Abendmahlzeit bei Kerzenschein



Abendmahlzeit bei Kerzenschein


Inventar Nr.: L 220
Bezeichnung: Abendmahlzeit bei Kerzenschein
Künstler: Gottfried von Wedig (1583 - 1641)
Datierung:
Geogr. Bezug:
Material / Technik: Öl
Maße: 35,5 x 25 cm (Bildmaß)
Beschriftungen: Signatur: gefälschte Signatur links unten: "GFlegelius f" (GF ligiert, undeutlich)


Katalogtext:
Das Kasseler Gemälde kann anschaulich die engen stilistischen Beziehungen zwischen Georg Flegel und Gottfried von Wedig aufzeigen. Obwohl das Gemälde die Signatur „GFlegelius“ trägt, die sich jedoch als nachträglich aufgetragen erwies, galt es, schon bevor es als Leihgabe in die Kassler Gemäldegalerie gelangte, als Werk Gottfried von Wedigs. Stets wurde jedoch die enge stilistische Nähe zu Gemälden von Georg Flegel konstatiert, insbesondere zu dessen „Tabakstillleben mit Kerze“ im Kölner Walraff-Richartz-Museum. Dies führte jedoch zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen: Während Kurt Wettengl es trotz der vergleichbaren kunstvollen Beleuchtung als Werk von Wedig um 1630-40 ansah (Ausst. Kat. Köln/Darmstadt 1998/1999, S. 50), nahm es Anne-Dore Ketelsen unter die Werke Flegels auf, denn „ die durch die Beleuchtung inszenierte Plastizität der Objekte schafft eine für Flegel typische Räumlichkeit“ (Ketelsen-Volkhardt 2003, S. 296).

Der Vergleich mit dem Gemälde Wedigs im Hessisches Landesmuseum Darmstadt (GK 847) kann die Zuschreibung an Gottfried von Wedig jedoch stützen. Charakteristisch für ihn ist die dicht gedrängte Komposition der einzelnen Gegenstände, die ohne Überschneidung und zum Teil in der Aufsicht gezeigt werden, wie dies z. B. der Apfel rechts im Kasseler sowie das Ei auf dem Darmstädter Werk zeigen. Vergleichbar sind zudem die bisweilen nicht konsequent verlaufenden Schatten auf beiden Werken.

Kurt Wettengl wies auf den Unterschied zwischen den Alltagsspeisen Brot, Wein und Apfel und den besonderen Speisen Brathuhn und Oliven hin und schloss daraus: „Zeichen einer ‚fetten’, luxuriösen Lebensführung sind Huhn und Oliven, denen die ‚mageren’ Speisen, die für eine gottgefällige Lebensführung stehen, gegenübergestellt sind.“ (Ausst. Kat. Köln/Darmstadt 1998/1999, S. 50). Diesen Aspekt betone außerdem die teure Porzellankumme mit Goldmontierung, die als Importware zu den exklusiven Luxusprodukten gehörte. Der Deutung des Gemäldes als moralisierende Gegenüberstellung von Tugend und Laster widerspricht jedoch, dass gerade der vermeintlich „gottgefällige“ Apfel am verführerischsten glänzt und ebenso gut in einen christlichen Sinnzusammenhang gestellt werden könnte (z. B. als Hinweis auf den Sündenfall). Letztlich bleibt eine überzeugende allegorische Deutung der „Abendmahlzeit bei Kerzenschein“ spekulativ und scheint nicht im Vordergrund der künstlerischen Intention gestanden zu haben.


Literatur:
  • Weber, Gregor J. M.: Stilleben alter Meister in der Kasseler Gemäldegalerie. Melsungen 1989, Kat.Nr. 38, S. 41.
  • Lange, Justus u. a.: Dialoge. Barocke Meisterwerke aus Darmstadt zu Gast in Kassel. Petersberg 2011, Kat.Nr. 18, S. 74.


Letzte Aktualisierung: 08.09.2017


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