Doppelbildnis Philipps des Großmütigen und seine Frau Christine, geborene Herzog von Sachsen



Doppelbildnis Philipps des Großmütigen und seine Frau Christine, geborene Herzog von Sachsen


Inventar Nr.: LM 1938/345
Bezeichnung: Doppelbildnis Philipps des Großmütigen und seine Frau Christine, geborene Herzog von Sachsen
Künstler: Jost vom Hoff (tätig um 1578 bis 1592)
Datierung: 1585-1590
Geogr. Bezug:
Material / Technik: Öl
Maße: 127,3 x 203 x 10 cm (Rahmenmaß)
77 kg (Gewicht)
113 x 190 cm (Bildmaß)


Katalogtext:
Das Gemälde stammt aus der Wilhelmsburg in Schmalkalden, befand sich später in Schloss Philippsthal und wurde von dort 1938 für die Staatlichen Kunstsammlungen Kassel angekauft. Landgraf Wilhelm IV. von Hessen-Kassel hatte es für die von ihm errichtete Wilhelmsburg in Schmalkalden in Auftrag gegeben als Bestandteil einer umfangreicheren Serie von insgesamt zehn Porträts. Diese stellten neben Wilhelms Eltern Philipp und Christine die Geschwister des Landgrafen mit ihren jeweiligen Partnern dar: Landgräfin Agnes mit Kurfürst Moritz von Sachsen, ihrem ersten Mann, und Johann Friedrich, ihrem zweiten Gatten; Landgräfin Anna mit Pfalzgraf Wolfgang von Zweibrücken; Landgraf Wilhelm mit Sabina von Württemberg; Landgräfin Barbara mit Georg von Württemberg-Mömpelgard, ihrem ersten Mann, sowie Graf Daniel von Waldeck, ihrem zweiten Gemahl; Landgräfin Elisabeth mit Pfalzgraf Ludwig; Landgraf Philipp von Hessen-Rheinfels mit Elisabeth von der Pfalz; Landgräfin Christine mit Adolf zu Holstein und schließlich Georg von Hessen-Darmstadt mit Magdalena zur Lippe, seiner ersten Frau, und Eleonore von Württemberg, seine zweite Gattin (Scherer 1898, S. 53–57).

Mit der Errichtung der Burg sowie der Bildnisserie untermauerte Landgraf Wilhelm den hessischen Anspruch auf die Herrschaft Schmalkalden. Von 1360 bis 1583 wurde diese gemeinsam mit der Grafschaft Henneberg-Schleusingen verwaltet. Nach dem Tod des letzten Grafen von Henneberg 1583 gelangte Schmalkalden in den alleinigen Besitz der Landgrafschaft Hessen-Kassel. Darüber hinaus sollte die Porträtserie die dynastischen Beziehungen des Hauses Hessen visualisieren.

Wilhelm überwachte die Ausführung der Serie sehr genau und monierte bei dem Doppelbildnis seiner Eltern: „Meister Jost vom Hoff soll vnsers Herrn Vatters seligenn Conterfett rectificiren, nach der Taffel so wir ihm zugesteltt, Doch sol er die Augenn fein liechtgraw machenn Vndt den bartt feinn dunne Vndt dass maul nichtt so batschachtig sondernn ettwas Verbissenn, Vnnserer fraw Mutter seeliger Conterfett ist wohl gemachtt, doch dass der Halsz etwass zu hoch ist.“ (Scherer 1898, S. 53). Vorlage für das Bildnis Philipps war das 1570 entstandene Porträt von Michel Müller (Gemäldegalerie Alte Meister, Inv. Nr. AZ XVII 1905 A, Leihgabe der Städtischen Kunstsammlung), im Falle von Christine (1505–1549) wohl ein um 1534 entstandener Holzschnitt Hans Brosamers. Die paarweise Anordnung der Halbfiguren hinter einer mit Inschriften versehenen Brüstung hat in dem Doppelporträt von Kurfürst Moritz von Sachsen und seiner Gemahlin Agnes aus dem Jahr 1559 von Lucas Cranach d. J. einen direkten Vorläufer (Dresden, Gemäldegalerie, Nr. 1945). Im Unterschied dazu gestaltete Jost vom Hoff, der von 1578 bis zu seinem Tod 1592 für den landgräflichen Hof tätig war, das Gemälde jedoch mit Vorhängen hinter den Figuren und Teppichen und Kartuschen an der Brüstung aufwendiger. Auffällig ist, dass der Künstler wohl auf Veranlassung von Wilhelm als Vorlage zwei zeitlich weit auseinanderliegende Werke wählte. Während Christine als etwa 30-Jährige dem Holzschnitt Brosamers um 1534 entspricht, wird Philipp als 63-jähriger alter Mann kurz vor seinem Tod gezeigt, der deutlich gezeichnet ist von den Schicksalsschlägen im Zusammenhang mit dem Schmalkaldischen Krieg und der anschließenden fünfjährigen Gefangenschaft. In Wirklichkeit war Philipp jedoch nur ein Jahr älter als seine Frau.

