe l´oeil, Wand mit einem Teniers-Stich
Künstler: unbekannt
Datierung: Mitte 18. Jh.
Geogr. Bezug: Deutschland, deutscher Künstler
Material / Technik: Leinwand
Maße: 65 x 51 cm (Bildmaß)


Katalogtext:
Das Leinwandgemälde, das lange Zeit von einer dicken Wachsschicht bedeckt war, konnte erst kürzlich restauriert werden. Es zeigt wie die vorherige Katalognummer eine an der Wand befestigte gemalte Druckgraphik. Mit vier roten Wachssiegeln ist das Blatt scheinbar an eine aus groben Holzbrettern mit Astlöchern gebildete Holzwand geklebt. Der Größenmaßstab des Gemäldes ist dazu angetan, den Betrachter in die Irre zu führen und nach dem Blatt greifen zu lassen. Durch Inschriften werden sowohl der Entwerfer der Komposition („Dawid Teners fesit“) sowie der Urheber des Kupferstichs („Coryn Boel . fpengsit“) benannt. Tatsächlich existiert ein solcher Kupferstich des niederländischen Stechers Coryn Boel nach einem Werk von David Teniers d.J., wobei der Maler des Trompe-l’œil-Gemäldes nur die Gruppe rechts aus der Vorlage übernommen hat (Hollstein III, Nr. 36, 19 x 24,5 cm). Zudem hat er noch eine dritte Inschrift angefügt, die jedoch heute nicht mehr einwandfrei zu entziffern ist und vielleicht seine eigene Signatur war.

Den Effekt der Täuschung verstärkt zudem eine Fliege, die sich gerade auf der linken nach vorne geknickten Ecke der Graphik niedergelassen zu haben scheint. Dieses Detail war zur Entstehungszeit des Gemäldes keineswegs neu, sondern stellte es in eine lange Traditionskette der Malereigeschichte. Bereits in der Antike diente die kleine, besonders schwierig darzustellende Fliege als Hinweis auf das Künstlerlob. So soll der Bildhauer Phidias winzig kleine Fliegenskulpturen hergestellt haben. In den Künstlerlegenden der Renaissance wird die täuschend echte Darstellung einer Fliege durch den Schüler zum Sinnbild früher Meisterschaft gegenüber dem Lehrer. So soll Giotto dies etwa in der Werkstatt des Cimabue vollbracht haben.

Es ist gerade der Aspekt der Unterbeweisstellung künstlerischer Meisterschaft durch einen Schüler, der vielleicht auch einen Schlüssel zu Identifizierung des Künstlers führen könnte. Wie die kunsttechnologischen Untersuchungen ergaben, befindet sich unter dem heutigen Gemälde ein Herrenporträt. Da zudem noch weitere Augenpaare zu erkennen sind, dürfte die Leinwand mehrere Male übermalt worden sein. Es könnte sich also um ein Werk eines Schülers einer Kunstakademie handeln, der die Leinwand mehrere Male benutzte, bis die heute sichtbare Komposition entstand. In Frage kämen etwa Schüler der 1777 gegründeten Kasseler Kunstakademie. Denkbar wäre aber auch, dass Christian Daniel Frahm der Autor des Werkes ist.

Erstmals ist das Werk im „Armatur- und Wachszimmer“ des Museum Fridericianum erwähnt. Es befand sich in unmittelbarer Nachbarschaft zu dem „Quodlibet mit Palette und Lob der Malerei“ (GK 1246) und belegt das große Interesse an solchen Kunstwerken im 18. Jahrhundert in Kassel.


Literatur:
  • Schnackenburg, Bernhard: Gemäldegalerie Alte Meister Gesamtkatalog. Staatliche Museen Kassel. 2 Bde. Mainz 1996, Kat.Nr. A22, S. 364.
  • Lange, Justus; Carrasco, Julia: Kunst und Illusion. Das Spiel mit dem Betrachter. Petersberg 2016, Kat.Nr. 5, S. 38.


Letzte Aktualisierung: 04.10.2016


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