Das Spielchen



Das Spielchen


Inventar Nr.: GK 268
Bezeichnung: Das Spielchen
Künstler: Pieter Verelst (um 1618 - um 1678), Maler/in
Datierung:
Geogr. Bezug:
Material / Technik: Öl
Maße: 26,9 x 31,7 cm (Bildmaß)
44 x 49,1 x 8,5 cm mit RSS (Rahmenmaß)


Katalogtext:
Die Darstellung von Karten spielenden, trinkenden oder sich raufenden Bauern hat in der niederländischen Kunst eine lange Tradition und ihren Ursprung in der Komödie als Bauernsatire. Das so zur Schau gestellte angeblich lasterhafte Leben der Bauern sollte den gebildeten Ständen einerseits als abschreckendes Beispiel für Fehlverhalten dienen, andererseits stand es sinnbildhaft für die Unzulänglichkeit des menschlichen Handelns im allgemeinmen. Insbesondere durch Werke von Adriaen Brouwer und Isaak van Ostade fand das Thema in der Malerei weite Verbreitung.

In dieser Tradition steht auch Verelsts kleine Holztafel. Sie wurde 1885 in Köln auf der Auktion der Sammlung des Freiherrn Richard von Friesen (1808–1884) aus Dresden für die Gemäldegalerie angekauft. Friesen hatte das Gemälde aus der Sammlung des Leipziger Pioniers der Homöopathie Dr. med. Carl Haubold (1796–1862) erworben. In der Kasseler Gemäldegalerie an der Schönen Aussicht wurde Verelsts „Spielchen“ offenbar sehr geschätzt und war zunächst im Kabinett 7 mit anderen Werken der holländischen und flämischen Schule ausgestellt. Es ergänzte den Bestand der Rembrandt-Schüler, da man damals annahm, Verelst war in der Werkstatt des Meisters tätig gewesen. Konsequenterweise war es in unmittelbarer Nähe zu Rembrandts berühmtem Porträt seiner Frau Saskia sowie „Dem federschneidenden Herrn“ ausgestellt, was bis 1912 so beibehalten wurde. Danach wanderte Verelsts kleines Gemälde in ein anderes Kabinett und war dort mit anderen flämischen Meistern ausgestellt.

Nach dem 2. Weltkrieg fand „Das Spielchen“ jedoch immer weniger Beachtung, wenngleich es im Gesamtkatalog von Hans Vogel aus dem Jahr 1958 aufgelistet ist. Das Galeriegebäude war stark kriegszerstört und harrte noch der Wiederherstellung. In den provisorischen Präsentationen im Hessischen Landesmuseum von 1945 bis 1973 fand Verelsts „Spielchen“ keinen Platz mehr und wanderte ins Depot. Ende der 1970er Jahre wurde es im Tausch abgegeben. 2006 tauchte es in einer Auktion in Hamburg auf und konnte für die Gemäldegalerie Alte Meister zurück erworben werden.
(J.Lange, 2026)

Literatur:
  • Gronau, Georg; Luthmer, Kurt: Katalog der Staatlichen Gemäldegalerie zu Kassel. 2. Aufl. Berlin 1929, S. 87, Kat.Nr. 268.
  • Luthmer, Kurt: Staatliche Gemäldegalerie zu Kassel. Kurzes Verzeichnis der Gemälde. 34. Aufl. Kassel 1934, S. 25, Kat.Nr. 268.
  • Voigt, Franz: Die Gemäldegalerie Kassel. Führer durch die Kasseler Galerie. Kassel 1938, S. 63, Kat.Nr. 268.
  • Dohe, Sebastian; Guratzsch, Herwig; Lange, Justus: 'Die holländischen Bilder hab ich freilich gern'. Wilhelm Busch und die Alten Meister. Kassel 2013, S. 144, Abbildung S. 65, 144, Kat.Nr. 26.


Letzte Aktualisierung: 07.04.2026



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