Das Innere der Jesuitenkirche in Antwerpen (Gegenstück zu GK 1084)



Das Innere der Jesuitenkirche in Antwerpen (Gegenstück zu GK 1084)


Inventar Nr.: GK 1085
Bezeichnung: Das Innere der Jesuitenkirche in Antwerpen (Gegenstück zu GK 1084)
Künstler: Johann Honore Homagius (1642 - 1696), Maler/in
Datierung: 1678 - 1696
Geogr. Bezug: Belgien, Antwerpen, Jesuitenkirche
Material / Technik: Öl
Maße: 120,5 x 144,5 cm (Bildmaß)
136,5 x 160,3 x 10,5 cm (Objektmaß)
136,5 x 160,3 x 14 cm (Objektmaß)
Provenienz:

erworben durch Landgraf Karl


Katalogtext:
Die Jesuitenkirche in Antwerpen zählt zu den herausragenden Barockbauwerken der Stadt an der Schelde. Rubens nahm ganz wesentlich Anteil sowohl an der Architektur sowie der skulpturalen und malerischen Ausstattung. Der Bau wurde zwischen 1615 und 1621 errichtet und war mit 39 Gemälden der Rubens-Werkstatt eines der größten Bildausstattungsprogramme in Antwerpen. Es sollte nicht zuletzt den Kanonisierungsprozess der beiden Ordenspatrone Ignatius von Loyola und Francisco de Xavier (Franz Xaver) visuell untermauern. Beide wurden schließlich 1622 von Papst Gregor XV. heiliggesprochen.

Einem verheerenden Brand im Jahr 1718 fielen zwar alle Deckengemälde zum Opfer, doch der restaurierte Kirchenraum sowie die Skulpturen lassen noch heute die prachtvolle Gestaltung des Kirchenraums erahnen. Über die Gemälde informieren uns zudem zahlreiche Zeichnungen und Ölskizzen von Rubens, die heute in verschiedenen Museen aufbewahrt werden. Zudem sind die beiden Hochaltargemälde mit dem Wunder des Hl. Ignatius von Loyola und dem Wunder des Hl. Franz Xaver (Kunsthistorisches Museum, Wien) erhalten geblieben.

Insofern kommen Ansichten des Kirchenraums vor dem Brand dokumentarischen Charakter zu. Bekannt sind heute Ansichten von u.a. Sebastian Vranx (um 1630, Kunsthistorisches Museum, Wien), Anton Ghering (1663, Alte Pinakothek, München und 1665, Kunsthistorisches Museum, Wien) Wilhelm Schubert von Ehrenberg (1667, Musées Royaux des Beaux-Arts, Brüssel). Sie unterscheiden sich in den Details zum Teil sehr, so dass die Frage, welche der Ansichten am zuverlässigsten ist, nicht immer einfach zu beantworten ist.

Das Gemälde von Johann Honore Homagius wurde in diesem Zusammenhang bislang nicht beachtet oder als reine Kopie nach Ghering bzw. Ehrenberg angesehen. Über das Leben und Werk des Künstlers ist bislang nur wenige bekannt. Homagius wurde 1642 als Sohn des Malers und Graphikers Johann Daniel Homagius in Kassel geboren und ist zwischen 1678 bis zu seinem Tod 1696 als Hofmaler für Landgraf Carl von Hessen-Kassel belegt. Er scheint sich auf das Fach der Architekturmalerei spezialisiert zu haben. Erhalten sind fünf Bilder in der Gemäldegalerie Alte Meister in Kassel. Wo und bei wem Homagius gelernt hat, ist nicht bekannt. Von seinen Architekturbildern ausgehend, möchte man einen Aufenthalt in Antwerpen oder zumindest gute Kenntnisse der dortigen Kunstszene annehmen. Ebenso unbekannt ist der Entstehungszeitpunkt des Gemäldes.

Vergleicht man nun die Ansichten der Jesuitenkirche miteinander, so fällt Homagius’ Werk schon allein durch seine Beleuchtungssituation und das völlige Fehlen von Staffagefiguren auf. Der entvölkerte Kirchenraum und die starken Hell-Dunkel-Kontraste erzeugen eine unwirkliche Stimmung. Aus dem Fehlen der Figuren könnte man schließen, dass es nicht in Antwerpen entstanden ist, wo sicher ein Maler für die Staffagefiguren zu finden gewesen wäre. Wie konnte also Homagius etwas über den Kircheninnenraum in Erfahrung bringen? Da er zudem ein Gegenstück mit dem Innern der Peterskirche in Rom schuf, liegt der Verdacht nahe, dass der Künstler nach zeichnerischen Vorlagen gearbeitet hat.

Unabhängig von der Frage, wie Homagius Kenntnis der beiden Kirchenräume erhalten konnte, stellt das Bilderpaar, das unter Landgraf Carl bereits zu Beginn des 18. Jahrhunderts im Kunsthaus überliefert ist, einen bemerkenswerten Umstand dar. Zwei der bedeutendsten katholischen Kirchenbauten waren so in der calvinistisch geprägten Landgrafschaft visuell präsent. Sie waren auch dem Reisenden Zacharias Conrad von Uffenbach eine Erwähnung in seiner Reisebeschreibung aus dem Jahre 1709 wert, der sie „unvergleichlich nach der Perspectiv gemacht“ fand. Tatsächlich wird das Fehlen von Figuren nicht etwa als Manko wahrgenommen, sondern der Kirchenraum entfaltet gerade dadurch eine besondere Sakralität.
(J. Lange, 2020)


Inventare:
  • Summarisches Inventarium. Über die in dem königl. und hoch-fürstl. Kunst-Hause so genannten Medaillen-Cammer befindlichen Pretiosa und anderen Sachen. 1744 / 1747, S. 187, Nr. 189.
Literatur:
  • Uffenbach, Zacharias Conard von: Merkwürdige Reisen durch Niedersachsen Holland und Engelland. Ersther Theil. Memmingen 1753, S. 47.
  • Schnackenburg, Bernhard: Gemäldegalerie Alte Meister Gesamtkatalog. Staatliche Museen Kassel. 2 Bde. Mainz 1996, S. 146.
  • Bungarten, Gisela (Hrsg.): Groß gedacht! Groß gemacht? Landgraf Carl in Hessen und Europa. Ausstellungskatalog. Kassel, Museumslandschaft Hessen Kassel. Petersberg 2018, S. 479-480, Kat.Nr. X.17.
  • Peter Paul Rubens und der Barock im Norden. Ausstellungskat. Erzbischöfliches Diözesanmuseum Paderborn. Petersberg 2020, S. 335-336, Kat.Nr. 45.


Letzte Aktualisierung: 04.12.2020


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