Bildnis eines stehenden Herrn in ganzer Figur



Bildnis eines stehenden Herrn in ganzer Figur


Inventar Nr.: GK 239
Bezeichnung: Bildnis eines stehenden Herrn in ganzer Figur
Künstler: Rembrandt Harmensz. van Rijn (1606 - 1669)
Datierung: 1639
Geogr. Bezug:
Material / Technik: Öl
Maße: 199 x 123,5 cm (Bildmaß)
Provenienz:

erworben 1752 von Gerhard Morell in Hamburg durch Wilhelm VIII.


Katalogtext:
Die Identität des Mannes, der vermutlich der Oberschicht des Amsterdamer Bürgertums angehörte, ist nicht überliefert. Hinsichtlich der Quellenlage kommt am ehesten Andries de Graeff (1611-1679) in Betracht, mit dessen gesicherten Porträts jedoch keine Ähnlichkeit besteht. Unter diesem Aspekt ist der von den Autoren des Corpus zur Diskussion gestellte Dr. Cornelis Jansz. Witsen (1605-1669) ein besserer Kandidat. Von diesem Mäzen des Künstlers ist allerdings kein Bildnisauftrag an Rembrandt dokumentiert. Über ein zugehöriges Frauenporträt ist nichts bekannt. Aufgrund der Haltung der Figur und der Lichtregie könnte GK 239 auch ein Einzelporträt sein. Diese Unsicherheit erschwert eine Deutung des Handschuhs am Boden. Er ist offensichtlich nicht abgelegt oder fallengelassen, sondern schräg nach vorne geschleudert worden. Die betonte Aktion erinnert an das Werfen des Fehdehandschuhs, das im Spätmittelalter in den Niederlanden besonders eingebürgert war. Das alte Rechtszeiten für die Verpflichtung zum ritterlichen Zweikampf ist hier vielleicht in übertragenem Sinn verwendet worden, etwa in Zusammenhang mit der Bewerbung um ein öffentliches Amt. Die demonstrative Entblößung der Hand wurde möglicherweise auch als Ausdruck von Ehrlichkeit und Offenheit verstanden. (Im Sachsenspiegel war aus diesem Grund Richtern das Anlegen von Handschuhen verboten.) Die geläufigste Rolle in der holländischen Porträtmalerei spielt der Handschuh in der Hochzeitssymbolik, als Zeichen des Bestimmungsrechtes des Ehemannes über die Frau. (Grundlegend für alle genannten Aspekte: B. Schwineköper, Der Handschuh im Recht, Ämterwesen, Brauch und Volksglauben, Berlin 1938 (Reprint Sigmaringen 1981), S. 62, 90, 94, 95 ff.).


