Bildnis eines Physikers mit Prisma



Bildnis eines Physikers mit Prisma


Inventar Nr.: GK 1235
Bezeichnung: Bildnis eines Physikers mit Prisma
Künstler: Pieter R. Rahmstorpff
Datierung: 1648
Geogr. Bezug:
Material / Technik: Öl
Maße: 95 x 82 cm (Bildmaß)
Beschriftungen: Beschriftung: Ich Denk auf Dies Drey Kant Figur / War in men Sicht drey Eyn Natur / Di von den Waysen Wirt betracht Und / Von den Aelderen ser verlacht / Aetatis 43 [45?] / Fe[cit] P. rahmstorpf Anno 1648


Katalogtext:
Der Maler Pieter R. Rahmstorpff stammte aus Holstein und arbeitete die meiste Zeit seines Lebens in Holland. Über sein Leben und Werk liegen bislang nur wenige Erkenntnisse vor. Das vorliegende Porträt stammt aus dem Jahr 1648, als Rahmstorpff in der Leidener Gilde eingeschrieben war. Am 7. November 1655 ist er im Mitgliederverzeichnis der evangelisch-lutherischen Gemeinde in Zaandam verzeichnet. Weitere biographische Daten sind bislang nicht bekannt. Ebenso wenig lässt sich der Dargestellte identifizieren. Denkbar ist jedoch, dass hier Pieter Smits porträtiert sein könnte, der zu den Gründungsmitgliedern der Leidener Gilde gehörte und in den Dokumenten stets als „Mathematicus“ bezeichnet wird. Der in eine schwarze Tracht gekleidete Gelehrte ist auf einem Stuhl sitzend gezeigt und hält in seiner Linken ein Prisma nach oben, um die Lichtbrechung zu beobachten. Die Zerlegung des weißen Lichts in seine Spektralfarben gehört zu den wichtigsten Entdeckungen der frühen Experimentalphysik. Allgemein wird diese Entdeckung Isaac Newton zugeschrieben, der 1672 das entscheidende Experiment mit einer speziellen Anordnung von Prismen durchführte und dies in seiner „New Theory about Light and Colours“ darlegte. Einer der Kontrahenten von Newton war Christiaan Huygens, der später in seinem 1690 erschienenen „Traite de la lumiere“ seine Wellentheorie des Lichts vorstellte.

Das Prisma war jedoch schon in den Jahrzehnten vor Newtons Experiment als Wunderding beliebt. Die Zerlegung des Lichtes in seine Spektralfarben wurde beispielsweise bereits vom Prager Naturforscher Johannes Marcus Marci in seinem Werk „De arcu coelesti“ von 1648 beschrieben. Der genaue Sinn der Inschrift ist nicht einfach zu erschließen. Mit der „drey Kant Figur“ ist sicher das Prisma gemeint. Der folgende Satz „war in men sicht drey eyn Natur“ mag auf den gemeinsamen Ursprung der drei Grundfarben verweisen, die aus der Zerlegung des weißen Lichts entstehen- eine Erkenntnis, die „von den Waysen wirt betracht und / von den Aelderen sehr verlacht“ wird.

Es dürfte vielleicht also kein Zufall sein, dass sich im selben Jahr wie der Veröffentlichung von Marci der unbekannte Physiker mit dem neuen Wunderding porträtieren ließ. Ganz ähnliche Prismen, wie das auf dem Gemälde abgebildete, haben sich im Astronomisch-Physikalischen Kabinett der Museumslandschaft Hessen Kassel erhalten.

Die Universität in Leiden war ein Zentrum der naturwissenschaftlichen Forschung, in der alle Neuigkeiten wahrgenommen und diskutiert wurden, so studierte auch Christiaan Huygens dort. Das Bildnis ist ein gutes Beispiel für die intensive und kontrovers diskutierte Erforschung des Lichtes, die sich nicht nur in der Physik und Optik, sondern auch im Medium der Malerei widerspiegelte.


Literatur:
  • Lange, Justus u.a.: Lichtgefüge. Das Licht im Zeitalter von Rembrandt und Vermeer. Petersberg 2011, Kat.Nr. 47, S. 136.


Letzte Aktualisierung: 20.08.2015


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