Abraham Gotthelf Kästner



Abraham Gotthelf Kästner


Inventar Nr.: GK 719 (1875/1156)
Bezeichnung: Abraham Gotthelf Kästner
Künstler: Johann Heinrich d. Ä. Tischbein (1722 - 1789)
Datierung: 1770
Geogr. Bezug:
Material / Technik: Leinwand
Maße: 57 x 46,5 cm (Bildmaß)
Umzug NG: 70,5 x 60,2 x 7,2 cm (Objektmaß)
Provenienz:

erworben 1902/03 von Elisabeth Schwieger, Berlin

Nov. 1770 in Gleims Freundschaftsstempel, Halberstadt

Beschriftungen: Beschriftung: verso: Kaestner gemahlt für Gleim von J. H. Tischbein d. Aelt.


Katalogtext:
Tischbein d. Ä. malte das Bildnis Abraham Gotthelf Kästners für Johann Wilhelm Ludwig Gleims »Tempel der Freundschaft«. Den berühmtesten und meistbesuchtesten Freundschaftstempel des 18. Jahrhunderts hatte der Dichter seit 1745 in seinem Wohnhaus in Halberstadt angelegt. Nahezu alle Porträts der über hundert Exemplare umfassenden Sammlung vorbildlicher Persönlichkeiten der Aufklärung wurden im Brustausschnitt wiedergegeben.
Im Dreiviertelprofil, leicht nach rechts gewandt, richtet Kästner den Blick auf den Betrachter. Er trägt einen schlichten graugrünen Rock mit einer goldbestickten Weste darunter, eine weiße Halsbinde mit Spitzenjabot und eine hell gepuderte Zopfperücke mit dunkler Schleife. Wie in den anderen Bildnissen von Gleims Sammlung fehlen auch hier jegliche Attribute, die auf den Tätigkeitsbereich des Porträtierten verweisen.
Der in Leipzig geborene Abraham Gotthelf Kästner (1719-1800) war eine zentrale Figur der deutschen Aufklärungsbewegung und bereits zu Lebzeiten als Naturwissenschaftler und wegen seiner Gedichte und Satiren berühmt. Seit 1756 lehrte er an der Georg-August-Universität in Göttingen. Dort lernte ihn Tischbein durch seinen Freund Rudolf Erich Raspe (1737-1794) kennen. Raspe, Leiter der landgräflichen Sammlungen in Kassel und Professor der Altertümer am Collegium Carolinum, hatte Tischbein in den Kreis der Göttinger Gelehrten eingeführt: »Nominatim Herrn Rath Raspen wird gedankt, daß er Tischbeinen nach Göttingen gebracht hat«, schreibt Kästner an Raspe in einem Brief vom 21. November 1769 (zit. nach Hallo 1934, S. 260). Raspe hatte auch den Kontakt zwischen Tischbein und Gleim hergestellt, der Kassel 1770 besuchte. Im selben Jahr entstand auch Kästners Bildnis. Der Schriftsteller Heinrich Christian Boie, der Herausgeber des ersten Göttinger »Musenalmanach« und der Zeitschrift »Deutsches Museum«, erwähnt das Bildnis in einem Brief an Gleim vom 19. September 1770: »Noch ist trotz alles meines Treibens, Ihr Bild von Kästnern nicht fertig; [...] Kästner ist sehr getroffen und ich hoffe, Sie sollen mit dem Stücke zufrieden sein« (zit. nach Becker/Wappler 1965, S. 80). Kästner verfasste für das Porträt ein Epigramm: »Unter sein von Tischbein für Gleims Musentempel gemaltes Bildnis/Treu, unverschönert malt hier Tischbein mein Gesicht; so malt Gleim seinen König nicht« (ebd., S. 80).
Tischbein hat Kästner mehrfach porträtiert. Ein Halbfigurenporträt des Gelehrten wird in der Kunstsammlung der Universität Göttingen aufbewahrt (Inv. Nr. A 80). Ein in Rötel gezeichnetes Porträt von 1771, das Kästner in strengem Profil nach links zeigt, wurde als Kupferstich von Schleuen reproduziert (MHK, Graphische Sammlung, Inv. Nr. GS 404a+b). Zudem hielt Tischbein den Gelehrten in einer Radierung in Kreidemanier fest, die Kästner ebenfalls im Profil nach links, aber in Anlehnung an Künstlerselbstbildnisse in einem Hausmantel mit offenem Hemd und Mütze ohne Perücke zeigt (MHK, Graphische Sammlung, Inv. Nr. GS 5097).