Trotz des Altersunterschieds der beiden Porträtierten sollte damit wohl auch der Anschein einer funktionierenden Ehe propagiert werden, obwohl Philipp seit 1540 mit Margarethe von der Saale (1522–1566), dem ehemaligen Hoffräulein seiner Schwester Elisabeth von Rochlitz, eine heftig umstrittene, letztlich von Luther aber legitimierte Nebenehe eingegangen war (vgl. LM 1962/49). In einem Bildprogramm zur Legitimierung des dynastischen Anspruchs war dies jedoch absolut unerwünscht.


Literatur:
  • Scherer, Carl: Die Familienbilder im Landgrafenzimmer der Wilhelmsburg zu Schmalkalden, in: Repertorium für Kunstwissenschaft, 21, 1898, S. 53-57. 1898, S. 53-57.
  • Hinz, Berthold: Berthold Hinz, Studien zur Geschichte des Ehepaarbildnisses, in: Marburger Jahrbuch für Kunstwissenschaft, 19, 1974, S. 139-218. 1974, S. 179.
  • Borgrefe, Heiner [Hrsg.]; Lüpkes, Vera [Hrsg.];Ottomeyer, Hans [Hrsg.]: Moritz der Gelehrte. Ein Renaissancefürst in Europa. Eurasburg 1997, Kat.Nr. 25, S. 41.
  • Schütte, Rudolf-Alexander: Die Silberkammer der Landgrafen von Hessen-Kassel. Bestandskatalog der Goldschmiedearbeiten des 16. bis 18. Jahrhunderts in den Staatlichen Museen Kassel. Kassel / Wolfratshausen 2003.
  • Schloss Rochlitz: Eine starke Frauengeschichte. 500 Jahre Reformation. 1. Mai-31. Oktober Schloss Rochlitz. Markkleeberg 2014.
  • Carrasco, Julia [Redaktion,Lektorat]; Lange, Justus [Redaktion, Lektorat]: Bild und Botschaft. Cranach im Dienst von Hof und Reformation. Ausstellung Stiftung Schloss Friedenstein Gotha, Herzogliches Museum, 29.3-19.7.2015 / Museumslandschaft Hessen Kassel, Gemäldegalerie Alte Meister, Schloss Wilhelmshöhe 21.8.-29.11.2015. Heidelberg 2015, S. 266-267.
  • Schattkowsky, Martina [Hrsg.]: Frauen und Reformation. Handlungsfelder - Rollenmuster - Engagement. Leipzig 2016, S. 83.
  • Scherner, Antje [Bearb.]; Cossalter-Dallmann Stefanie [Bearb.]: Aus der Schatzkammer der Geschichte. Vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert. Petersberg 2016, Kat.Nr. 12, S. 42.
  • Brill, Klaus: Hessen. Pionierland der Reformation. Auf den Spuren von Martin Luther und Landgraf Philipp dem Großmütigen. Ein Kultur- und Geschichtsführer. Kassel 2017.
  • Lüpkes, Vera: Das gesprochene Wort. Luthers Freunde, Kommilitonen und Studenten verbreiten seine reformatorischen Gedanken. In: Mach's Maul auf! Reformation im Weserraum. Kat. Weserrenaissance-Museum Lemgo (2017), S. 41-62, S. 50.


Letzte Aktualisierung: 20.09.2017


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