Bildnis eines Herrn



Bildnis eines Herrn


Inventar Nr.: GK 1011
Bezeichnung: Bildnis eines Herrn
Künstler: Pierre Franchoys (1606 - 1654), Maler/in
Dargestellt: unbekannt
Datierung: um 1650
Geogr. Bezug:
Material / Technik: Öl
Maße: 114,5 x 86,5 cm (Bildmaß)
Provenienz:

erworben 1966 von Kunsth. Daan Cevat, London


Katalogtext:
Dem Betrachter präsentiert sich ein Herr in Dreiviertelfigur leicht zurückgelehnt und etwas nach links gedreht vor dunklem Grund. In lockerer Haltung stützt er sich auf die rückseitige Lehne eines Stuhls, in der Linken einen Handschuh haltend und die rechte behandschuhte Hand in die Hüfte gestemmt. Die schwarze, auffallend schmucklose Kleidung wird nur durch den breiten, anliegenden Kragen aus weißem Stoff sowie die entsprechenden Manschetten akzentuiert. Gemeinsam mit der differenzierten Lichtführung, die sich in selektiver Weise auf die Hände und das Gesicht konzentriert, ergibt sich eine ausgewogene Komposition von gleichmäßig verteilten hellen und dunklen Bildpartien.
Die Pose wirkt scheinbar zufällig gewählt und vermeidet in ihrer Lebendigkeit eine starre und langweilige Darstellung, ohne jedoch auf eine würdevolle und repräsentative Inszenierung zu verzichten. Hierzu tragen die leichte Untersicht sowie der distanzierte Blick des Dargestellten bei. Die Stuhllehne erinnert an ein Postament, das als typische Würdeformel im Porträt Verwendung findet. Trotz der sehr reduziert eingesetzten Mittel erreicht der Maler eine überzeugende und individuelle Charakterisierung des Herrn, die sich neben der Haltung vor allem durch die nuanciert wiedergegebenen Gesichtszüge vermittelt.

Der flämische Künstler Pieter Franchoys (1606–1654), dem das Gemälde zugeschrieben ist, orientiert sich mit seinen meist in Halbfigur ausgeführten Bildnissen deutlich an Anthonys van Dyck, dessen Porträtkunst insbesondere für die Lebendigkeit und Unmittelbarkeit der dargestellten Personen berühmt ist. Neben Porträts fertigte Franchoys auch Historienbilder, doch haben sich hierzu nur wenige Beispiele erhalten. Bereits seine Zeitgenossen schätzten den Künstler besonders für seine Figurenmalerei, so dass er für Malerkollegen auch die Figurenstaffage von Landschaftsgemälden ausführte.
Das Bild der Kasseler Sammlung, welches um 1650 entstanden ist, wurde erst im Jahr 1966 aus dem englischen Kunsthandel für die Kasseler Gemäldegalerie erworben und ergänzt seither auf hervorragende Weise die Porträts van Dycks, die im gleichen Saal präsentiert werden.
(T. Trümper, 2011)


Literatur:
  • Herzog, Erich; Lehmann, Jürgen M.: Unbekannte Schätze der Kasseler Gemälde-Galerie. Kassel 1968, S. 80.
  • Schnackenburg, Bernhard: Flämische Meister in der Kasseler Gemäldegalerie. Kassel 1985, Kat.Nr. 64, S. 45.
  • Schnackenburg, Bernhard: Gemäldegalerie Alte Meister Gesamtkatalog. Staatliche Museen Kassel. 2 Bde. Mainz 1996, S. 119.
  • Lange, Justus u. a.: Dialoge. Barocke Meisterwerke aus Darmstadt zu Gast in Kassel. Petersberg 2011, Kat.Nr. 29, S. 98.


Letzte Aktualisierung: 22.10.2018


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