Hafen an der nordafrikanischen Küste



Hafen an der nordafrikanischen Küste


Inventar Nr.: GK 425
Bezeichnung: Hafen an der nordafrikanischen Küste
Künstler: Reiner Nooms, gen. Zeeman (1623 - 1664)
Datierung:
Geogr. Bezug:
Material / Technik: Leinwand
Maße: 154 x 215 cm (Bildmaß)
Provenienz:

erworben vor 1819


Katalogtext:
Über Reinier Nooms, genannt Zeeman, liegen bislang nicht viele biographische Angaben vor: Wahrscheinlich stammte er aus Amsterdam. Im Jahr 1658 gibt er an, fünfunddreißig Jahre alt zu sein, so dass sich sein Geburtsjahr auf 1623/24 ansetzen lässt. Weitere Dokumente zeichnen kein besonders sittsames Bild des Künstlers, der offensichtlich gewalttätig war und regelmäßig in Bordellen verkehrte (Ausst. Kat. Rotterdam/Berlin 1996/96, S. 277). Seit den 1650er Jahren schuf er Radierungen, die ihn als talentierten und erfolgreichen Graphiker ausweisen. Unter anderem zeigen die Blätter Ansichten von Paris und Umgebung, so dass ein längerer Aufenthalt in Frankreich vermutet werden darf. Weitere Reisen nach Spanien, Malta und Nordafrika sind durch Zeichnungen und gemalte Ansichten belegt (Lammertse 1993, S. 46-47).
Nooms Werke zeigen die Prägung durch Gemälde von Willem van de Velde d. Ä. und umfassen viele Facetten der Marinemalerei, von der Darstellung historischer Seeschlachten über Ansichten von Hafenstädten bis hin zu Schilderungen der Natur.
Das Kasseler Gemälde ragt innerhalb dieser Gattung durch sein Format hervor und gehört zu den größten Werken des Künstlers. Zu sehen ist ein Hafen an der nordafrikanischen Küste, an der zwei große Handelsschiffe ankern. Der auf der linken Seite liegende Dreimaster unter holländischer Flagge wird gerade mit Waren beladen. Rechts im Vordergrund auf einer Landzunge sieht man eine Gruppe mit Turbanen gekleideter Personen sowie einen Europäer in Verhandlungen. So ergibt sich eine dem unteren Bildverlauf folgende Horizontale, die zur Rechten von Felsformationen, in denen eine befestigte Stadt im Mittegrund zu sehen ist, hinterfangen wird. Nach links hin öffnet sich das Meer und lässt weitere Schiffe am Horizont erkennen. Die Wolken am Himmel nehmen diese diagonale Bewegung auf und setzen sie nach links oben fort.

Wahrscheinlich war Nooms, der meist mit seinem Beinamen „Zeeman“ signierte, selbst einige Zeit auf See. Es wird angenommen, dass er an Bord der Flotte von Michiel de Ruyter war, die zwischen 1661 und 1663 das Mittelmeer durchstreifte und u. a. in Tripolis zahlreiche Niederländer freikaufen konnte (Lammertse 1993, S. 46). Wahrscheinlich entstand im Anschluss an diese Fahrt das Kasseler Gemälde.
(J. Lange, 2011)


Literatur:
  • Robert, Ernst Friedrich Ferdinand: Versuch eines Verzeichnisses der Kurfürstlich Hessischen Gemählde-Sammlung. Cassel 1819, Kat.Nr. 1030, S. 159-160.
  • Aubel, L.; Eisenmann, Oscar: Verzeichniß der in der Neuen Gemälde-Galerie zu Cassel befindlichen Bilder. 2. Aufl. Kassel 1878, Kat.Nr. 906, S. 79.
  • Eisenmann, Oscar: Katalog der Königlichen Gemälde-Galerie zu Cassel. Nachtrag von C. A. von Drach. Kassel 1888, Kat.Nr. 390, S. 247.
  • Willis, Fred C.: Die niederländische Marinemalerei. Leipzig 1911, S. 104.
  • Gronau, Georg: Katalog der Könglichen Gemäldegalerie zu Cassel. Berlin 1913, Kat.Nr. 425, S. 46.
  • Gronau, Georg; Luthmer, Kurt: Katalog der Staatlichen Gemäldegalerie zu Kassel. 2. Aufl. Berlin 1929, Kat.Nr. 425, S. 54.
  • Luthmer, Kurt: Staatliche Gemäldegalerie zu Kassel. Kurzes Verzeichnis der Gemälde. 34. Aufl. Kassel 1934, Kat.Nr. 425, S. 36.
  • Voigt, Franz: Die Gemäldegalerie Kassel. Führer durch die Kasseler Galerie. Kassel 1938, Kat.Nr. 425, S. 60.
  • Vogel, Hans: Katalog der Staatlichen Gemäldegalerie zu Kassel. Kassel 1958, Kat.Nr. 425, S. 104.
  • Schnackenburg, Bernhard: Gemäldegalerie Alte Meister Gesamtkatalog. Staatliche Museen Kassel. 2 Bde. Mainz 1996, S. 208.
  • Lange, Justus u. a.: Dialoge. Barocke Meisterwerke aus Darmstadt zu Gast in Kassel. Petersberg 2011, Kat.Nr. 63, S. 170.


Letzte Aktualisierung: 26.02.2018


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