Bildnis des Louis Gaucher, Duc de Châtillon (1737-1762)



Bildnis des Louis Gaucher, Duc de Châtillon (1737-1762)


Inventar Nr.: GK 1244
Bezeichnung: Bildnis des Louis Gaucher, Duc de Châtillon (1737-1762)
Künstler: Johann Heinrich d. Ä. Tischbein (1722 - 1789), Maler/in
Dargestellt: Louis Gaucher de Châtillon (1737 - 1762)
Datierung: 1762
Geogr. Bezug: Deutschland, Kassel
Material / Technik: Öl
Maße: 221 x 127 cm (Bildmaß)
Beschriftungen: Signatur: JHTi...be fecit...62


Katalogtext:
Das Porträt zeigt im großformatigen und repräsentativen Porträttypus den 25-jährigen Adeligen Louis Gaucher, Duc de Châtillon (1737-1762), in ganzer Figur vor einer Landschaft. Der Duc de Châtillon zählte während der Französischen Besatzung Kassels im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) zu den hochrangigen Offizieren vor Ort. Wie aus den Aufzeichnungen von Tischbeins erstem Biographen Josef Friedrich Engelschall hervorgeht, erfreute sich der Kasseler Hofmaler bei den Franzosen großer Beliebtheit: „Die Talente dieses Künstlers zogen bald die Aufmerksamkeit der Franzosen an sich, und wurden bewundert. Sein edler Geschmack, erhöht durch ein warmes Kolorit, und die Grazie, die eine hinschmelzende Wollust über seine Gemälde hauchte, machten ihn diesem Volke sehr beliebt. Mehrere französische Officiere, und darunter selbst einige Heerführer, wie z.B. der Duc de Broglio, und der General Franz de Chevert, ließen sich von ihm malen, und ehrten sein Verdienst durch unbeschränkten Beifall.“
Der junge, aufwendig und elegant uniformierte Regimentskommandeur steht auf einer baumbegrenzten Lichtung, die sich im Hintergrund zu einer weiten Landschaft hin öffnet. Linkerhand erscheint im Hintergrund der Carlsberg, die heutige Wilhelmshöhe, mit dem von Landgraf Carl errichteten markanten Herkulesbauwerk und der barocken Kaskadenanlage, die sich unterhalb bis zum Schloss auf dem Weißenstein, dem Vorgängerbau des heutigen Schlosses Wilhelmshöhe, am Fuße des Hanges erstreckt. Rechts sind in geringerer Entfernung ein französisches Feldlager und auf einem Hügel davor eine Gruppe kartenspielender Grenadiere zu erkennen. Links des Porträtierten liegt auf einem Felsblock neben dem Dreispitz gut erkennbar eine detailliert wiedergegebene Karte der Stadt Kassel mit ihren Befestigungen und umliegenden Dörfern. Die linke Hand in die Hüfte gestemmt, verweist der Kommandant zum Betrachter blickend mit seiner ausgestreckten Rechten auf den Punkt der Karte, der den Standort von Herkules und Schloss im Hintergrund markiert. Der Offizier der französischen Besatzungstruppen zeigt sich also selbstbewusst vor dem architektonischen Herrschaftssymbol der ins Exil geflüchteten Landgrafen. Die militärische Stärke des französischen Heeres wird somit gleichsam politisch-kulturell untermauert.
In Komposition und Auffassung reiht sich das Gemälde in den Typus des repräsentativen fürstlich-militärischen Standesporträts im Œuvre Tischbeins ein. In Format, künstlerischem Anspruch und historischer Bedeutung stellt es ein herausragendes Beispiel dar und ergänzt auf großartige Weise den vorhandenen Bestand an Werken Tischbeins in der Gemäldegalerie Alte Meister sowie den Schlössern Wilhelmsthal und Weißensteinflügel der Museumslandschaft Hessen Kassel.
(J. Lange, 2017)


Literatur:
  • Lange, Justus: Neuerwerbung für die Gemäldegalerie Alte Meister. Johann Heinrich Tischbein d. Ä., Bildnis Louis gaucher, Duc de Châtillon, in: Jahrbuch der Museumslandschaft Hessen Kassel 2016, Kassel 2017, S. 238-239. Kassel 2017, S. 238-239.
  • Lange, Justus; Gräf, Holger Th.; Rehm, Stefanie: Patrimonia 391, Johann Heinrich Tischbein d. Ä., Bildnis des Louis Gaucher, Duc de Châtillon, Gemäldegalerie Alte Meister, Museumslandschaft Hessen Kassel. Kassel 2018.


Letzte Aktualisierung: 28.02.2019


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