Mutter und Kind vor den Ruinen des Vespasianstempels in Rom



Mutter und Kind vor den Ruinen des Vespasianstempels in Rom


Inventar Nr.: GK 376
Bezeichnung: Mutter und Kind vor den Ruinen des Vespasianstempels in Rom
Künstler: Jan Baptist Weenix (1621 - 1659), Umkreis
Datierung:
Geogr. Bezug:
Material / Technik: Leinwand
Maße: 79 x 66,2 cm (Bildmaß)
Provenienz:

erworben 1791


Katalogtext:
Der Maler Jan Baptist Weenix verbrachte einige Jahre in Rom, und viele seiner Werke verarbeiten die dort gewonnenen Eindrücke. Neben südlichen Landschaften, die mit einer Figurenstaffage kombiniert werden, gehören unter anderem auch Jagdstillleben, Tierstücke und Porträts zu den bevorzugten Sujets dieses sehr vielseitigen Künstlers.
Das Kasseler Gemälde zeigt im Vordergrund eine Mutter mit Kind, die vor einer antiken Tempelruine sitzt. Während sie einem kleinen Hündchen mit einer Geste Unterweisungen erteilt, hält das Kind in der Rechten eine Taube und in der Linken einen Apfel. Links hinter ihnen steht ein Mann mit Esel auf einem vertieften Pfad, der durch die Ruine hindurch in den Hintergrund führt. Dort sind zwei Reiter und etwas oberhalb weitere Reisende zu sehen, die gerade linkerhand aus einem Stadttor kommen. Am rechten Horizont lagert eine Gruppe Landleute an einem Strand.

Das Motiv der antiken Tempelsäulen verwendet der Künstler häufiger in seinen Gemälden, es handelt sich dabei um den Vespasianstempel auf dem Forum Romanum in Rom. Der zahme Vogel und das folgsame Hündchen, das gerade unterwiesen wird, lassen sich im übertragenen Sinne mit der Kindererziehung der jungen Mutter in Verbindung bringen. Die gleiche Figurengruppe taucht auch in einem signierten Gemälde des Künstlers im Philadelphia Museum of Art auf und steht dort mit dem biblischen Thema „Der Ruhe auf der Flucht nach Ägypten“ in Zusammenhang. In diesem Kontext kann die Taube als Symbol der Reinheit, des Friedens und des Heiligen Geistes gedeutet werden. Der Apfel als Frucht des Sündenfalls verweist auf Christus als den neuen Adam. Allerdings sind diese christologischen Bezüge in dem Kasseler Gemälde weniger eindeutig, da der Mann neben dem Esel in zeitgenössischer Kleidung nur bedingt mit Joseph identifiziert werden kann. Es scheint vielmehr, dass durch die Übernahme der Mutter-Kind-Gruppe aus dem Gemälde in Philadelphia der ursprüngliche biblische Kontext verunklärt wurde.

Das Werk wird erstmals in einem Inventar aus dem Jahr 1805 aufgeführt, dort noch als „Manier von Weenix“, und wurde später als eigenhändiges Werk dem Künstler zugeschrieben. Daran zweifelte zuletzt Sutton aufgrund der unveränderten Übernahme der Figurengruppe und der kompositorisch vergleichsweise wenig überzeugenden Einbindung in die Gesamtanlage des Bildes (Sutton 1990, S. 355).
Zu diesen für Weenix untypischen Merkmalen kommen stilistische Unterschiede, die eine gesicherte Zuschreibung des Kasseler Bildes fraglich erscheinen lassen.
(T. Trümper, 2011)


Literatur:
  • Robert, Ernst Friedrich Ferdinand: Versuch eines Verzeichnisses der Kurfürstlich Hessischen Gemählde-Sammlung. Cassel 1819, Kat.Nr. 536, S. 89.
  • Eisenmann, Oscar: Katalog der Königlichen Gemälde-Galerie zu Cassel. Nachtrag von C. A. von Drach. Kassel 1888, Kat.Nr. 348, S. 224.
  • Gronau, Georg: Katalog der Könglichen Gemäldegalerie zu Cassel. Berlin 1913, Kat.Nr. 376, S. 78.
  • Gronau, Georg; Luthmer, Kurt: Katalog der Staatlichen Gemäldegalerie zu Kassel. 2. Aufl. Berlin 1929, Kat.Nr. 376, S. 90.
  • Luthmer, Kurt: Staatliche Gemäldegalerie zu Kassel. Kurzes Verzeichnis der Gemälde. 34. Aufl. Kassel 1934, Kat.Nr. 376, S. 32.
  • Voigt, Franz: Die Gemäldegalerie Kassel. Führer durch die Kasseler Galerie. Kassel 1938, Kat.Nr. 376, S. 48.
  • Vogel, Hans: Katalog der Staatlichen Gemäldegalerie zu Kassel. Kassel 1958, Kat.Nr. 376, S. 173.
  • Plietzsch, Eduard: Holländische und Flämische Maler des XVII. Jahrh. Leipzig 1960, S. 139.
  • Herzog, Erich: Die Gemäldegalerie der Staatlichen Kunstsammlungen Kassel. Geschichte der Galerie von Georg Gronau und Erich Herzog. Hanau 1969, S. 90.
  • Lehmann, Jürgen M.; Verein der Freunde der Kasseler Kunstsammlungen, Kassel e. V. (Hrsg.): Gemäldegalerie Alte Meister. Schloß Wilhelmstal. Bildheft mit 100 Meisterwerken. Kassel 1975.
  • Schnackenburg, Bernhard: Gemäldegalerie Alte Meister Gesamtkatalog. Staatliche Museen Kassel. 2 Bde. Mainz 1996, S. 321.
  • Ekkehard Mai u.a.: Vom Adel der Malerei. Holland um 1700. Köln 2007, S. 300.
  • Lange, Justus u. a.: Dialoge. Barocke Meisterwerke aus Darmstadt zu Gast in Kassel. Petersberg 2011, Kat.Nr. 41, S. 124.


Letzte Aktualisierung: 26.02.2018


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