Die Entstehung der roten Rose



Die Entstehung der roten Rose


Inventar Nr.: AZ 1964
Bezeichnung: Die Entstehung der roten Rose
Künstler: Johann August d. J. Nahl (1752 - 1825)
Datierung: 1790 o. 1816
Geogr. Bezug: Rom o. Kassel
Material / Technik: Leinwand, doubliert
Maße: Umzug NG: 87,5 x 112,0 x 6,0 cm (Objektmaß)
75 x 100 cm (Bildmaß)
Provenienz:

erworben 1955 vom Kunstkabinett Krebs jun., Kassel

1881, 1903 Auktionshaus Lepke, Berlin

bis 1880 Wilhelm Nahl, Kassel

Beschriftungen: Signatur: bez. (am Felsen unterhalb der Venus): J. August Nahl inv. et f./Cassel 1816
Beschriftung: verso auf dem Keilrahmen Klebezettel: 32; weiterer Klebezettel: 14; mit Bleistift: Venus and Cupid The origin of the red rose by J. A. Nahl


Katalogtext:
Beherrscht wird die Komposition von der Figur der Venus, deren Körper nahezu die gesamte Breite des querrechteckigen Bildformats einnimmt. Unter einem großen Laubbaum am bewaldeten Ufer eines Sees liegt die Göttin auf einem weißen und einem roten Tuch ausgestreckt und lässt sich von Amor einen Dorn aus ihrem rechten Fuß ziehen. Sie liegt dem Betrachter zugewandt auf der Seite und blickt in Richtung des Amor. Das Inkarnat von Venus und Amor mit den weich modellierten, blaugrauen Schattierungen wird durch das von links oben einfallende Licht effektvoll aus der braungrünen Tonigkeit der Landschaft hervorgehoben. Während die linke Hand der Venus auf die weiße Rose unterhalb ihres Fußes zeigt, stützt sie in die rechte den Kopf mit dem kunstvoll geflochtenen Haar, das von einem rot-blauen, perlenbestickten Band geziert ist und dessen Muster in dem Reif am linken Oberarm wiederkehrt. Amor kniet zu Füßen der Göttin und schaut auf die Wunde, aus der einige Tropfen Blut fließen.
Nach dem antiken Mythos von der Entstehung der roten Rose, wie er in Pausanias’ »Reisen in Griechenland« (VI, 24, 7) erzählt wird, tropft das Blut auf eine weiße Rose – Nahl hat sie unterhalb vom Fuß der Venus dargestellt – und färbt deren Blüten rot. Die Entstehung der roten Rose als Symbol für die Liebe gehört in den Kontext der Liebesgeschichte von Venus und Adonis. Als die Göttin dem sterbenden Adonis zu Hilfe eilen wollte, trat sie sich den Dorn in den Fuß und ihr Blut färbte die Rosen – die ursprünglich weiß waren – rot.
Im Katalog des Auktionshauses Lepke aus dem Jahr 1881, in dem der Nachlass Wilhelm Nahls angeboten wurde, heißt es, dass es sich bei dem Gemälde um die »Wiederholung eines seiner geschätztesten, im Jahr 1790 zu Rom ausgeführten Werke« handle. Nahl hat zwar »Die Entstehung der roten Rose« in verschiedenen Versionen ausgeführt (vgl. AZ 289), es gibt aber bis auf die Signatur des Bildes, das mit »1816« bezeichnet ist, keine Anhaltspunkte dafür, dass es eine Wiederholung ist. Vielmehr dürfte es sich um die Erstfassung der »Entstehung der roten Rose« handeln, die in Justis Artikel von 1796 und in der »autobiographischen Skizze« des Malers angeführt ist. In der Tat fügt sich das Gemälde stilistisch besser in Nahls römische Schaffensperiode um 1790, in der »Pyramus und Thisbe« (1875/1053) und auch »Merkur und Diana« (1875/1054) entstanden sind. Aufgrund eines Augenleidens fertigte Nahl nach 1815 nur noch Studien und Zeichnungen an, so dass er das Gemälde nicht 1816 gemalt, sondern nur nachträglich signiert haben dürfte. Dafür sprechen auch ein Punktierstich und ein kolorierter Druck, die der Nürnberger Kunstverleger Johann Friedrich Frauenholz nach der Erstfassung des Bildes von Friedrich Valentin Durmer um 1802 anfertigen ließ (Wien, Graphische Sammlung Albertina). Beide graphischen Reproduktionen stimmen mit dem vorliegenden Gemälde bis in Details überein. Leichte Abweichungen zeigen sich lediglich bei der Kopfhaltung der Venus und dem im Nachstich fehlenden Armband.
Als Gegenstück zu Nahls »Entstehung der roten Rose« wird im Katalog von Frauenholz das Gemälde »Jupiter und Antiope« angegeben, das ebenfalls als Punktierstich reproduziert wurde. Das Wiener Auktionshaus Dorotheum publizierte im März 2000 ein Gemälde nach Nahls »Entstehung der roten Rose«, das dort fälschlicherweise dem Umkreis von Johann Heinrich Tischbein d. J. zugeschrieben wurde.