Literatur:
  • Körte, Wilhelm: Johann Wilhelm Ludewig Gleims Leben. Aus seinen Briefen und Schriften. Halberstadt 1811, Kat.Nr. 32, S. 444.
  • Nagler, Georg Kaspar: Neues allgemeines Künstler-Lexicon. München 1835ff., S. 514 (Bd. 18, 1848).
  • Ausstellung deutscher Kunst aus der Zeit von 1775-1875. Gemälde und Skulpturen. München 1906, Kat.Nr. 1784, S. 232.
  • Thieme, U. [Hrsg.]; Becker, F [Hrsg.]; Vollmer, H. [Hrsg.]: Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Leipzig 1907-1950, S. 210 (Bd. 33, 1939.
  • Bahlmann, Hermann: Johann Heinrich Tischbein. Straßburg 1911, Kat.Nr. 3, S. 20, 72.
  • Gronau, Georg: Katalog der Könglichen Gemäldegalerie zu Cassel. Berlin 1913, Kat.Nr. 719, S. 70.
  • Gronau, Georg; Luthmer, Kurt: Katalog der Staatlichen Gemäldegalerie zu Kassel. 2. Aufl. Berlin 1929, Kat.Nr. 719, S. 82.
  • Hallo, Rudolf: Rudolf Erich Raspe. Ein Wegbereiter von deutscher Art und Kunst. Stuttgart 1934, S. 258-262.
  • Vogel, Hans: Katalog der Staatlichen Gemäldegalerie zu Kassel. Kassel 1958, Kat.Nr. 719, S. 157.
  • Herzog, Erich [Bearb.]: Johann Heinrich Tischbein d. Ä. 1722-1789. Kassel 1964, Kat.Nr. 135, S. 21.
  • Becker, Carl; Wappler, Gerlinde: Die Bildnisse im Gleimhaus. Halberstadt 1965, S. 80.
  • Herzog, Erich: Meisterwerke in hessischen Museen. Hanau 1967a, S. 147.
  • Marianne Heinz [Bearb.]; Erich Herzog [Bearb.+ Hrsg.]: Johann Heinrich Tischbein d. Ä. (1722 - 1789), Kassel trifft sich - Kassel erinnert sich in der Stadtsparkasse Kassel. Kassel 1989, Kat.Nr. A 4, S. 191.
  • Baasner, Rainer: Abraham Gotthelf Kästner, Aufklärer. 1719-1800. Tübingen 1991.
  • Flohr, Anna-Charlotte: Johann Heinrich Tischbein d.Ä. (1722-1789) als Porträtmaler mit einem kritischen Werkverzeichnis. München 1997, Kat.Nr. G 131, S. 225.
  • Scholke, Horst [Bearb.]: Der Freundschaftstempel im Gleimhaus zu Halberstadt. Porträts des 18. Jahrhunderts. Leipzig 2000, S. 200.
  • Heraeus, Stefanie [Bearb.]; Eissenhauer, Michael [Hrsg.]: Spätbarock und Klassizismus. Bestandskatalog der Gemälde in den Staatlichen Museen Kassel. Kassel [u.a.] 2003, Kat.Nr. 246, S. 287-288.


Letzte Aktualisierung: 09.11.2017


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