Literatur:
  • Causid, Simon: Verzeichnis der Hochfürstlich-Heßischen Gemälde-Sammlung in Cassel. Cassel 1783, Kat.Nr. 9, S. 3.
  • Eisenmann, Oscar: Katalog der Königlichen Gemälde-Galerie zu Cassel. Nachtrag von C. A. von Drach. Kassel 1888, Kat.Nr. 217, S. 144.
  • Bode, Wilhelm; Hofstede de Groot, C. (mitwirkend): Rembrandt. Beschreibendes Verzeichniss seiner Gemälde mit den Heliographischen Nachbildungen. Geschichte seines Lebens und seiner Kunst. Paris 1897-1901, Kat.Nr. 254, S. 101-102 (Bd. 4).
  • Voll, Karl: Die Meisterwerke der königlichen Gemälde-Galerie zu Cassel. München 1904.
  • Gronau, Georg: Katalog der Könglichen Gemäldegalerie zu Cassel. Berlin 1913, Kat.Nr. 239, S. 52.
  • Schmidt-Degener, F.: Portretten door Rembrandt. In: Oud Holland 32 (1914), S. 217-224, S. 219-220.
  • Gronau, Georg; Luthmer, Kurt: Katalog der Staatlichen Gemäldegalerie zu Kassel. 2. Aufl. Berlin 1929, Kat.Nr. 239, S. 62.
  • Luthmer, Kurt: Staatliche Gemäldegalerie zu Kassel. Kurzes Verzeichnis der Gemälde. 34. Aufl. Kassel 1934, Kat.Nr. 239, S. 22.
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  • Voigt, Franz: Die Gemäldegalerie Kassel. Führer durch die Kasseler Galerie. Kassel 1938, Kat.Nr. 239, S. 20.
  • Munoz, Antonio: Rembrandt. Rom 1941, Kat.Nr. 70, S. XXVII.
  • Vogel, Hans; Bode, Arnold; Schuh, Ernst: Gemälde der Kasseler Galerie kehren zurück. Ausstellung Kunsthistorisches Museum Wien 20.12.1955 - 5.2.1956, Hessisches Landesmuseum Kassel 18.3.1956 - 30.9.1956. Kassel 1955, Kat.Nr. 39, S. 18.
  • Schaffran, Emerich: Das Dr. v. Wurzbach-Legat an die Galerie der Akademie der bildenden Künste in Wien. In: Oud Holland 72 (1957), S. 41-50, S. 47.
  • Vogel, Hans: Katalog der Staatlichen Gemäldegalerie zu Kassel. Kassel 1958, Kat.Nr. 239, S. 119.
  • Poch-Kalous, Margarethe: Das Legat Wolfgang von Wurzbach-Tannenberg an die Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste in Wien. In: Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien 55 (1959), S. 159-200, S. 178-179.
  • Das Legat Wolfgang von Wurzbach. Katalog der Sonderausstellung. Akademie der Bildenden Künste in Wien. Wien 1962, Kat.Nr. 13, S. 15-16.
  • Das Legat Wolfgang von Wurzbach. Katalog der Sonderausstellung. Akademie der Bildenden Künste in Wien. Wien 1964, Kat.Nr. 7, S. 15-16.
  • Bott, Gerhard; Gronau, Georg; Herzog, Erich; Weiler, Clemens: Meisterwerke hessischer Museen. Die Gemäldegalerien in Darmstadt, Kassel und Wiesbaden. Hanau 1967, S. 122.
  • Herzog, Erich: Die Gemäldegalerie der Staatlichen Kunstsammlungen Kassel. Geschichte der Galerie von Georg Gronau und Erich Herzog. Hanau 1969, S. 34, 86.
  • Gerson, Horst; Schwartz, Gary (Hrsg.): Rembrandt Gemälde. Gesamtwerk. Gütersloh 1969, Kat.Nr. 192, S. 209, 302, 496.
  • Bredius, A.; Gerson, Horst (Hrsg.): Rembrandt. The complete edition of the paintings. London 1969, Kat.Nr. 216, S. 565.
  • Schnackenburg, Bernhard: Gemäldegalerie Alte Meister Gesamtkatalog. Staatliche Museen Kassel. 2 Bde. Mainz 1996, S. 232, 241.
  • Weber, Gregor J. M. u.a.: Rembrandt-Bilder. Die historische Sammlung der Kasseler Gemäldegalerie. Ausstellungskatalog Staatliche Museen Kassel. München 2006, Kat.Nr. 27, S. 195-201.
  • Baer, Ronni: Class Distinctions. Dutch Painting in the Age of Rembrandt and Vermeer. Boston 2015, S. 145-146.
  • Van Eikema Hommes, Margriet: The Rijksmuseum Bulletin. Vol. 64(2016)/1; Artikel: The Hidden Youth of Dirck Jacobsz Leeuw: A Portrait by Govert Flinck Revealed. Amsterdam, Niederlande 2016, S. 9.
  • Bikker, Jonathan: Marten and Oopjen. Two monumental portraits by Rembrandt. Amsterdam 2016, S. 39.


Letzte Aktualisierung: 12.06.2017


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