Literatur:
  • Nahl d. J., Johann August: Biographische Skizze nach 1815., S. 31.
  • Material zur Familie Nahl aus dem Nachlaß Nicolai.
  • Justi, Karl Wilhelm: Wilhelm Böttner und Johann August Nahl. In: Meusel, Neue Miscellaneen (1796), S. 290-305, S. 303.
  • Justi, Karl Wilhelm: August Nahl's neueste Arbeiten. In: Hessische Denkwürdigkeiten Teil 3 (1802), S. 481-486, Kat.Nr. 7, S. 484.
  • Meusel, Johann Georg: Teutsches Künstlerlexikon oder Verzeichnis der jetztlebenden Teutschen Künstler, Zweite überarb. Ausgabe. Lemgo 1808ff., S. 82 (Bd. 2, 1809).
  • Catalog über die von Joh. Friedrich Frauenholz hg. Kupferstiche und Kunstwerke. Nürnberg 1809, S. 7, 36.
  • Justi, Karl Wilhelm: Grundlagen zu einer hessischen Gelehrten- Schriftsteller- und Künstler-Geschichte vom Jahre 1806 bis zum Jahre 1830.Fortsetzung von Strieders Hessischer Gelehrten- und Schriftsteller-Geschichte und Nachträge zu diesem Werk. Marburg 1831, S. 469.
  • Nagler, Georg Kaspar: Neues allgemeines Künstler-Lexicon. München 1835ff., S. 106 (Bd. 10, 1841).
  • Nahl, Wilhelm: Biographische Skizze zu Johann August Nahl d. J. 1849, Kat.Nr. 3, S. 2, 3.
  • Katalog einer Sammlung von Original-Gemälden etc. älterer und neuerer Meister aus der Hinterlassenschaft des in Cassel verstorbenen Herrn Joh. Wilh. Nahl. Kassel 1881, Kat.Nr. 32.
  • Boetticher, Friedrich von: Malerwerke des 19. Jahrhunderts. Leipzig 1941, Kat.Nr. 7, S. 123 (Bd. 2/1).
  • Von den Erwerbungen der letzten Jahre. Kassel 1955, Kat.Nr. 416.
  • Drei Kollektionen: Christian Bexer, Johann August Nahl d. J. und August von der Embde. Kassel 1959, Kat.Nr. 139.
  • Katalog der Städtischen Kunstsammlungen. Kassel 1965, Kat.Nr. 12, S. 412.
  • Dreiheller, Fritz: Notizen zu Emilie Weplers "Familiengeschichte aus Kassel". Darmstadt 1966, S. 1.
  • Dreiheller, Fritz: Joh. August Nahl d. J., Pygmalion. Darmstadt 1968, S. 3.
  • Dreiheller, Fritz: Joh. August Nahl d. J. und der Kunstverleger Frauenholz. Darmstadt 1969, S. 5.
  • Sabine Fett und Michael Kalusok: Die Künstlerfamilie Nahl - Rokoko und Klassizismus in Kassel. Verzeichnis sämtlicher Werke von Johann August Nahl d. Ä., Johann Samuel Nahl d. J. und Johann August Nahl d. J. im Besitz der Staatlichen Museen Kassel. Kassel 1994, Kat.Nr. 79.1, S. 72.
  • German Printmaking in the Age of Goethe. London 1994, Kat.Nr. 60, S. 106.
  • Heraeus, Stefanie [Bearb.]; Eissenhauer, Michael [Hrsg.]: Spätbarock und Klassizismus. Bestandskatalog der Gemälde in den Staatlichen Museen Kassel. Kassel [u.a.] 2003, Kat.Nr. 108, S. 130-132.

Siehe auch:


  1. AZ 289: Die Entstehung der roten Rose


Letzte Aktualisierung: 05.10.2017


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