Drei Mädchen opfern Amor Blumen



Drei Mädchen opfern Amor Blumen


Inventar Nr.: GK 320
Bezeichnung: Drei Mädchen opfern Amor Blumen
Künstler: Pieter van der Werff (1661 oder 1665 - 1722)
Datierung: 1710
Geogr. Bezug:
Material / Technik: Eichenholz
Maße: 33,3 x 25,7 cm (Bildmaß)
38,3 x 30,6 x 3,8 cm Verglasung mit Normalglas entspiegelt (Rahmenmaß)
Provenienz:

erworben 1750 durch Wilhelm VIII. mit dem Kabinett des Valerius Röver, Delft

Beschriftungen: Signatur: P:v.rWErff.fecit/ANNO 1710


Katalogtext:
Hinter einer Balustrade schmücken drei Mädchen eine Amorstatuette mit Blumen. Auf einem mit floralem Muster verzierten Teppich steht dafür ein Weidenkorb mit Blüten bereit, die von den Kindern zu Kränzen geflochten werden. Während die Jüngste ihrer Schwester bei der Arbeit zuschaut, ist die größte der drei damit beschäftigt, den Schmuck an der Figur anzubringen. Im Hintergrund erstreckt sich eine Parklandschaft mit Architekturelementen.
Bezeichnet rechts unten mit „P.vʳWerff.fec./ANNO 1710“ stellt das Gemälde ein typisches Werk des aus Rotterdam stammenden Künstlers Pieter van der Werff (1661/65-1722) dar, der immer im Schatten seines älteren Bruders Adriaen (1659-1722) stand. Dieser blieb für Pieters gesamtes Schaffen Lehrer und Vorbild in einer Person, und so kann auch das Kasseler Stück „Drei Mädchen opfern Amor Blumen“ mit seinen Werken in einen Zusammenhang gestellt werden. Vergleichen lässt sich etwa das Motiv der Balustrade mit frühen Fensterbildern sowie einem Historienbild Adriaens, das ebenfalls zwei Mädchen, hier mit Schalen voller Blumen und Früchten, zeigt (Antiochus, Seleucus und Stratonice, heute Bordeaux. Gaehtgens 1987, S. 362).

Kopien oder Variationen bekannter Themen des älteren Bruders bestimmen das Werk Pieter van der Werffs und zeugen von der außerordentlichen Beliebtheit von Adriaens Bildfindungen im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts. Beide Brüder starben im selben Jahr 1722.

Wahrscheinlich gehörte ursprünglich zu dem Gemälde „Drei Mädchen schmücken Amor mit Blumen“ ein formatgleiches Pendant von Pieter van der Werff mit der Darstellung von drei Mädchen, dessen Verbleib ungeklärt ist. Im Jahr 1713 wurden beide Gemälde noch gemeinsam auf einer Auktion in Rotterdam angeboten (Hoet 1752, Bd. 1, Nr. 38 und 39). In späterer Zeit galt das hier besprochene Werk zu Unrecht als Gegenstück zu einem Gemälde desselben Künstlers mit dem Titel „Zwei Knaben mit einem Vogelnest“, welches allerdings bereits vor 1730, also mindestens 20 Jahre früher, für Kassel erworben wurde und weder kompositorisch noch thematisch einen Bezug zu den drei Mädchen bildet (Inv. Nr. GK 319, Eisenmann 1888, Nr. 293).

