Büste eines Greises mit goldener Kette



Büste eines Greises mit goldener Kette


Inventar Nr.: GK 233
Bezeichnung: Büste eines Greises mit goldener Kette
Künstler: Rembrandt Harmensz. van Rijn (1606 - 1669)
Datierung: 1632
Geogr. Bezug:
Material / Technik: Öl
Maße: 103 x 92 x 12 cm (Rahmenmaß)
59,3 x 49,3 cm (Bildmaß)
Provenienz:

erworben 1750 durch Wilhelm VIII. mit dem Kabinett des Valerius Röver, Delft


Katalogtext:
Das Bild, dessen Herkunft sich bis zu dem 1693 verstorbenen Amsterdamer Sammler Valerius Röver d. Ä. zurückverfolgen läßt, wurde vn H. Gerson unter Rembrandts frühen Studienköpfen als besonders reich und ausdrucksstark hervorgehoben, von J. Bruyn dagegen als Fälschung, vom Corpus als Imitation >>von außerordentlicher Bravour<< eingestuft, entstanden zu einem unbekannten Zeitpunkt vor 1693. In der Folge hielt nur Schwartz an der alten Zuschreibung fest. Während Sumowski GK 233 in das Werk von G. Flinck um 1642 einzuordnen versuchte, betonte Grimm die enge Verbindung mit Rembrandts Stil von 1632. Nach der dendrochronologischen Analyse (Bericht Dr. P. Klein, Hamburg, 14.9.1989) ist eine Entstehung ab 1617 möglich.
Die Ablehnung des Amsterdamer Rembrandt Research Project (RRP) beruhte auf einer enggefaßten Vorstellung von Rembrandts Frühstil als Feinmalerei mit begrenzten Möglichkeiten freier Gestaltung. Gemälde in extrem rauher und offener Malweise mit breiten, pastosen und unverbundenen Pinselzügen, neben GK 233 insbesondere die >>Büste eines lachenden Mannes<< in Den Haag, Mauritshuis, und der >>Kopf eines alten Mannes mit Kappe<< in Milwaukee, Slg. Bader, wurden angezweifelt oder abgeschrieben (Corpus I, 1982, Nr. B 6, C 22). Diese Sichtweise wurde von E. van de Wetering nicht voll geteilt (s. S. 580, bei C 22) und später grundsätzlich revidiert (Referat auf dem Amsterdamer Rembrandt-Symposium vom 16.1.1992). Unbeachtet blieb bisher die enge Verwandtschaft zwischen dem Bild der Slg. Bader und GK 233, die sich bis in die Ausführung des linken, beleuchteten Gesichtskonturs und der buschigen Augenbrauen erstreckt. Bei dem Kasseler Greisenkopf knüpfte Rembrandt in der Malweise an das ungefähr zwei Jahre früher in Leiden entstandene kleinformatige Werk an. Die Expressivität des Vortrags erstreckt sich jetzt auf die lebensgroß erfaßte Figur insgesamt. Zur Nachwirkung des Motivs in der Rembrandt-Schule s. GK 1112.


Literatur:
  • Causid, Simon: Verzeichnis der Hochfürstlich-Heßischen Gemälde-Sammlung in Cassel. Kassel 1783, Kat.Nr. 63, S. 53.
  • Aubel, L.; Eisenmann, Oscar: Verzeichniß der in der Neuen Gemälde-Galerie zu Cassel befindlichen Bilder. 2. Aufl. Kassel 1878, Kat.Nr. 355, S. 33.
  • Eisenmann, Oscar: Katalog der Königlichen Gemälde-Galerie zu Cassel. Nachtrag von C. A. von Drach. Kassel 1888, Kat.Nr. 211, S. XLII Anm. 2), 138.
  • Bode, Wilhelm; Hofstede de Groot, C. (mitwirkend): Rembrandt. Beschreibendes Verzeichniss seiner Gemälde mit den Heliographischen Nachbildungen. Geschichte seines Lebens und seiner Kunst. Paris 1897-1901, Kat.Nr. 137, S. 155-156 (Bd. 2).
  • Voll, Karl: Die Meisterwerke der königlichen Gemälde-Galerie zu Cassel. München 1904.
  • Moes, E. W.: Het Kunstkabinet van Valerius Röver te Delft. In: Oud Holland 30 (1913), S. 4-24, Kat.Nr. 39, S. 7, 17.
  • Gronau, Georg: Katalog der Könglichen Gemäldegalerie zu Cassel. Berlin 1913, Kat.Nr. 233, S. 52.
  • Gronau, Georg; Luthmer, Kurt: Katalog der Staatlichen Gemäldegalerie zu Kassel. 2. Aufl. Berlin 1929, Kat.Nr. 233, S. 62.
  • Luthmer, Kurt: Staatliche Gemäldegalerie zu Kassel. Kurzes Verzeichnis der Gemälde. 34. Aufl. Kassel 1934, Kat.Nr. 233, S. 22.
  • Benesch, Otto: Rembrandt. Werk und Forschung. Wien 1935, Kat.Nr. dG. 272/3, S. 13.
  • Bredius, A.: Rembrandt Gemälde. Wien 1935.
  • Voigt, Franz: Die Gemäldegalerie Kassel. Führer durch die Kasseler Galerie. Kassel 1938, Kat.Nr. 233, S. 18-19.
  • Vogel, Hans: Katalog der Staatlichen Gemäldegalerie zu Kassel. Kassel 1958, Kat.Nr. 233, S. 117.
  • Vogel, Hans: 45 Gemälde der Kasseler Galerie. Kassel 1961, S. 56.
  • Bott, Gerhard; Gronau, Georg; Herzog, Erich; Weiler, Clemens: Meisterwerke hessischer Museen. Die Gemäldegalerien in Darmstadt, Kassel und Wiesbaden. Hanau 1967, S. 115.
  • Herzog, Erich: Die Gemäldegalerie der Staatlichen Kunstsammlungen Kassel. Geschichte der Galerie von Georg Gronau und Erich Herzog. Hanau 1969, S. 27.
  • Schnackenburg, Bernhard: Gemäldegalerie Alte Meister Gesamtkatalog. Staatliche Museen Kassel. 2 Bde. Mainz 1996, S. 229.
  • Weber, Gregor J. M. u.a.: Rembrandt-Bilder. Die historische Sammlung der Kasseler Gemäldegalerie. Ausstellungskatalog Staatliche Museen Kassel. München 2006, Kat.Nr. 15, S. 137-141.


Letzte Aktualisierung: 01.09.2017


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