Inwiefern sich hier ein allegorischer Bezug herstellen lässt, der die drei Kinder in einen höheren Zusammenhang mit der Liebesthematik stellt, ist unklar. Vielleicht erhoffen sich die Mädchen durch ihre spielerische Blumenspende Beistand durch den Liebesgott Amor. So erinnert auch der geflochtene Kranz an zeitgenössische Brautkränze, doch überwiegt letztlich das Dekorative des Bildes gegenüber den allegorischen Andeutungen.
(T. Trümper, 2011)


Literatur:
  • Hoet, Gerard: Catalogus of Naamlyst van Schilderyen, mit derzelver Pryzen. Zedert een langen Reeks van Jaaren zoo in Holland als op andere Plaatzen in het Openbaar verkogt. Den Haag 1752, 1770, Kat.Nr. 38, 45, S. 157, 369 (Bd. 1).
  • Robert, Ernst Friedrich Ferdinand: Versuch eines Verzeichnisses der Kurfürstlich Hessischen Gemählde-Sammlung. Cassel 1819, Kat.Nr. 616, S. 101.
  • Aubel, L.; Eisenmann, Oscar: Verzeichniß der in der Neuen Gemälde-Galerie zu Cassel befindlichen Bilder. 2. Aufl. Kassel 1878, Kat.Nr. 724, S. 65.
  • Eisenmann, Oscar: Katalog der Königlichen Gemälde-Galerie zu Cassel. Nachtrag von C. A. von Drach. Kassel 1888, Kat.Nr. 293, S. XLV Anm. 50), 193.
  • Moes, E. W.: Het Kunstkabinet van Valerius Röver te Delft. In: Oud Holland 30 (1913), S. 4-24, Kat.Nr. 98, S. 22.
  • Gronau, Georg: Katalog der Könglichen Gemäldegalerie zu Cassel. Berlin 1913, Kat.Nr. 320, S. 78.
  • Gronau, Georg; Luthmer, Kurt: Katalog der Staatlichen Gemäldegalerie zu Kassel. 2. Aufl. Berlin 1929, Kat.Nr. 320, S. 91.
  • Luthmer, Kurt: Staatliche Gemäldegalerie zu Kassel. Kurzes Verzeichnis der Gemälde. 34. Aufl. Kassel 1934, Kat.Nr. 320, S. 29.
  • Voigt, Franz: Die Gemäldegalerie Kassel. Führer durch die Kasseler Galerie. Kassel 1938, Kat.Nr. 320, S. 66.
  • Vogel, Hans; Bode, Arnold; Schuh, Ernst: Gemälde der Kasseler Galerie kehren zurück. Ausstellung Kunsthistorisches Museum Wien 20.12.1955 - 5.2.1956, Hessisches Landesmuseum Kassel 18.3.1956 - 30.9.1956. Kassel 1955, Kat.Nr. 55, S. 23.
  • Vogel, Hans: Katalog der Staatlichen Gemäldegalerie zu Kassel. Kassel 1958, Kat.Nr. 320, S. 174.
  • Bernt, Walther: Die Niederländischen Maler des 17. Jahrhunderts. 2. Aufl. München 1960/62, Kat.Nr. 995.
  • Bernt, Walther: Die Niederländischen Maler und Zeichner des 17. Jahrhunderts. 4. Aufl. München 1979/80, Kat.Nr. 1463, S. 56 (Bd. 3).
  • Gaethgens, Barbara: Adriaen van der Werff 1659-1722. München 1987, Kat.Nr. 104, S. 362.
  • Schnackenburg, Bernhard: Gemäldegalerie Alte Meister Gesamtkatalog. Staatliche Museen Kassel. 2 Bde. Mainz 1996, S. 323.
  • Lange, Justus u. a.: Dialoge. Barocke Meisterwerke aus Darmstadt zu Gast in Kassel. Petersberg 2011, Kat.Nr. 47, S. 136.
  • Junko Aono: Confronting the Golden Age. Imitation and Innovation in Dutch Genre Painting 1680-1750. Amsterdam 2015, S. 36-38.
  • Rehm, Stefanie: Die Rekonstruktion eines spektakulären Ankaufs im Jahr 1750. Landgraf Wilhelm VIII. und die Sammlung Röver aus Delft. In: Museumslandschaft Hessen Kassel. Jahrbuch 2016 (2018), S. 216-225.


Letzte Aktualisierung: 26.02.2018


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